Heer
Prüfung der Feldwebelanwärter

Schnell, ausdauernd und wasserfest im Gelände

Schnell, ausdauernd und wasserfest im Gelände

Datum:
Ort:
Celle-Wietzenbruch
Lesedauer:
4 MIN

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Grau ist alle Theorie. Darum gehen die Celler Feldwebelanwärter und ihre Ausbilder raus ins Gelände. Hier zeigt sich, was sie in den letzten Wochen ihres Feldwebellehrgangs gelernt haben. Auf dem Marsch, im Schlauchboot und im Gefecht müssen sie sich beweisen.

Ein Soldat liegt mit einem Gewehr im Anschlag auf einer grünen Wiese.

Bei der Gefechtsübung geht es nicht nur auf flachem Land vorwärts – auch Gewässer müssen überwunden werden

Bundeswehr/Michael Stenzel

Wenn die Infanteriesonne in Strömen scheint, wie es so schön beim Heer heißt, dann bedeutet das Dauerregen. So war es zu Beginn der Gefechtsübung des Feldwebellehrgangs in Celle, die jeder durchläuft, der bei der Bundeswehr Feldwebel werden will. 

Bei Nieselregen steht die Gruppe auf einer Wiese in der Kaserne. Aufgabe eines Lehrgangsteilnehmers ist es, einen Marschbefehl anhand eines Geländesandkastens zu erteilen. Das ist ein improvisiertes Geländemodell auf dem Boden. Das Ziel: Jeder muss danach wissen, was er zu tun hat. Funker, Maschinengewehrschütze, der Nahsicherer des Gruppenführers und der Richtungstrupp, der für die Orientierung zuständig ist – sie alle erhalten die notwendigen Informationen. Zum Ende des Befehls ist der Ausbilder zufrieden. „Alle wesentlichen Informationen waren dabei, kurz und einprägsam formuliert. Sie dürfen nur nicht vergessen, Ihrem Funker die Meldelinien als Ausnahme zum Sendeverbot zu befehlen“, verdeutlicht der Ausbilder in der Auswertung. Alles, was im Vorhinein geregelt ist, kann in der Durchführung nicht übersehen werden.

Ein gewollt „holpriger“ Start

Mehrere Soldaten mit Rucksack überwinden eine Hindernisbahn auf einer grünen Wiese.

Ab ins Trümmerfeld: Auf der Hindernisbahn sind Konzentration, Zusammenarbeit und Kraft gefragt

Bundeswehr/Michael Stenzel

Die Rucksäcke sind geschultert, je nach Funktion auch mit Panzerfaust, Maschinengewehr oder Funkgerät. Die Schützenreihe, eine typische Formation im Gelände, ist eingenommen. Los geht’s: Die Kameraden erwartet der erste Abschnitt der Übung. Im Übungsszenario hat Artilleriebeschuss ein Geländeteil in ein Trümmerfeld verwandelt. Dieses gilt es, unter ständiger Eigensicherung zu überwinden. Das „Trümmerfeld“ kennen die Soldaten nur zu gut: Es ist die Hindernisbahn. Sie ist eine gute Möglichkeit, um gleich zu Beginn die volle Konzentration der Übungstruppe abzufordern. Körperlich und geistig aufgewärmt, geht es direkt im Anschluss auf einen weiteren kurzen Marsch. Was danach folgt, ist für viele eher ungewöhnlich.

Körperspannung ist das A und O

Ein Soldat geht seitlich auf einem Seil über einen Bach und hält sich an einem zweiten fest.

Bloß nicht herunterfallen: Am doppelten Seilsteg führt ein falscher Schritt gern mal ins kühle Nass.

Bundeswehr/Michael Stenzel

An einem breiten Bach kommt die Marschgruppe zum Stehen. Ohne Hilfsmittel geht es hier nicht weiter. Laut Szenario ist die nahegelegene Brücke gesprengt. Glücklicherweise hat der Ausbilder vor Ort bereits einen doppelten Seilsteg aufgebaut, auf dem die Lehrgangsteilnehmer über das Gewässer gelangen können. Das sieht einfacher aus, als es ist: „Das obere Seil ist kein starres Geländer, an dem ihr Euch festhalten könnt, sondern nur eine Hilfestellung. Ihr müsst ständig Körperspannung und Balance halten, sonst kippt Ihr runter und fallt vom Seil!“, erläutert der Ausbilder die Technik. In diesem Fall müsste die Person am Sicherungsseil zurückgezogen werden und erneut beginnen. Einer nach dem anderen überquert das Seil ohne Zwischenfälle. Allein die Aussicht diese anstrengende Prozedur zu Übungsbeginn noch einmal zu machen, wirkt wahre Wunder. Die Gruppe ist wieder einen Schritt weiter, doch die nächste Herausforderung folgt.

