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Deutsch-Französische Brigade feiert 30. Geburtstag

Deutsch-Französische Brigade feiert 30. Geburtstag

  • Bundeswehr und Gesellschaft
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Datum:
Ort:
Müllheim
Lesedauer:
4 MIN

Seit 30 Jahren besteht die Deutsch-Französische Brigade. Die Soldatinnen und Soldaten des binationalen Großverbandes haben am 21. September gemeinsam mit rund 10.000 Menschen das Jubiläum gefeiert. Die Robert-Schuman-Kaserne öffnete ihre Tore für Besucher. Der erste binationale Große Zapfenstreich der Bundeswehr krönte den ereignisreichen Tag.

Deutsche und französische Soldaten marschieren mit Fackeln zum Großen Zapfenstreich, im Hintergrund steht eine Panzerhaubitze.

Zwei Waffenzüge der Deutsch-Französischen Brigade marschieren mit Fackeln zum Großen Zapfenstreich.

Bundeswehr/Andreas Keck

Die Robert-Schuman-Kaserne in Müllheim war am Tag der offenen Tür gut besucht. Rund 10 000 Menschen aus nah und fern nutzten die Chance und informierten sich vor Ort über die Arbeit der Brigade. Sämtliche Truppenteile waren mit Ständen und Stationen in der Kaserne und dem angrenzenden Standortübungsplatz vertreten. Den Höhepunkt stellte jedoch der Abschluss des Tages dar. Das Deutsch-Französische Versorgungsbataillon, unter der Führung von Oberstleutnant Thomas Berns, stellte die zwei Waffenzüge für den ersten binationalen Großen Zapfenstreich der Bundeswehr.

Die Führung des deutschen und französischen Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer und Général de l'armée Thierry Burkhard, nahmen den Zapfenstreich gemeinsam mit der Brigadeführung, Brigadegeneral Peter Mirow und seinem französischen Vertreter, Colonel Philippe Kirscher, ab.

Geschichte der Brigade

Zwei Fallschirmspringer segeln jeweils mit einer deutschen und einer französischen Flagge zu Boden.

Fallschirmjäger mit der deutschen und französischen Flagge eröffnen mit einem Sprung den Tag der offenen Tür.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Die Geschichte der Deutsch-Französischen Freundschaft begann 1963 mit dem Élysée-Vertrag. Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg war es das Ansinnen der deutschen und französischen Regierung, dass es nie wieder zu einem Krieg zwischen den Ländern kommen sollte. Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichneten mit dem Élysée-Vertrag das erste Dokument, das auch eine militärische Zusammenarbeit erwähnte.

Gegen Ende des Kalten Krieges, am 2. Oktober 1989, erreichte diese militärische Zusammenarbeit eine neue Qualität: Eine eigene Brigade, bestehend aus deutschen und französischen Soldaten, stationiert sowohl in Frankreich und in Deutschland wurde als Symbol der Deutsch-Französischen Freundschaft aufgestellt.

Auch am Tag der offenen Tür in Müllheim zeigte sich diese einzigartige militärische Entwicklung. Mit einer eigenen Ausstellung und Exponaten der Deutsch-Französischen Brigade erklärten das Markgräfler und das Dreieckland Museum den Besuchern die Geschichte der Brigade und des Militärs in Müllheim und der Region.

Sechs Standorte in zwei Ländern

Vier Generale stehen nebeneinander im Sonnenschein.

Die Inspekteure der Heere: Generalleutnant Jörg Vollmer (2. v. l.) und Général de l’Armée Thierry Burkhard (2. v. r.) sowie der Kommandeur der Brigade, Brigadegeneral Peter Mirow (r.), und sein Stellvertreter, Colonel Philippe Kirscher (l.).

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Am 2. Oktober 1989 stellten der französische Staatspräsident Francois Mitterand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl die Brigade als Symbol der Deutsch-Französischen Freundschaft in den Dienst. Heute ist die Brigade nicht mehr nur Symbol, sondern ist als ein Modell erfolgreicher binationaler Zusammenarbeit weltweit operativ im Einsatz. Sie ist auf sechs Standorte beiderseits des Rheins verteilt. Der Brigadestab mit der Stabs- und Fernmeldekompanie und dem Deutsch-Französischen Versorgungsbataillon sind binational aufgestellt und gemeinsam in Müllheim beheimatet. Das deutsche Jägerbataillon 291 kam vom Quartier Leclerc in Illkirch-Grafenstaden, Frankreich zum Tag der offenen Tür ins Markgräfler Land. Das Jägerbataillon 292 nahm den Weg aus Donaueschingen, das Artilleriebataillon 295 und die Panzerpionierkompanie 550 aus Stetten am kalten Markt auf sich. Das 1. Infanterieregiment ist in Sarrebourg stationiert und das 3. Husarenregiment im französischen Metz.

