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Doorgunner in Grenzerfahrung

Doorgunner in Grenzerfahrung

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Faßberg
Lesedauer:
4 MIN

„In dieser Woche werden unsere Doorgunner körperlich wie auch geistig an ihre Grenzen gehen, der eine oder andere sogar darüber hinaus“, sagt Oberleutnant Nico G. Er ist einer der Verantwortlichen in Faßberg. Dort geht es für die Bordsicherungssoldaten im Transporthubschrauber NHNATO-Helicopter-90 in eine ganz besondere Prüfung.

Im Flug sitzt ein Soldat an der geöffneten Seitentür eines Hubschraubers und hat die Bordmaschinenkanone im Anschlag.

Doorgunner sind die Schutzschilde der Hubschrauber, immer bereit sich mit ihren Bordwaffen zu verteidigen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

„Der Flugbetrieb stellt an unsere Soldaten sehr hohe Anforderungen. Die Doorgunner müssen während des Fluges ihre Waffe zu hundert Prozent fehlerfrei bedienen. Das ist körperlich und geistig äußerst anspruchsvoll“, so der Oberleutnant. „Sie müssen zum Beispiel in Sekundenbruchteilen über den Einsatz ihrer Waffe entscheiden.“ Er weiß, wovon er spricht. Der 29-jährige Luftfahrzeugführer ist selbst seit 2016 ausgebildeter Pilot. In dieser Woche ist er ganz dicht bei den Männern und begleitet sie auf Schritt und Tritt.

Sie sichern Einsätze aus der Luft

Mit Helm und Handschuhen unterkriecht ein Soldat gespannte Drähte.

Die Hindernisbahn verlangt den Soldaten typische Bewegungsabläufe in möglichen Gefechtssituationen ab.

Bundeswehr/Marco Dorow


Die Bordsicherungssoldaten NHNATO-Helicopter-90, umgangssprachlich auch als Doorgunner bekannt, bedienen die Bordwaffen der Hubschrauber NHNATO-Helicopter-90. Zum Beispiel sichern sie die Luftevakuierung von verwundeten Soldaten. So umkreist ein Helikopter die Landezone, während die Doorgunner das Gelände im Blick haben, um einen plötzlich auftretenden Feind aus der Nähe sofort zu bekämpfen.

Den Auftakt macht ein Gepäcklauf von sieben Kilometern mit 20 Kilogramm Gewicht auf den Schultern. Die Woche wird lang und anstrengend für die Bordsicherungssoldaten.

In Faßberg messen sich eine Woche lang etwa 20 Bordsicherungssoldaten. Sie kommen aus dem dort beheimateten Transporthubschrauberregiment 10 und vom Regiment 30 in Niederstetten.

52 Minuten für 7 Kilometer

Mit ihren Rucksäcken auf dem Rücken hasten Soldaten über eine Asphaltstraße.

Sieben Kilometer mit 20 Kilogramm Gepäck in 52 Minuten sind die Kenngrößen des Gepäcklaufes.

Bundeswehr/Marco Dorow

„Zum Auftakt in die Woche erwartet die Doorgunner der Gepäcklauf. Mit dabei haben die Soldaten ihren Rucksack, der mit allem Drum und Dran mindestens 20 Kilogramm wiegen muss“, so einer der verantwortlichen Ausbilder. Dieser Gepäcklauf wird den Teilnehmern schon zu Beginn einiges abverlangen. Oberleutnant G. erklärt allen Anwesenden noch einmal, dass es in dieser Woche rein um Belastbarkeit, Charakter, Schnelligkeit, Gewandtheit und schließlich Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit gehe. Der zweite Tag wird nicht weniger fordernd, hier stehen die Einzelleistungen im Fokus.

Kein Problem mit Wasser

Ein Schwimmer wirft seine ausgezogene Kleidung aus dem Wasser an den Beckenrand.

Das Entkleiden im Wasser ist außerhalb der Wertung, muss aber beherrscht werden.

Bundeswehr/Marco Dorow

Sind die Doorgunner meist in der Luft zu Hause, geht es für sie an Tag zwei hinein ins Wasser. Bei knapp 30 Grad Außentemperatur könnte man auf eine willkommene Abkühlung hoffen, doch auch hierbei geht es zu Sache. Beim Schwimmen im Feldanzug haben die Soldaten acht Minuten Zeit um 200 Meter zurückzulegen, das anschließende Entkleiden ist zwar außerhalb der Zeit, gehört aber doch dazu. „Das Überwinden der Hindernisbahn mit ihren elf Hindernissen und einer Zeitspanne von 1:50 Minuten beschließt damit zunächst die Liste der Einzelleistungen“, so G. am Vorabend der Durchschlageübung.

