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Heer
Fachmann für Konstruktionen

Dienstältester Attrappenbauer geht in den Ruhestand

Technik
Datum:
Ort:
Storkow
Lesedauer:
2 MIN

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41 Jahre Dienstzeit in zwei Armeen liegen hinter ihm. Harald Kaiser, Technischer Regierungsamtmann, arbeitete jahrzehntelang als Attrappenbauer von Fahrzeugen, Minen und Waffen. Begonnen hat Kaisers außergewöhnlicher Werdegang am 1. Januar 1980 bei der Nationalen Volksarmee der DDR.

Ein Zivilist hockt neben dem Nachbau eines Panzerturms auf dem Boden einer Montagehalle.

Harald Kaiser legt letzte Hand an. Mit viel Liebe zum Detail wurde der Turm eines BMP-3, eines Schützenpanzers aus sowjetischer Produktion, nachgebaut. Die Attrappen werden bei Übungen im Gelände aufgebaut.

Bundeswehr/Technologiestützpunkt Tarnen und Täuschen

Der heute 65-jährige Kaiser begann seine Armeelaufbahn in der Pionierlehr- und Auswertestelle der Nationalen Volksarmee (NVANationale Volksarmee) im brandenburgischen Storkow. Dort arbeitete bereits sein Vater als Spezialist in der Konstruktion für den Attrappenbau und war damit ein Pionier für Attrappenbau in der NVANationale Volksarmee. Harald Kaiser war zunächst Schlosser und Bearbeiter für Spezialerprobungen von Pioniermaschinen und wurde dann wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Erprobung und Konstruktion von Attrappen. „Die Arbeitsbedingungen waren damals noch ganz andere. Mittlerweile erleichtern Computer, moderne Maschinen und Rauchabzüge die Arbeit“, erläutert Kaiser. Ganz ohne Internet und Videokonferenzen absolvierte Kaiser zwischen 1980 und 1991 zwei Studiengänge im Fernstudium, 1991 schloss er als Diplomingenieur für Maschinenbau ab.

Nach der Wiedervereinigung wurde der Technische Regierungsamtmann Anfang der Neunzigerjahre in die Bundeswehr als Wissenschaftlicher Mitarbeiter übernommen. Der Pionierstützpunkt Storkow wurde 2007 als Technologiestützpunkt Tarnen und Täuschen (TStp T/T) der Heeresaufklärungsschule im niedersächsischen Munster unterstellt und gehört damit zur Panzertruppenschule. Der TStp T/T ist das Kompetenzzentrum der Bundeswehr für den Themenbereich Tarnen und Täuschen. Ein wesentlicher Teilaspekt dabei ist der Attrappenbau von Fahrzeugen, Minen, Waffen sowie Turmattrappen.

In 900 Tagen um die Welt

Ein Zivilist in grüner Fleecejacke steht neben einer Panzerattrappe.

9.000 Einzelteile, fast drei Tonnen Gewicht: Nach den technischen Zeichnungen von Harald Kaiser baute der Technologiestützpunkt Tarnen und Täuschen detailgetreu einen Panzerkampfwagen Tiger 1 nach. Er steht im Deutschen Panzermuseum in Munster.

Bundeswehr/Technologiestützpunkt Tarnen und Täuschen

Wegen der Einzigartigkeit seines Postens pflegte der 65-Jährige zahlreiche internationale Kontakte und kooperierte mit Spezialisten anderer Länder. Seit 1993 absolvierte Kaiser 225 Dienstreisen und arbeitete dabei an über 900 Tagen in den USA, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und vielen weiteren Ländern. Mit seinem Fachwissen über die Konstruktion von Attrappen und die Möglichkeiten von Tarn- und Täuschmitteln war er der Fachmann für Attrappenbau der Bundeswehr. „Harald Kaiser ist der geistige Vater unzähliger Projekte und Aushängeschilder seines Kompetenzbereichs. Mit seinem Motto Machen nicht klagen und seiner zurückhaltenden und unaufgeregten Art war Herr Kaiser ein Garant für Beständigkeit im TStp T/T“, lobt der Leiter der Heeresaufklärungsschule und General der Heeresaufklärungstruppe, Oberst Ralph Malzahn, den Ausscheidenden. Harald Kaiser verlässt als Leiter der Konstruktion und Stellvertretender Dienststellenleiter ein klasse Team. Dazu gehören neben vier Soldaten, einem Beamten auch acht Handwerker. Die Handwerker sind allesamt Spezialisten in ihren Gewerken und maßgeblich am guten Gelingen der Projekte beteiligt. „Wir waren früher schon ein eingeschworenes Team und das ist nach wie vor prägend für unsere kleine Dienststelle. Hier in Storkow unterstützen wir uns alle gegenseitig“, beschreibt Kaiser das gute Verhältnis mit seinen Kameraden und Kollegen.

Coronabedingt fand die Verabschiedung in einem kleinen Kreis in Munster statt.

Vom Original kaum zu unterscheiden


von Thomas Rotter

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