Heer

Einem Land dienen, in zwei Ländern arbeiten

Einem Land dienen, in zwei Ländern arbeiten

  • Vereinbarkeit Familie und Beruf
  • Heer
Datum:
Ort:
Innsworth
Lesedauer:
4 MIN

Er arbeitet im Ausland in einer multinationalen Logistikabteilung, sie in Deutschland als Instandsetzungsoffizier für ein Versorgungsbataillon. Gemeinsam haben sie eine dreijährige Tochter. Zwei Hauptleute, ein Kind, drei Ländergrenzen, 1.500 Kilometer dazwischen. Wie funktioniert da das Leben? Flexibel und modern – so ist der Arbeitgeber Bundeswehr.

Ein Mann und eine Frau in einer Flecktarn-Uniform: Zwischen ihnen halten sie ein kleines Mädchen auf dem Arm.

Hauptmann Karsten Adrian (l.) und seine Frau, Hauptmann Laura Finke-Adrian, mit ihrer gemeinsamen dreijährigen Tochter

Bundeswehr/Karsten Adrian

Im Juni 2018 erfuhr Hauptmann Karsten Adrian, zu dieser Zeit Einsatzoffizier einer Versorgungskompanie, von der Möglichkeit, ins Hauptquartier (HQHeadquarter) des Allied Rapid Reaction Corps (ARRCAllied Rapid Reaction Corps) nach Innsworth in Großbritannien versetzt zu werden. Das ARRCAllied Rapid Reaction Corps ist ein schnell verlegbares multinationales Hauptquartier der NATONorth Atlantic Treaty Organization. Von Beginn an war klar, dass nur ein Dienstposten frei sein würde. Für seine Frau, Hauptmann Laura Finke-Adrian, Instandsetzungsoffizier in der Einsatzzentrale Logistik des Versorgungsbataillons 4, gab und gibt es dort keinen freien Dienstposten. Eine Fernbeziehung wollten die beiden allerdings vermeiden, besonders wegen der gemeinsamen Tochter. Sie ist drei Jahre alt.

Unterstützung vom Vorgesetzten

Ein Soldat steht vor einem großen, weißen Schild, dahinter auf einer Wiese umgeben von Bäumen und Sträuchern.

Hauptmann Karsten Adrian auf dem Weg zum Dienst

Bundeswehr/Laura Finke-Adrian

Nach kurzer Überlegung entschied sich das Ehepaar für eine Bewerbung auf den Dienstposten in England. Das multinationale HQHeadquarter ARRCAllied Rapid Reaction Corps bietet ein besonders spannendes und vielfältiges Arbeitsumfeld. Trotz der Bewerbung wollten beide aber eine Möglichkeit finden, am selben Wohnort zu arbeiten. „Das ist von Anfang an nicht leicht gewesen und hat bei vielen für Verwunderung gesorgt. Am Ende konnten wir allerdings ein Modell entwickeln, das bei unseren Vorgesetzten genehmigt wurde und tatsächlich funktioniert“, sagt Adrian.

Nach Rücksprache mit dem Kommandeur des Versorgungsbataillons 4 im bayerischen Roding, Oberstleutnant Michael Hanisch, kam Telearbeit in Betracht. Finke-Adrian arbeitet nun mobil von England aus und fliegt jede zweite Woche nach Deutschland, um vor Ort in Roding den unerlässlichen persönlichen Kontakt zu den Kameraden nicht zu verlieren. Manche Dinge lassen sich eben nur von Angesicht zu Angesicht klären. Die Arbeitszeit ist genau geteilt zwischen Homeoffice und Dienst in der Kaserne vor Ort. „Ich bin froh, dass wir in Abstimmung mit der Dienststelle von Hauptmann Adrian diese Möglichkeit geschaffen haben und Hauptmann Finke-Adrian während der Verwendung ihres Mannes in Großbritannien weiterhin aktiv im Dienst in meinem Bataillon verbleiben kann. Aus meiner Sicht definitiv eine Win-win-Situation: für meine Dienststelle und für die Familie Adrian“, so Hanisch.

