Heer

Eine Blaulichteskorte zum Abschied

Eine Blaulichteskorte zum Abschied

  • Gottesdienst
  • Heer
Datum:
Ort:
Veitshöchheim
Lesedauer:
3 MIN

Auf der Autobahn eskortieren Feldjäger ein Abholkommando. Von der Autobahn rollen die Wagen über die Landstraße durch Veitshöchheim, um mit blinkenden Blaulichtern in die Balthasar-Neumann-Kaserne einzufahren. Kein Staatsgast, sondern Militärpfarrer Johannes Müller steigt aus der Limousine. Mit einem Feldgottesdienst wird er aus der Militärseelsorge verabschiedet.

Ein Pfarrer mit Headset steht im Talar vor dem Altar, im Hintergrund Soldaten auf einer Wiese in regelmäßigen Abständen.

Militärpfarrer Johannes Müller vor seiner Militärgemeinde: Zum Abschiedsgottesdienst auf der Wiese unter dem Birkenkreuz kommen viele Soldaten und zivile Mitarbeiter der Balthasar-Neumann-Kaserne.

Bundeswehr/Karsten Dyba

Nach zehn Jahren ist Schluss. „Es ist unvorstellbar, wie schnell die Zeit vergangen ist“, sagt Pfarrer Müller vor seiner Gemeinde, den Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Veitshöchheimer Kaserne, die sich auf der Wiese zu einem Abschiedsgottesdienst unter Corona-Bedingungen versammeln. Alle stehen mit großem Abstand zueinander, aber unter dem Birkenkreuz, unter dem die Militärgeistlichen beider Konfessionen traditionell ihre Feldgottesdienste feiern. „Der Herr ist der Zeiten Anfang und ihr Ende“, sagt Müller, denn der Abschied von Weggefährten fällt ihm schwer.

Mit Pauken und Trompeten

Fünf Bläser und ein Paukenspieler in Uniform stehen auf einer Wiese und musizieren im Sonnenschein.

Ein Bläserensemble des Heeresmusikkorps Veitshöchheim begleitet den Gottesdienst.

Bundeswehr/Lukas Beyes

Dass dieser Zusammenhalt auf Gegenseitigkeit beruht, zeigt diese Eskorte der Feldjäger. Die Spieß-Runde, eine informelle Zusammenkunft der Kompaniefeldwebel am Standort dazu die Feldjäger der 5. Kompanie des Feldjägerregiments 3 haben sie organisiert. Müllers Familien-Rüstzeiten für die Feldjägerkompanie seien stets etwas Besonderes gewesen, erklärt deren Spieß, Stabsfeldwebel Thomas Fieder. Als Ehrendienst betrachtet es auch das Bläserensemble des Heeresmusikkorps Veitshöchheim, den Abschiedsgottesdienst musikalisch zu begleiten. Müller durfte sich sieben Musikstücke wünschen – und so wird der Militärpfarrer wortwörtlich mit Pauken und Trompeten verabschiedet.

Der militärische Jargon wird ihn begleiten

Ein Pfarrer steht im Talar an einem Stehpult, dass als Kanzel dient. Im Vordergrund stehen Soldaten.

Militärpfarrer Johannes Müller schildert seine Stationen in den vergangenen zehn Jahren.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Die zwölf Jahre, die ein Pfarrer in der Militärseelsorge bleiben darf, hätte er gerne ausgeschöpft, doch habe sich eine Stelle im nahen Ochsenfurt angeboten, die sich auch mit den Wünschen der Familie besser vereinbaren lässt, erklärt Müller. Der dortige Kirchengemeinderat habe gesagt: „Den wollen wir haben.“ Dabei hatte die Gemeinde keinerlei Vorbehalte gegen seine militärische Vergangenheit. Der Jargon aber, „der wird mich noch eine Weile lang begleiten“, ist sich Müller sicher. Wenn es beispielsweise nicht Pilot heiße, sondern „Luftfahrzeugführer“, von „Drehflüglern“ und „Starrflüglern“ die Rede ist. Auch sei der Spagat zwischen zwei Welten, der Kaserne und dem Privatleben nicht ganz so leicht ist, wie seine Frau Barbara erkennt, wenn sie ihn auffordert, wieder umzuschalten. Sie habe Müller damals erst überzeugen müssen: „Nein, zum Militär gehst du nicht“, habe seine Frau ihm gesagt. Inzwischen sind die Soldaten zur zweiten Familie geworden und Barbara Müller ist ganz selbstverständlich mit dabei. Sie habe sich dort stets wohlgefühlt, fügt sie an.

