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Auch Profis müssen sich weiterbilden

Auch Profis müssen sich weiterbilden

  • Ausbildung
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Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
5 MIN

Wassersprungdienst, Bauen und Absetzen von Türlasten, Bergen von hängengebliebenen Springern. Das stand auf dem Weiterbildungsplan der sogenannten Absetzer des Fallschirmjägerregiments 31 aus Seedorf. Sie sorgen für einen sicheren Sprungdienst. Um den Ausbildungsstand der Fallschirmspringer zu erhalten, hat der Lufttransportfeldwebel des Regiments aus Seedorf mit den Absetzern eine Woche lang trainiert.

Ein Soldat steht im Innenraum des Transportflugzeuges. Links steht ein Soldat und an den Seiten sitzen drei Soldaten vor ihm.

Der Spezialist für den Lufttransport im Fallschirmjägerregiment 31 weist die Absetzer in das neue Transportflugzeug A400M ein.

Bundeswehr/Markus Mader

Es ist früh am Vormittag. Der Lufttransportfeldwebel des Fallschirmjägerregiments 31, Hauptfeldwebel Carsten Bergmann*, bereitet den Unterrichtsraum vor. Hier beginnt die diesjährige Absetzerweiterbildung des Fallschirmjägerregiments 31 mit einem Theorieteil. Die Absetzer bereiten alle anderen Fallschirmjäger auf ihren Absprung vor, überwachen und überprüfen das Anlegen der Fallschirmsysteme vor jedem Sprung und führen die Sicherheitstrainings durch. Sie haben also eine herausgehobene Stellung. Aber auch Profis müssen regelmäßig weitergebildet werden.

Im Laufe der Woche geht es für diese Soldaten an unterschiedliche Orte in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, unterstützt von der Luftwaffe und der Marine. Ziel ist es, alle Absetzer des Fallschirmjägerregiments 31 mit dem neuen Transportflugzeug Airbus A400M vertraut zu machen. Die Abläufe werden verbessert und alle Absetzer auf einen einheitlichen Ausbildungsstand gebracht. Dazu steht viel auf dem Programm. Wassersprungdienst, Bauen und Absetzen von Türlasten, Bergen von hängengebliebenen Springern und letztendlich eine Einweisung ins Absetzen von Fallschirmspringern aus dem A400M.

Über allem: der Absetzleiter

Die Fort- und Weiterbildung der Absetzer ist nur einer der Aufträge von Hauptfeldwebel Bergmann. Er selbst ist ein erfahrener Fallschirmspringer und hat als Absetzleiter der Absetzer (ALA) damit den höchsten Ausbildungsstand erreicht. In dieser Funktion ist er der Hauptverantwortliche für die Fallschirmsprungdienste im Fallschirmjägerregiment 31. Aber nicht nur der Transport von Personen durch die Luft gehört zu seinen Tätigkeiten, sondern auch das Befördern von Material und Gefahrgut im Lufttransport. Fallschirmjäger müssen jederzeit, schnell und weltweit verlegbar sein. Deshalb ist der ALA als Fachmann besonders wichtig. Ein Dienstposten mit viel Verantwortung. Denn nur ein kleiner Fehler, beispielsweise in der Dokumentation oder beim Verpacken, und einsatzwichtiges Material verbleibt am Boden. Daher sind Lehrgänge und persönliche Weiterbildungen seine ständigen Begleiter.

Vorbereitung auf den A400M

In einer Halle stehen und sitzen mehrere Soldaten mit ihrem Fallschirm, einer von ihnen wird gerade überprüft.

Der Absetzer überprüft die Fallschirmsprungausrüstung hinter dem Fallschirmspringer.

Bundeswehr/Markus Mader

Der Fliegerhorst des Lufttransportgeschwaders 62 (LTGLufttransportgeschwader 62) im niedersächsischen Wunstorf ist der erste Anlaufpunkt der Ausbildungswoche. Nur hier ist es möglich, in einem Simulator, dem sogenannten Cargo Hold Trainer, der dem Ladungsraum des A400M eins zu eins entspricht, das Absetzen von Fallschirmspringern mit automatischer Auslösung zu simulieren und zu üben. Denn bald werden die Fallschirmjäger nur noch vom A400M aus springen. Daher bereiten sich die Soldaten des Regiments schon jetzt auf den Wechsel von dem bisher genutzten Transportflugzeug C-160 Transall auf den A400M vor. Unterstützt werden sie dabei vom LTGLufttransportgeschwader 62, das tatkräftig an der Einsatzprüfung für den Automatiksprung beteiligt war.

Weiter geht es am nächsten Morgen im niedersächsischen Celle. Dort ist das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit beheimatet. Von Celle aus starten in der Regel die Fallschirmsprungdienste des Regiments. An diesem Ausbildungsabschnitt sind Fallschirmspringer der Kompanien beteiligt. Das Ziel ist es, die Abläufe am Startplatz und im Luftfahrzeug stetig zu verbessern, um auf unterschiedliche Situationen besser und schneller reagieren zu können. Dabei spielt der ALA unterschiedliche Szenarien ein und der eingeteilte Absetzer muss die richtigen Maßnahmen einleiten. Das erhöht die Reaktions- und Handlungssicherheit der Absetzer-Teams. Denn Fehler kann man sich in einer Notsituation nicht erlauben. Alle Handgriffe müssen sitzen, jeder Teilnehmer muss sein Können dabei unter den kritischen Augen des ALA beweisen. „Ich bin mit den Leistungen sehr zufrieden“, sagt Bergmann anschließend.

