Heer
Ausflug mit Behinderten

Eine Kooperation mit viel Herz

Eine Kooperation mit viel Herz

Datum:
Ort:
Dresden
Lesedauer:
3 MIN

Es weihnachtet sehr in einem idyllischen Vorort nahe Dresden. Der Duft von Bratäpfeln und eine festliche Stimmung liegen in der Luft. Um allen Bewohnerinnen und Bewohnern der diakonischen Einrichtung Kleinwachau den Besuch des lokalen Weihnachtsmarktes zu ermöglichen, unterstützen 30 Soldatinnen und Soldaten der Offizierschule des Heeres (OSHOffizierschule des Heeres) tatkräftig.

Eine Soldatin hilft einer Frau im Rollstuhl bei der Auswahl am Stand auf einem Weihnachtsmarkt.

Auf dem festlich geschmückten Weihnachtsmarkt in Kleinwachau gibt es viele kleine Verkaufsstände. Die Behinderten nutzen mithilfe der Soldatinnen und Soldaten die Chance, kleine Präsente für ihre Familien zu kaufen.

Bundeswehr/Christin Wegner

Die Auseinandersetzung mit anderen Lebensläufen, mit dem Thema Toleranz und Inklusion sind ein wichtiger Baustein für die Entwicklung junger Offiziere der Bundeswehr. Um dies zu fördern, pflegt die Offizierschule des Heeres bereits seit 2008 eine enge Partnerschaft mit dem Epilepsiezentrum in Kleinwachau. Seitdem unterstützen jährlich Soldatinnen und Soldaten der OSHOffizierschule des Heeres freiwillig das Pflegepersonal der Einrichtung bei größeren Veranstaltungen.

Aufgrund der Coronapandemie und der vielen Lockdownphasen war es auch den Klientinnen und Klienten der Einrichtung lange Zeit nicht möglich, ihrem Alltag zu entfliehen. Umso glücklicher sind sie dieses Jahr über die Fülle an Veranstaltungen, die zum Großteil auch nur durch die Unterstützung der Soldaten aus Dresden möglich gemacht werden konnten.

Barrieren abbauen, die Menschen benachteiligen

Gruppenfoto zahlreicher Soldatinnen und Soldaten vor einem historischen Gebäude. Es liegt Schnee.

Inklusion beginnt bereits im Kopf. Auch Lehrgangsteilnehmende an der Offizierschule des Heeres beschäftigen sich mit diesem Thema. Neben der theoretischen Auseinandersetzung helfen sie ganz praktisch wie in der Einrichtung in Kleinwachau.

Bundeswehr/Christin Wegner

Das Epilepsiezentrum Kleinwachau ist eine gemeinnützige diakonische Einrichtung vor den Toren Dresdens. Dort werden Menschen mit Epilepsie und anderen Behinderungen behandelt und betreut. Dabei stehen Werte wie ein selbstbestimmtes Leben, Gleichberechtigung und Barrierefreiheit im Vordergrund der Arbeit.

„Die Kooperation ist eine ganz besondere Patenschaft“, betont Oberst Andreas Schnebelt, Lehrgruppenkommandeur der Lehrgruppe A an der OSHOffizierschule des Heeres, bei der Verteilung der Aufgaben für den Besuch des diesjährigen Weihnachtsmarktes. Die Erfahrungen seien ein wichtiger Baustein zur Prägung junger Offiziere und zur Charakterbildung. Unter den 30 Soldaten befanden sich auch 25 Lehrgangsteilnehmende des aktuellen Offizierlehrgangs. Im Vorfeld der Unterstützungsleistung hatten sie sich in verschiedenen Seminaren intensiv mit dem Thema Inklusion auseinandergesetzt.

Pflegepersonal wird entlastet

Ein Soldat unterstützt bei Schnee eine ältere Dame auf dem Fußweg zum Weihnachtsmarkt.