„Teamwork ist entscheidend“

„Mit der Durchschlageübung wechseln wir von der Einzelleistung zur Teamleistung. Wir brauchen keine Einzelgänger an Bord unserer Hubschrauber. Hohe Belastbarkeit ja, aber es ist ganz wichtig, dass unsere Soldaten zeigen, dass sie unter Druck und im Team ihr Handwerk beherrschen.“ Am Morgen des Mittwochs überprüft Ausbilder G. persönlich die Rucksäcke der Soldaten. In den kommenden 36 Stunden werden sie anspruchsvolle Prüfungen hinter sich bringen, darunter einen Marsch von über 50 Kilometern. Mit schwerem Gepäck, wenig Schlaf, vielen Qualen und immer der Gefahr ausgesetzt, die Orientierung zu verlieren. „Um die strengen Zeitvorgaben zu halten, brauchen wir nicht nur Kraft und mentale Stärke. Der Teamgeist ist halt das, was uns durch diese Prüfungen trägt“, sagt Hauptgefreiter Henry K.

Mehrere Soldaten marschieren durch ein Waldstück.

Hauptgefreiter Henry K. (r.): „Auf der Durchschlageübung ist die Marschgruppe auf sich alleingestellt, es gilt zusammenzuhalten.“

Bundeswehr/Marco Dorow

Er ist erst seit einem Jahr Soldat und wollte schon immer Doorgunner werden. Er steht zwar noch vor seiner Ausbildung, unterzieht sich aber trotzdem dieser Prüfung. „Für mich ist die Erfahrung wichtig. Wann ist Schluss? Wie ist es, wenn der Körper sagt ‚Ende‘.“ Er möchte sich weiterentwickeln, sagt K., darum mache er mit.

Im Kampf mit sich selbst

Vier Soldaten tragen eine Behelfstrage mit Gepäck und laufen dabei schnell.

Der Verwundetentransport mobilisiert bei den Soldaten die letzten Kräfte.

Bundeswehr/Marco Dorow

Zum Ende der Woche werden auch die Teilnehmer weniger. „Die Gesundheit der Soldaten steht für uns klar an erster Stelle. Leistungen abfragen ja, aber nicht um jeden Preis“, argumentiert G. Am Freitag, dem letzten Tag der Testwoche, sitzen noch gut die Hälfte der Soldaten im Unterricht: Ein schriftlicher Waffentest fragt Unmengen an spezifischen Daten aller Waffen ab, mit denen die Doorgunner in Berührung kommen. „Der Hindernisparcours ist die letzte große Hürde. Er vereint alle Herausforderungen der vergangenen Woche“, schwört der Verantwortliche ein letztes Mal die Teilnehmer ein. Sie müssen sportlich geschickt die Hindernisse überwinden, parallel Rechenaufgaben bewältigen und bei einzelnen Übungen laut mitzählen, dabei dürfen sie das Rechenergebnis nicht vergessen. Folgend müssen die Soldaten Kartenfetzen in drei Minuten sortieren – falsche Legeergebnisse bringen Strafsekunden ein. Im Resümee ist G. sehr zufrieden: „Alle haben ihre Grenzen erfahren oder sind über sich hinausgewachsen.“ Als Motivation erhalten einige mit besonders guten Leistungen eine finanzielle Zulage.

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Ein Soldat schüttet sich etwas Wasser über den Kopf.

Bei mehr als 30 Grad im Schatten ist Wasser nicht nur zum Trinken gut.

Bundeswehr/Marco Dorow
Zwei Soldaten überwinden ein hohes Gerüst aus Holz.

Das Sprunggerüst ist eines der größten Hindernisse auf der Bahn.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Soldat springt auf einer Hindernisbahn in eine Sandgrube.

Der älteste Teilnehmer des Auswahlverfahrens ist mit 38 Jahren dieser ehemalige Pionier. Er überwindet wie alle die Hindernisbahn in rasantem Tempo.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Soldat stellt einen Kompass ein, ein neben ihm stehender schaut zu.

Zurück zu den Grundlagen: Auf der Durchschlageübung gibt es keine technischen Hilfsmittel, die Soldaten orientieren sich mithilfe des Kompasses.

Bundeswehr/Marco Dorow
Zwei Soldaten mit Schutzmaken stellen sich den Kompass ein.

Sich mit einer ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutzmaske zu orientieren, ist besonders anspruchsvoll.

Bundeswehr/Marco Dorow
Ein Soldat versorgt seinen wunden Fuß.

Marschstrecken von mehr als 50 Kilometern gehen nicht ohne Spuren an einem vorbei.

Bundeswehr/Marco Dorow

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von René Hinz