Vier Einsätze in zehn Jahren

Soldaten sitzen auf Steinen, in der Mitte steht der Pfarrer in Uniform. Seine Hand liegt auf der Stirn eines Soldaten.

Militärpfarrer im Auslandseinsatz. Bei einem Feldgottesdienst auf dem Berg Keita in Mali tauft Johannes Müller einen deutschen Soldaten.

Bundeswehr/Johannes Müller

Müller hat tatsächlich alles mitgenommen, was man als Militärpfarrer erleben kann: In vier Auslandseinsätzen hat er die eingesetzten Soldaten seelsorgerisch betreut – in Prizren im Kosovo, in Kabul in Afghanistan, in Koulikoro in Mali und zum Abschluss im litauischen Rukla. Unvergessliche Momente habe er erlebt, wie beispielsweise die Taufe eines Kameraden auf einem Berg in Mali. Oder er fuhr mit auf eine Patrouille im Allschutz-Transportfahrzeug Dingo mit angespannter Wachsamkeit und in stetiger Erwartung, angesprengt oder beschossen zu werden. Da habe er natürlich auch Angst gehabt. „Ich war Gott nie so nahe wie in diesem Dingo“, erinnert sich Müller und zitiert dabei Psalm 27: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“ Eine wichtige Botschaft für den Militärpfarrer: „Das hat mich nie verlassen.“

Segensreich gewirkt

Viele Soldaten stehen mit Abstand zueinander auf einer Wiese verteilt unter Bäumen.

Corona-Gottesdienst: Mit Abstand zueinander versammelt sich die Militärgemeinde auf der Wiese unterm Birkenkreuz.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

„Ich weiß, wie sehr ein Militärpfarrer im Einsatz geschätzt wird“, berichtet Brigadegeneral Michael Podzus, stellvertretender Kommandeur der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim. Deshalb habe die Division auch so sehr dafür gekämpft, dass die neue Mission in Litauen permanent von einem Militärpfarrer begleitet wird. Vier Einsätze in zehn Jahren, das sei „für einen Militärpfarrer eine ganze Menge“, bestätigt Müllers Vorgesetzter, der Leitende Militärdekan Dr. Ralf Zielinksi und stellt fest: Das Dekanat in München sei stets voll des Lobes gewesen, „du hast hier segensreich gewirkt“.

Ein Nachfolger steht noch nicht fest

Drei Geistliche stehen hinter einem Altar, einer von ihnen liest einen Urkundentext vor.

Die formelle Entpflichtung: Militärdekan Ralf (l.) Zielinski entlässt Pfarrer Johannes Müller aus der Militärseelsorge und überreicht Dankurkunden.

Bundeswehr/Lukas Beyes

Zielinski überreicht ihm dabei eine Dankurkunde des weltlichen Dienstherrn, also der Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sowie des geistlichen Chefs, des evangelischen Militärbischofs Sigurd Rink, und entpflichtet den Militärpfarrer vom Dienst in der Militärseelsorge. Einen Segen gibt er ihm mit für sein Wirken in seiner künftigen Gemeinde. Seinen Dienst in der Ochsenfurter Christuskirche wird Müller am 1. Juni antreten. Einen Nachfolger für die Balthasar-Neumann-Kaserne hat das Militärdekanat noch nicht. Man habe einen Kandidaten im Auge, verrät Dekan Zielinski, müsse ihn aber erst noch zum Wechsel überzeugen.

von Karsten Dyba

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