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SAR hilft schnell nach Flugzeugabsturz

SAR hilft schnell nach Flugzeugabsturz

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Datum:
Ort:
Mainz
Lesedauer:
3 MIN

Einen Flugzeugabsturz zu überleben, ist nicht nur großes Glück. Im rheinland-pfälzischen Mainz-Finthen haben Spezialisten des Such- und Rettungsdienstes der Bundeswehr, kurz SARSearch and Rescue, in Zusammenarbeit mit den lokalen Rettungskräften, jetzt gezeigt, dass es die Teamleistung ist, die entscheidet, wie schnell Unfallopfern geholfen werden kann. 

Ein grün-orangfarbener Hubschrauber startet im Hintergrund. Ein weiterer steht auf dem Landeplatz im Vordergrund.

Zwei Generationen: Der neue Hubschrauber H145 LUH SARSearch and Rescue (r.) wird allmählich das alte Arbeitstier Bell UH-1D ersetzen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Es ist Nachmittag, halb drei, am 24. März. Ein einmotoriges Kleinflugzeug mit einem 54-jährigen Piloten sowie einem Fluggast an Bord hebt vom Flugplatz Mainz-Finthen mit Flugziel Wiesbaden ab. Kurz nach dem Start, etwa bei 400 Fuß Flughöhe (120 Meter), bemerkt der Pilot einen massiven Leistungsverlust des Motors. Nach einer Wendung versucht er, den Flugplatz Mainz-Finthen wieder zu erreichen. Dies ist jedoch nicht mehr möglich. Der Pilot entscheidet sich zu einem riskanten Manöver – eine Notlandung auf freiem Feld. Kurz nach dem Start geht die Maschine dort runter. Das Bugfahrwerk bricht bei dem Aufprall und die Maschine überschlägt sich. Erst auf dem Dach kommt das Flugzeug zum Liegen. 

90 Sekunden nach der Notlandung 

Auf einer Karte ist der genaue Absturzort der Maschine eingezeichnet.

Mithilfe verschiedener Führungssysteme und dem Radar des Such- und Rettungsdienstes können die genauen Koordinaten des Absturzes schnell ermittelt werden.

Bundeswehr/SAR-Leitstelle Münster

In solchen Fällen löst der Flugnotsender des Luftfahrzeuges, auch als Emergency Locator Transmitter bezeichnet, automatisch aus. Sofort geht der Alarm beim French Mission Control Centre, kurz FMCC, im französischen Toulouse ein. Bereits 90 Sekunden nach der Notlandung informiert die französische Stelle dann die Leitstelle des Such- und Rettungsdienstes in Münster, kurz RCC Münster (Rescue Coordination Centre). Die Bundeswehr betreibt insgesamt zwei solcher SARSearch and Rescue-Leitstellen. SARSearch and Rescue steht für Search and Rescue, dem Such- und Rettungsdienst der Bundeswehr. In den zwei SARSearch and Rescue-Leitstellen in Münster für den Bereich Land und in Glücksburg für die Bereiche in Nord- und Ostsee werden rund um die Uhr alle Flugbewegungen über Deutschland aufgezeichnet und überwacht. Die SARSearch and Rescue-Leitstelle in Münster gehört zur DSKDivision Schnelle Kräfte, der Division Schnelle Kräfte und damit zum Heer. Geht hier ein Notruf ein, müssen die Leitstellen sofort handeln.

Rettungskette steht

Das RCC Münster nimmt nun in dem konkreten Fall umgehend Kontakt mit dem Flugplatz in Mainz-Finthen auf, der den Absturz kurz nach dem Start bestätigt und auch schon zivile Rettungskräfte alarmiert hat. Aufgrund dieser Aussage wird verzugslos die Rettungsleitstelle in Mainz kontaktiert, die bereits die Suche nach der Absturzstelle eingeleitet hat. Die Rettungskräfte am Boden sind aber noch nicht fündig geworden. Zeitgleich werden die beiden SARSearch and Rescue-Hubschrauber aus Niederstetten und aus Nörvenich alarmiert und eine Analyse der Radaraufzeichnungen im RCC Münster sowie Auswertung weiterer Meldungen aus Toulouse vorgenommen. Dank dieser parallelen Maßnahmen kann die genaue Unfallstelle über Radar und weitere Führungssysteme lokalisiert und an die zivile Rettungsleitstelle in Mainz übermittelt werden. Bereits 18 Minuten nach dem Absturz erreichen so die Rettungskräfte der Feuerwehr den Ort der Notlandung, dank der präzisen Lokalisierung durch das RCC Münster. 

Leichte Verletzungen – hoher Schaden

Trotz des heftigen Aufpralls sind der Pilot und sein Passagier nur leicht verletzt. Sie steigen eigenständig aus dem Flugzeug. Durch die rasche Lokalisierung nach dem Aufprall können die beiden Unfallopfer schnell medizinisch versorgt werden. Nach Rücksprache mit der Rettungsleitstelle Mainz werden die SARSearch and Rescue-Hubschrauber dealarmiert und wieder in Bereitschaft für weitere Aufträge versetzt. Der entstandene Schaden beläuft sich auf geschätzt rund 100.000 Euro. Um die Absturzursache zu ermitteln, wird die Bundestelle für Flugunfalluntersuchung alarmiert. 

von Stefan Schäfer

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