Tag der offenen Tür

 Zwei Soldaten überwinden eine schräge Ebene aus Baumstämmen, sie ist Teil einer Hindernisbahn.

Deutsche und französische Soldaten überwinden gemeinsam die Hürden auf der Hindernisbahn.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Sämtliche Verbände und Standorte waren am Samstag, den 21. September, mit zahlreichen Ständen vertreten. Groß und Klein konnten sich ein Bild von der täglichen Arbeit der Einheiten machen. Besonders die dynamischen Vorführungen auf dem Standortübungsplatz begeisterte die Besucher. Deutsche und französische Infanteristen demonstrierten hierbei ihre gemeinsame Schlagkraft in verschiedenen militärischen Szenarien. Am statischen Display lockten besonders der Bergepanzer Büffel und die Panzerhaubitze 2000 aus dem Artilleriebataillon 295. An den Schießsimulatoren des 1. Infanterieregiments und der Stabsfernmeldekompanie durften die Besucher ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen. Auch der EODExplosive Ordnance Disposal-9 Anzug, am Stand des Kampfmittelbeseitigungskommandos aus der Panzerpionierkompanie 550, beeindruckte die Gäste.

Jeder zweite Soldat war bereits im Einsatz

Vor einem Kasernengebäude sind fünf Flaggen gehisst, im Vordergrund ein Panzerrohr.

Die Flaggen der NATONorth Atlantic Treaty Organization (v. l. n. r.), der EUEuropäische Union, Frankreichs, Deutschlands und Baden-Württembergs sind gehisst, die Sonne scheint - bestes Feiertagswetter am 21. September.

Bundeswehr/Christophe Congretel

Die Soldaten freuten sich offensichtlich über das hohe Besucherinteresse und antworteten bereitwillig auf alle Fragen. Besonders die Auslandseinsätze der Brigade wurden dabei häufig thematisiert. Viele Besucher hatten schon vom Einsatz in Afghanistan und in Mali gehört. Auch die Brigade hat ihre Einsatzfähigkeit in den letzten Jahren oftmals unter Beweis gestellt. 2018 war jeder zweite Soldat der Deutsch-Französischen Brigade im Einsatz oder in der anerkannten Mission in Litauen. Keine andere Brigade, weder in Deutschland noch in Frankreich, hatte einen höheren Prozentsatz an Soldaten zur Friedenssicherung in die Einsätze entsandt. Schwerpunkt war dabei eindeutig das westafrikanische Mali. Dort stellte die Brigade 2018 und 2019 rund 1.500 Soldaten zur Friedenssicherung unter den Mandaten von MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali, EUTMEuropean Union Training Mission und Barkhane.

Zuschauer singen zwei Nationalhymnen

Zwei Musikkorps marschieren begleitet von Fackelträgern.

Der Spielmannszug des Stabsmusikkorps Berlin und das Heeresmusikkorps aus Ulm begleiten den Großen Zapfenstreich musikalisch. Sie spielen den Marsch der Deutsch-Französischen Brigade.

Bundeswehr/Andreas Keck

Die Deutsch-Französischen Brigade genießt in der Region hohes Ansehen. Trotzdem überraschte das große Interesse der 10.000 Besucher alle Beteiligten positiv. Als Kommandeur freute sich darüber besonders Brigadegeneral Peter Mirow: „Die Stimmung war super, und viele Menschen haben sich bei uns danach für diesen Tag bedankt. Das freut mich am meisten“, sagte er.

Am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, war die Deutsch-Französische Brigade auf den Champs-Élysées in Paris mit rund 500 Soldatinnen und Soldaten marschiert. Die Parade am 14. Juli in Paris gilt als höchstes militärisches Zeremoniell in Frankreich. Mit dem ersten binationalen Zapfenstreich rund drei Monate später wurde die Brigade nun auch mit dem höchsten militärischen Zeremoniell in Deutschland geehrt.

Zum Ende des Großen Zapfenstreich sangen die Zuschauer die deutsche und französische Nationalhymne und applaudierten, als die Soldaten ausmarschierten. Vollmer beglückwünschte dem Führer des Großen Zapfenstreichs: „Oberstleutnant Berns, das haben Sie wirklich toll gemacht.“

von Markus Bayer