Ein Sprung ins kalte Wasser

Ein Soldat landet mit einem Fallschirm im Wasser. Rechts von dem Soldaten fährt ein Schlauchboot mit Soldaten an Bord.

Ein Fallschirmjäger landet mit seinem Fallschirm im Wasser. Die Wasserlandung wird trainiert, falls ein Springer mal nicht auf festen Boden landet und vom Wind abgetrieben wird. Ein Schnellboot der Marine hilft ihm im Anschluss aus dem Wasser.

Bundeswehr/Markus Mader

An der Küste Schleswig-Holsteins geht langsam die Sonne über der Eckernförder Bucht auf. Gute Wetterbedingungen für den Ausbildungsabschnitt Wasserlandung. Mit Unterstützung des Kommandos Spezialkräfte Marine (KSMKommando Spezialkräfte der Marine) blicken die Absetzer nun auch mal über den eigenen Tellerrand: Denn das Wasser ist nicht ihr bevorzugtes Landegebiet. Hierfür werden alle mit Neoprenanzügen, Neoprenschuhen und Flossen ausgestattet. Außerdem bekommt jeder Fallschirmspringer noch ein Tauchermesser, um sich im Notfall befreien zu können.

Für die Kameraden vom KSMKommando Spezialkräfte der Marine ist es hingegen eine normale Verbringungsart, um zu ihrem Einsatzort zu kommen. Die Abläufe vom Absprung bis zur Landung im Wasser sind beim Notverfahren Wasserlandung identisch. Nur der Anzug unterscheidet sich maßgeblich. So ist es schon eine Herausforderung, mit Flossen über der Ostsee den Absprung zu wagen. „Ich werde hier noch zu einem S.E.A.L ausgebildet“, wie ein Fallschirmjäger scherzhaft beim Anlegen des Fallschirms sagt. Die Abkürzung S.E.A.L steht für Sea, Air, Land und ist die Bezeichnung einer amerikanischen Spezialeinheit der USUnited States Navy. Jeder Teilnehmer kann am Ende des Tages viele wertvolle Erfahrungen im Bereich Wassersprungdienst mitnehmen, die bei regimentsinternen Sprungdiensten eingebracht werden können.

Zielgenau abgeworfen

Ein Transportflugzeug fliegt am Himmel. Aus der Tür des Transportflugzeugs fällt ein Paket heraus.

Ein Lastenabwurf aus einer Transall C-160. In den Türlasten befindet sich einsatzwichtiges Material, das der Fallschirmjäger mit seinem Fallschirm auf dem Rücken nicht mitführen kann.

Bundeswehr/Markus Mader

Auch beim Start des letzten Abschnittes der Weiterbildung herrschen beste Wetterbedingungen. Bei strahlendem Sonnenschein beginnen die Vorbereitung für das Abwerfen der Türlasten über dem Standortübungsplatz im niedersächsischen Seedorf. Hier sollen in mehreren Anflügen unterschiedliche Türlasten aus einer Höhe von 80 Metern zielgenau abgeworfen werden. In den Türlasten wird das Gerät und Material verstaut, das nicht direkt von den Fallschirmjägern mitgeführt werden kann. Der erste Anflug startet planmäßig. Nach kurzer Flugzeit gibt der Absetzleiter das Signal zum Öffnen der Tür. Luft strömt ins Luftfahrzeug und der Absetzer vergewissert sich, ob der Luftraum frei ist. Nun werden die Türlasten vor der Tür in Position gebracht. Alle warten sichtlich angespannt auf das Signal zum Abwurf. Auch am Boden wartet man auf das am Schirm hängende Material. Jetzt wird sich zeigen, ob alle Wetterdaten richtig ausgewertet und berechnet wurden. Die C-160 Transall hat die Absetzhöhe erreicht und nähert sich dem Übungsplatz.

Daumen hoch

Dann plötzlich das Signal und mit einem beherzten Stoß wird die Türlast aus der Tür gedrückt. Der Schirm öffnet sich und nach kurzer Gleitphase landet der Behälter wie im Vorfeld berechnet, mittig auf dem Standortübungsplatz. Mit strahlendem Gesicht reckt der Absetzer seinen Daumen hoch an den Absetzleiter. Das gesamte Team freut sich sichtlich über den gelungenen Abwurf. Auch alle weiteren Lasten werden erfolgreich ans Ziel gebracht. „Ein krönender Abschluss. Die Männer können stolz auf ihre erbrachte Leistung sein“, so Bergmann in der Abschlussbesprechung zufrieden.

*Name geändert

von Markus Mader

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  • Das grüne Wappen ist golden umrandet, darauf ein silberner Fallschirm mit stilisiertem Greif – Symbol für Stärke und Tapferkeit.
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    Fallschirmjägerregiment 31

    Erfahren Sie mehr über das Fallschirmjägerregiment 31 aus Seedorf in Niedersachen und ihr Einsatzfahrzeug Mungo.