Schon wieder Wasser

Mehrere Soldaten mit Rettungswesten steigen in ein schwarzes Schlauchboot auf einem Fluss.

Auch von einem Fluss darf man sich nicht aufhalten lassen: Hier geht es per Schlauchboot weiter.

Bundeswehr/Michael Stenzel

Wasser ist nicht der natürliche Lebensraum eines Menschen. Doch in der wasserreichen Gegend um Celle ist es unvermeidbar, immer wieder darauf zu treffen. Auch für die Lehrgangsteilnehmer ist dieses Schicksal unvermeidlich und so hat sie nach einer weiteren Marschleistung das Ufer der Aller erreicht. Neben diesem Fluss wirkt der zuletzt überwundene Bach Fuhse wie ein Rinnsal. Seilsteg? Unmöglich. Glücklicherweise haben unterstützende Pioniere einen Übergang mit Schlauchbooten eingerichtet. Es folgt erneut eine Befehlsausgabe durch einen Lehrgangsteilnehmer. Und erneut sind es die Kleinigkeiten, auf die geachtet werden muss. „Die Boote stehen mit der Spitze zum Anleger. Deswegen müssen Sie berücksichtigen, dass Ihre Soldaten von hinten nach vorn aufsitzen. Ansonsten gut gemacht!“, resümiert der Ausbilder zufrieden.

Paddel-An!

Soldaten paddeln mit Schlauchboot auf einem Fluss. Vorn liegt ein Soldat mit Maschinengewehr.

Mit vereinten Kräften wird das Gewässer überwunden

Bundeswehr/Michael Stenzel

Strömung und Muskelkraft treiben die Boote vorwärts. Es muss ohne Bordmotoren gehen. Trotz der fehlenden Erfahrung mit Schlauchbooten gelingt es den Übenden, die Boote schnell unter Kontrolle zu bringen. Auch hierbei ist Führung gefragt. Denn nur durch koordiniertes Vorgehen der gesamten Besatzung kann ein stetiges Schlingern nach links und rechts verhindert werden. Entgegen der in der Bundeswehr üblichen Praxis „Führen von vorn“ wird im Schlauchboot jedoch von „hinten“ geführt. So kann der militärische Führer die Ausrichtung des Bootes und die Tätigkeiten der Besatzung besser überblicken. Ohne ungewollte „Tauchgänge“ geht es flussabwärts ans andere Ufer.

Feind am rückwärtigen Gefechtsstand

Ein Soldat liegt im grünen Wald mit Gewehr im Anschlag. Sein Helm ist mit Blättern getarnt.

Augen am Feind: Im Stellungssystem der Gruppe wird der Feind nicht lange auf sich warten lassen

Bundeswehr/Michael Stenzel

Nach einem weiteren Marsch am Ziel angekommen, richten sich die Soldaten für die Sicherung ein. Es gilt, einen Gefechtsstand verbündeter Kräfte vor feindlichen Angriffen und Aufklärung zu schützen. Stellungen sind mit dem Spaten auszuheben und zu verbessern. Die eigene „Dackelgarage“, wie die zeltartige Behelfsunterkunft unter Soldaten genannt wird, muss aufgebaut und die Tarnung angelegt werden. Nach der anstrengenden Marschphase bleibt keine Zeit, zur Ruhe zu kommen, denn „Schanzen spart Blut“. Auch der Gruppenführer ist hier wieder gefordert. Er muss Stellungen erkunden und zuweisen, für die Einweisung und die Auswechslung des Alarmpostens sorgen und bei allem stets die Zeit im Blick behalten. Bei Einbruch der Dunkelheit müssen die Maßnahmen abgeschlossen sein. Schließlich ist dann die Gefahr am größten, feindlicher Aufklärung zu begegnen. Plötzlich ein Funkspruch des Alarmpostens: „Unbekannte Kräfte in Truppstärke am Kastenwald auf dem Marsch Richtung Süden!“ Der Gruppenführer alarmiert alle. Zeit, dass die Gefechtsübung ihrem Namen Ehre macht.

Nach insgesamt drei Monaten Ausbildung in Celle haben rund 80 Teilnehmer den Grundstein ihrer Laufbahn als künftige Unteroffiziere und Feldwebel im Uniformträgerbereich Heer gelegt. Knapp 30 Stunden davon dauert die abschließende Gefechtsübung. Die intensive Ausbildung im Gelände wird jedoch vielen in Erinnerung bleiben. Nun sind sie selbst Ausbilder, Führer und Erzieher.

von Paul Jähme

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