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Keiner sieht sie, keiner hört sie: Die Fernspäher

Keiner sieht sie, keiner hört sie: Die Fernspäher

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Lebach
Lesedauer:
3 MIN

Fernspäher sind die Augen des Heeres. Ihr Hauptauftrag ist das Gewinnen von Schlüsselinformationen in der Tiefe des Feindraums. Am Einsatzort wird ein Beobachtungsversteck eingerichtet und Aufklärungsergebnisse gewonnen.

Drei Soldaten stehen in einem Graben am Ausgang eines Abwasserkanals und sichern mit ihren Waffen in alle Richtungen.

Unter gegenseitiger Sicherung und um nicht vom Feind entdeckt, also aufgeklärt zu werden, bewegt sich der Fernspähtrupp in einer Ortschaft durch eine Kanalisation. Der Trupp soll das Gebäude vor sich prüfen und als Versteck nutzen.

Bundeswehr/Carsten Thiel

Vom Leichten zum Schweren: Das Training beginnt mit Übungsdurchgängen bei Tag, noch ohne Gepäck. Sie legen den Grundstein für das taktische Vorgehen bei Nacht. Üblicherweise bewegen sich Fernspäher nach Möglichkeit im Schutz der Dunkelheit. Das Risiko durch feindliche Aufklärung entdeckt zur werden, wird dadurch auf ein Minimum reduziert. Das Übungsdorf Kefersheim in Baumholder ist für die Fernspäher der Luftlandeaufklärungskompanie 260 aus Lebach hervorragend dafür geeignet. Hier werden die Grundlagen der Annährung vertieft. „Unter größtmöglicher Eigensicherung unerkannt das Versteck zu beziehen, ist bei dieser Ausbildung oberstes Ziel“, erklärt Hauptfeldwebel Martin Müller*.

Schnell und vorsichtig zugleich

Zwei Soldaten stehen mit Waffen im Anschlag seitlich vor der Eingangstür eines Hauses und öffnen sie vorsichtig.

Unter gegenseitiger Sicherung öffnet ein Halbtrupp der Fernspäher die Eingangstür eines Hauses. Anschließend wird Raum für Raum geprüft, ob dieser feindfrei ist.

Bundeswehr/Carsten Thiel

Gefechtsbereit und unter gegenseitiger Sicherung verlässt der Fernspähtrupp die Kanalisation. Die letzten knapp 30 Meter bis zum Versteck in einem Gebäude sind die Gefährlichsten. Doch zuvor gibt es noch eine Hürde zu überwinden: Sind die Räume des Gebäudes feindfrei? Halbtruppweise und unter gegenseitiger Sicherung prüfen die Fernspäher jeden Raum des Hauses. Nachdem das untere Stockwerk gesichert wurde, überwacht der Halbtrupp das Vorgehen im Obergeschoss. „Gebäude feindfrei!“ rauscht es nach einiger Zeit aus Müllers Funkgerät. „Die Abwägung zwischen Schnelligkeit und Vorsicht erfordert viel Erfahrung und eine gewisse Intuition“, erklärt Hauptfeldwebel Jan Schneider* später.

Gleiche Ortschaft, gleicher Auftrag, andere Uhrzeit

Drei Soldaten mit taktischer Ausrüstung, Waffen und Nachtsichtgeräten stehen an der Tür eines Gebäudes hintereinander.

Was am Tag geübt wurde, muss jetzt auch in der Nacht funktionieren. Nachtsichtgeräte erleichtern den Fernspähern das Vorgehen in der Dunkelheit.

Bundeswehr/Carsten Thiel

Die einsetzende Dunkelheit ermöglicht andere Vorgehensweisen im Gelände. Im bevorzugten Schutz der Dunkelheit und mit eigener Nachtsehfähigkeit wird der unbequeme Umweg durch den Abwasserkanal überflüssig. Der Truppführer entschließt sich für einen Weg durch teilweise bewaldete Geländeabschnitte, um sich dem Zielobjekt anzunähern. Immer wieder unterbricht der Trupp sein anschleichendes Vorgehen, hockt ab, sichert rundum und beobachtet die Umgebung. „Beobachtungs- und Horchhalte sind nachts überlebenswichtig, auch wenn dadurch die Annäherungsgeschwindigkeit deutlich sinkt. Wir sind in der Regel auf uns allein gestellt. Da vermeiden wir Feindkontakt, wann immer möglich“, betont Schneider. Mit dieser beschriebenen Vorsicht durchkämmt der Trupp dann auch das erreichte Gebäude, geht von Raum zu Raum, bevor er darin sein Versteck einrichtet.

