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Ehrenzeichen

Feierstunde zu 15 Jahren Ehrenkreuz für Tapferkeit

Feierstunde zu 15 Jahren Ehrenkreuz für Tapferkeit

Datum:
Ort:
Strausberg
Lesedauer:
5 MIN

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Das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, ist das Selbstverständnis aller Soldatinnen und Soldaten. Im Einzelnen bedeutet dies, unter hohen Gefahren für Leib und Leben hinter dem Auftrag zu stehen. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, blickte am 27. Juni auf die letzten 15 Jahre, Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit, zurück.

Nahaufnahme eines Ehrenkreuzes an der Tarnfleck-Uniform.

Das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit wurde bisher 33 Mal verliehen

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Mit der ersten Verleihung im Jahr 2009 wurde das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit bereits zum 15. Mal verliehen. Der Einladung des Inspekteurs an seinen Strausberger Dienstsitz in das Kommando Heer waren rund 100 Gäste aus Militär, Kultur und Politik gefolgt. Auch Träger des Ehrenkreuzes für Tapferkeit trugen ihre Gedanken zu der Feierstunde bei.

Mit der Aussage „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ verpflichten sich die Soldatinnen und Soldaten beim feierlichen Gelöbnis gegenüber der Gesellschaft. Dies schließt von vornherein eine Hinnahme von grundsätzlicher Gefährdung der eigenen Unversehrtheit ein. Die Auszeichnung fordert gerade den Heeressoldatinnen und -soldaten, bei außergewöhnlicher Gefährdung von Leib und Leben, ein mutiges, standfestes und geduldiges Verhalten ab. Tapferkeit, Mut, Disziplin und Kameradschaft sind als soldatische Tugenden von hoher Bedeutung und für eine kriegstüchtige Bundeswehr fundamental. 

Das Heer vergisst nicht

Ein Soldat steht vor einer wandhohen Namenstafel.

Eine Tafel im Kommando Heer in Strausberg trägt alle Namen der Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr für Tapferkeit

Bundeswehr/Marco Dorow

„Als Soldat haben wir geschworen, tapfer zu sein“, beschreibt Mais zum Auftakt. Es sei der Kern des Soldatenberufs und sei nötig und gut, das auch immer wieder zu reflektieren. „Die Gedenkkultur hochzuhalten, ist für uns ganz besonders wichtig. Menschlicher Verlust ist eng mit dieser Auszeichnung verbunden. Deshalb blieben einigen Stühle heut auch frei. Diese Kameraden bleiben für immer unvergessen und werden stets Bestandteil unserer Gemeinschaft bleiben“, so der Inspekteur.

Tapferkeit und Mut, welche Rolle spielen sie in der Gesellschaft, in der Bundeswehr und im Deutschen Heer? In seiner Rede betrachtete der Inspekteur die Tugenden, die wichtig für das erfolgreiche Gefecht sind. Die wichtig sind, um sich gegen einen Gegner durchzusetzen. „Wenn es uns an Tapferkeit mangelt, werden wir auch nicht den Mut aufbringen, uns gegen einen Feind zu stellen, der uns bedroht.“ Innere Führung, aber auch der Wertekompass seien elementare Werkzeuge, die zwar in der Gesellschaft nicht besonders bekannt seien, aber für Soldatinnen und Soldaten grundlegend wichtig seien.

Bisher gibt es 33 Personen, denen dieses Ehrenzeichen der Bundeswehr verliehen wurde. Die Mehrzahl sind Infanteristen, auch vier posthume Ehrungen sind verzeichnet. Alle bisherigen Ehrungen wurden für außergewöhnlich tapfere Taten während des ISAFInternational Security Assistance Force-Einsatzes in Afghanistan verliehen. Eine Erinnerungstafel im Kommando Heer trägt alle Namen der Soldaten, die mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit ausgezeichnet worden sind.

„Es ist wichtig, mit dieser höchsten Stufe der Ehrenzeichen der Bundeswehr die vorbildlichen soldatischen Leistungen sichtbar in das Bewusstsein der Soldaten, aber auch der Gesellschaft zu rücken und die Träger der Ehrenkreuze in angemessener Form zu würdigen“, bekräftigte der Inspekteur.

Andere Blickwinkel

Ein Soldat spricht im Freien an einem Rednerpult.

Oberstabsfeldwebel Jan H. trägt das Ehrenkreuz. Für viele Träger geht es nicht um die Anerkennung ihrer Tat. Es geht um die Anerkennung der Leistungen aller Soldaten.

Bundeswehr/Marco Dorow

Gastredner Sönke Neitzel, Historiker an der Universität Potsdam und derzeit der einzige Professor für Militärgeschichte in Deutschland, brachte noch einen anderen Blick auf Auszeichnungen zur Sprache: „Orden und Ehrenzeichen sind keine Nebensächlichkeiten. Sie zeigen uns, welche Taten ein Staat herausheben möchte.“ Dabei sei der Umgang mit der Auszeichnung und der Kontext mit der Gesellschaft äußerst wichtig. Neitzel bekräftigte: „Es ist wichtig, sich mit den Kameraden und deren Geschichten auseinanderzusetzten. Diese Taten sind für uns alle Vorbild und Verpflichtung.“

Mit dem Einsatz in Afghanistan und den daraus resultierenden Herausforderungen hat der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung am 13. August 2008 das Ehrenkreuz für Tapferkeit gestiftet. Bundeskanzlerin Angela Merkel händigte daraufhin die ersten vier Ehrenkreuze für Tapferkeit am 6. Juli 2009 im Bundeskanzleramt an vier Hauptfeldwebel aus.