Gute Koordination nötig

Ein Offizier in Uniform läuft neben einem kleinen Mädchen her, dass auf einem Laufrad fährt.

Der Kindergarten in Innsworth liegt in unmittelbarer Nähe von Wohnung und Kaserne.

Bundeswehr/Laura Finke-Adrian

Das Arbeitsmodell der Familie Adrian verlangt viele Absprachen. „Die Aufgaben im Haushalt teilen wir. Die Arbeitszeiten meiner Frau liegen zwischen 6.00 und 15.30 Uhr, also die reguläre Dienstzeit aus deutscher Sicht, wenn man die Zeitverschiebung einrechnet. Ich arbeite normalerweise von 8 bis 17 Uhr“, sagt Adrian. Genau diese Aufteilung macht das Schichtsystem im Haushalt möglich. Morgens, wenn die Verbindung zum Verband in Deutschland bereits am Computer steht, kümmert er sich um die kleine Tochter und bereitet für alle das Frühstück vor. Nach dem gemeinsamen Essen bringt er die Tochter auf dem Weg zum Dienst in den multinationalen Kindergarten. „Die Möglichkeit, das Leben in einem anderen Land kennenzulernen, wollten wir nicht verpassen. Zwar müssen wir natürlich viel koordinieren und planen, damit wir beide arbeiten können. Aber es ist jede Sekunde Wert“, so Finke-Adrian.

Soldaten des HQHeadquarter ARRCAllied Rapid Reaction Corps haben unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, ein Haus über die britischen Streitkräfte zu mieten. Die Häuser, die je nach Dienstgrad verteilt werden, befinden sich nur wenige hundert Meter von der Kaserne entfernt. „Meine Mittagspause kann ich somit zu Hause mit meiner Frau verbringen“, sagt Adrian und freut sich über etwas Selbstgekochtes. „Natürlich kann ich nicht stundenlang kochen, manchmal wärmen wir uns etwas auf. Aber die gemeinsame Pause ist unbezahlbar.“

„Es gibt immer eine Lösung“

Eine Frau in einer roten Jacke sitzt vor einem Laptop. Daneben steht ein zweiter Bildschirm.

Hauptmann Laura Finke-Adrian arbeitet von zu Hause aus an ihrem PC.

Bundeswehr/Adrian Finke-Adrian

Während Adrian noch in der Kaserne dient, hat seine Frau bereits Dienstschluss und kann die Tochter aus dem Kindergarten abholen. „Das ist immer ein toller Teil des Tages“, sagt sie. „So haben wir beide etwas Zeit mit unserer Tochter allein und ermöglichen dem Partner, weiterzuarbeiten.“

Die Arbeitsweise der Familie ist strikt durchgeplant. Während Finke-Adrian in Deutschland ist, kann die Betreuungszeit im Kindergarten in Großbritannien für die Tochter um drei Stunden verlängert werden. „So ist die alltägliche Arbeit für uns beide immer abgesichert“, erklärt sie. Auch für Unvorhergesehenes gibt es eine Lösung. „Das Stichwort ist aus meiner Sicht: Kommunikation“, sagt Adrian. „Wir sprechen beide mit unseren Vorgesetzten. Wir waren schon vorher abwechselnd in einem Auslandseinsatz. Wenn man will, dann geht alles. Auch mein deutscher Vorgesetzter hier im HQHeadquarter ARRCAllied Rapid Reaction Corps hat uns gesagt, was er verlangt und fragte, wo wir Unterstützung benötigen. Zur Not nutze ich den Laptop meiner Frau nach dem Dienst, wenn meine Tochter schläft. Oder meine Frau fliegt eine Woche später beziehungsweise früher nach Deutschland. Wir beide sind der festen Überzeugung, dass es immer eine Lösung gibt. Die Frage ist nur, welche Anstrengung man bereit ist, auf sich zu nehmen.“ Aber gerade in dieser Zeit, unter den aktuellen Beschränkungen der Corona-Pandemie, macht sich dieses Arbeitsmodell mit der dazugehörigen ITInformationstechnik-Ausstattung bezahlt, wenn auch die junge Mutter seit Wochen ausschließlich von England aus arbeitet.

von Karsten Adrian

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