Inklusion bedeutet niemanden zu bevorzugen, sondern allen einen uneingeschränkten Zugang zum Gesellschaftsleben zu ermöglichen

Bundeswehr/Christin Wegner

Knapp 900 Meter liegen zwischen dem Epilepsiezentrum Kleinwachau und dem öffentlichen Weihnachtsmarkt der Gemeinde. Die zum Großteil in ihrer Bewegung eingeschränkten Bewohner der Einrichtung können diese Entfernung nicht allein zurücklegen. Aufgrund des Personalmangels konnte das Pflegepersonal seine Klienten nicht selbst begleiten. Da kamen die Soldaten der OSHOffizierschule des Heeres gerade recht. Nach einer kurzen Erläuterung wurden die 30 Helfer in Uniform auf die einzelnen Wohnbereiche auf- und je einem Bewohner zugeteilt. Kurzerhand wurden die Rollatoren und Rollstühle geschnappt und los ging es.

Aufgrund der langjährigen Kooperation zwischen der OSHOffizierschule des Heeres und dem Epilepsiezentrum wissen die meisten Klienten der Einrichtung, dass bei solchen Veranstaltungen immer junge Soldaten unterstützen. Und trotzdem ist es bei jedem Besuch immer wieder schön, in die neugierigen Augen der Bewohner zu blicken. Aber auch das Pflegefachpersonal nimmt die Unterstützung an diesen besonderen Tagen spürbar dankend an.

Den eigenen Horizont erweitern

Ein Soldat legt draußen seine Jacke auf die nasse Bank, damit eine Frau Platz nehmen kann.

Es sind oftmals die kleinen zwischenmenschlichen Dinge im Alltag, die Inklusion ausmachen können

Bundeswehr/Christin Wegner

Seit 2009 gilt in Deutschland die UNUnited Nations-Behindertenrechtskonvention. Ein wichtiger Bestandteil ist unter anderem das Recht zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dazu zählt gerade in der Adventszeit auch der Besuch eines Weihnachtsmarktes. Viele der Bewohner der diakonischen Einrichtung haben keine Familienangehörigen mehr, mit denen sie die weihnachtliche Stimmung teilen können. Aus diesem Grund ist es noch wichtiger, dass Soldaten der Offizierschule des Heeres ihnen einen Tag in feierlicher Atmosphäre schenken können.

Für viele der jungen Offiziere war der Besuch im Epilepsiezentrum eine neue Erfahrung. Nur die wenigsten unter ihnen haben Berührungspunkte im privaten Umfeld mit körperlich und geistig beeinträchtigten Menschen. Umso schöner war der Austausch untereinander. Ohne Berührungsängste und mit viel Einfühlungsvermögen gingen die Soldaten an die neue Aufgabe heran. Spätestens bei einem gemeinsamen heißen Getränk oder einem Imbiss auf dem Weihnachtsmarkt fiel dann auch die anfängliche Zurückhaltung der Klienten. Es wurden rührende Familiengeschichten ausgetauscht oder auch gesellschaftsaktuelle Themen diskutiert.

Teamsport verbindet

Ein Fußballteam mit acht Spielern in grünen Hemden posiert vor einem Tor für ein Foto.

Bei einem Benefiz-Fußballturnier in Kleinwachau im Oktober stand der Spaß im Vordergrund. Das Fußballteam der OSHOffizierschule des Heeres gewann, bestehend aus Soldaten und Spielern des Epilepsiezentrums Kleinwachau.

Bundeswehr/Christin Wegner

Ein weiteres Highlight war in diesem Jahr das Kleinwachauer Benefiz-Fußballturnier im Oktober. Eingeladen hatte das Epilepsiezentrum, damit nach zwei Jahren Coronapause endlich auch wieder der Ball rollen konnte. Freizeitmannschaften aus der Umgebung und von Firmen beziehungsweise Institutionen, die mit der Einrichtung zusammenarbeiten, nahmen daran teil. In jedem Team spielten dabei mindestens zwei Spielerinnen oder Spieler aus der diakonischen Einrichtung mit. In sechs spannenden Spielrunden traten dann die Mannschaften gegeneinander an. Die Erlöse des Turniers werden für die Aktivitäten der Kleinwachauer Sportlerinnen und Sportler genutzt. Dank des motivierten Einsatzes von Mandy, Uwe und David aus der Behindertenwerkstatt in Kleinwachau gewann das Team OSHOffizierschule des Heeres am Ende auch das Turnier. Trotz des Sieges stand fest: Alle waren irgendwie Gewinner.

von Christin Wegner

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