Träger der Ehrenkreuze sind Teil der Feierstunden im brandenburgischen Strausberg. Einer von ihnen ist Oberstabsfeldwebel Jan H. Er trägt das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit seit 2010. In sehr bewegenden Minuten schilderte er seine Gedanken und die seiner Kameradinnen und Kameraden um ihn herum – im Gefecht in Afghanistan. Die Verbindung zwischen Gesellschaft und Soldat sein, zwischen dem Gefecht in Afghanistan und der Familie zu Hause, sei für alle Träger des Ehrenkreuzes herausfordernd. Soldat und Gesellschaft bedingten einander. „Unsere Fähigkeit, tapfer zu kämpfen, wird in der Zukunft wieder stärker entscheiden, wie wir in Deutschland leben werden. Zur Kriegstüchtigkeit gehört zwingend der Schulterschluss zwischen Soldat sein und Gesellschaft“, so der Oberstabsfeldwebel. 

Blick auf vergangene Ehrungen

Ein Soldat spricht im Freien an einem Rednerpult.

„Es geht darum, die vorbildlichen soldatischen Leistungen sichtbar ins Bewusstsein zu rücken und die bisherigen Träger des Ehrenkreuzes in angemessener Form zu würdigen“, sagte Generalleutnant Alfons Mais während der Feierstunde.

Bundeswehr/Marco Dorow

Für Inspekteur Mais ist wichtig: „Das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit ist ein Symbol, das untrennbar mit den Menschen und ihren Taten verbunden ist. Würdigung, Anerkennung und Respekt sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen aktiv gelebt, gefordert und gefördert werden – in der Politik, der Gesellschaft und im Heer.“

Mais blickt auch auf die drei letzten verliehenen Auszeichnungen zurück. Die letzte Verleihung fand am 11. Juni 2024 statt. Persönlich hatte der Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius zwei Soldaten des Kommandos Spezialkräfte und einen Piloten des Hubschraubergeschwaders 64 ausgezeichnet. Während einer hochgefährlichen Zugriffsoperation in Nordafghanistan im Oktober 2012 trugen die Soldaten unter Einsatz ihres Lebens maßgeblich zum Erfolg der Mission bei.

Ziel der Operation war die Festsetzung und Ergreifung mehrerer gesuchter Straftäter, die unter anderem für einen tödlichen Anschlag auf eine deutsche Patrouille 2011 verantwortlich gemacht wurden. In enger Zusammenarbeit mit afghanischen Strafverfolgungsbehörden sowie einer afghanischen Partnereinheit erfolgte dann am 12. Oktober 2012 der Einsatz mit Unterstützung des Hubschraubergeschwaders 64. Aufgrund des massiven Widerstands der Taliban entwickelte sich ein mehrstündiges Feuergefecht. Für das Kommando Spezialkräfte gehört diese Operation bis heute zu den intensivsten und gefährlichsten seiner Geschichte.

Das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit

Großaufnahme Anzug mit Ordensspange.

Bei einer Feierstunde mit anschließendem Empfang anlässlich des 15. Jahrestages der ersten Verleihung des Ehrenkreuzes der Bundeswehr für Tapferkeit begegnet das Heer den Ausgezeichneten.

Bundeswehr/Marco Dorow

Bis heute ist das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit die seltenste Auszeichnung in der Truppe. Ausgezeichnet mit dem Ehrenkreuz für Tapferkeit wurden bisher ein Oberstabsfeldwebel, zwei Stabsfeldwebel, 15 Hauptfeldwebel und drei Oberfeldwebel. Dazu zwei Stabsgefreite, vier Oberstabsgefreite und ein Hauptgefreiter, weitere zwei Hauptleute und letztlich drei Oberstleutnante. Somit wurde das Ehrenkreuz für Tapferkeit an fünf Offiziere, 21 Portepeeunteroffiziere und sieben Mannschafter verleihen.

Neben dieser Tapferkeitsauszeichnung stiftete Verteidigungsminister Jung damals auch Sonderformen des Ehrenkreuzes der Bundeswehr in Silber und Gold. Gold steht dabei für besonders herausragende Leistungen, insbesondere hervorragende Einzeltaten unter Gefahr für Leib und Leben. Silber ist fast deckungsgleich, schließt jedoch die Gefahr für Leib und Leben aus. 

Würdigung, Anerkennung und Respekt

  • Auf leeren Stühlen liegen Fahnen und Helme.

    Die Kameraden und ihre Taten werden nie vergessen

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Ein Mann mit hellem Anzug und Sonnenbrille spricht im Freien an einem Rednerpult.

    Gastredner Prof. Dr. Sönke Neitzel ist Historiker mit dem Schwerpunkt Militärgeschichte an der Universität Potsdam

    Bundeswehr/Marco Dorow
  • Festzelt mit Gästen und Kapelle.

    Die Feierstunde beim Kommando Heer in Strausberg ehrte die Träger des Ehrenkreuzes der Bundeswehr für Tapferkeit

    Bundeswehr/Marco Dorow
von René Hinz

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