Vier Fernspäher bewegen sich in der Nacht durch einen Wald.

Was die Fernspäher am hellen Tag üben, muss in der Nacht beherrscht werden. Ein Fernspähtrupp bewegt sich unter gegenseitiger Sicherung in der Nacht durch ein Waldstück.

Bundesweher/Carsten Thiel

Aufklärung von oben

Zwei Soldaten stehen vor einem Hubschrauber und besprechen sich.

Vor dem Abflug mit einem Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 besprechen die Fernspäher mit der Hubschraubercrew die anstehende Aufgabe.

Bundeswehr/Carsten Thiel

Einige Tage später folgt die nächste Übung für die Fernspäher der Luftlandeaufklärungskompanie 260. Die Spezialisten für die optoelektronische Spezialaufklärung des Fernspähzuges trainieren die Aufklärung, von einem Hubschrauber heraus, mit der Kamera. Den dazu benötigten Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 stellt das Transporthubschrauberregiment 30 aus Niederstetten. Vor dem Abflug erläutert die Hubschrauberbesetzung den Aufklärern anhand einer Aircrew Coordination Checkliste alle für den Einsatz relevanten Punkte. Dazu gehören die richtige Sitzposition, das Verhalten in Notlagen und das Anlegen des Stehhaltegurtes. Er ermöglicht die gesicherte Bewegungsfreiheit während des Fluges.

Die Kunst wackelfreier Bilder

Fünf Soldaten laufen zu einem Hubschrauber.

Ein Fernspähtrupp sitzt gleich auf einen Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 auf, um aus der Luft aufzuklären.

Bundeswehr/Carsten Thiel

Nachdem alle Punkte der Checkliste abgehakt sind, besteigen die Fernspäher beim Hotload, so nennt man das Einsteigen bei laufenden Triebwerken und Rotoren, den Hubschrauber. Alle mitfliegenden Soldaten berühren sich dabei an der Schulter. Das ermöglicht eine koordinierte Reihenfolge beim Einsteigen. Denn hier wird am Tag das geübt, was bei Nacht irgendwo in Einsatz oder Übung taktisch und mit Gepäck beherrscht werden muss.
Dann erfolgt die Sicherung mit Stehhaltegurten, denn beim heutigen Flug bleiben die Seitentüren offen. Die Schwerpunkte der Ausbildung sind neben dem Erstellen von Luftaufnahmen, das Orientieren in der Luft und die Kommunikation zwischen Hubschraubercrew und Fernspähtrupp. Kurz vor Erreichen eines Aufklärungsziels gibt der Truppführer Handzeichen an die Spezialisten. „Die Geschwindigkeit des Helis ist weniger problematisch als die Vibration der Rotorblätter, die sich auf die Kamera überträgt“, erklärt der Truppführer. „Kurze Belichtungszeiten garantieren hier wackelfreie Aufnahmen.“

Flug über die Saarschleife

Ein Soldat hockt an der offenen Seitentür eines fliegenden Hubschraubers, ein weiterer sitzt direkt am Eingang und fotografiert.

Die Fernspäher machen vom Hubschrauber aus Luftaufnahmen vom Gelände. Sie fliegen gerade über die bekannte Große Saarschleife bei Mettlach im Saarland, ein sogenanntes Durchbruchstal des Flusses Saar.

Bundeswehr/Carsten Thiel

Dann fliegt der NHNATO-Helicopter-90 mit dem Fernspähtrupp über die Saarschleife, eine bundesweit einmalige touristische Sehenswürdigkeit. „Mit einem Hubschrauber über der berühmten Saarschleife zu fliegen und dabei einen Aufklärungsflug zu erledigen; da gibt es weitaus schlimmere Ausbildungen in der Bundeswehr“, scherzt einer der Übungsteilnehmer. Durch die räumliche Nähe der Luftlandeaufklärungskompanie 260, die sich in Lebach etwa 40 Kilometer von der Saarschleife entfernt befindet, bieten sich solche Highlights besonders während dieser Ausbildung an.


*Namen redaktionell geändert

von Mario Leinen
Zwei Soldaten mit Sturmhauben, Gepäck und Waffen stehen im Wald: Einer gibt dem anderen Anweisungen.

Fernspäher des Heeres

Fernspäher sammeln Informationen über den Gegner – hinter dessen Linien. Dazu müssen sie dort zunächst unbemerkt hinkommen.