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Militärrabbinat

Hoher geistlicher Besuch am Lagerberg

Hoher geistlicher Besuch am Lagerberg

Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
2 MIN

Der Militärbundesrabbiner Zsolt Balla hat Anfang Juni die Infanterieschule in Hammelburg besucht. Brigadegeneral Michael Matz, Kommandeur der Infanterieschule und General der Infanterie, empfing den hohen Geistlichen.

Ein Zivilist im dunklen Anzug und ein Soldat stehen links und rechts neben dem Stein der Infanterie.

Seit 2021 ist Militärbundesrabbiner Zsolt Balla im Amt. Er möchte es auch orthodoxen Juden ermöglichen, ihren Glauben in den Streitkräften ausleben zu können.

Bundeswehr/Malte Egenolf

Zsolt Balla ist oberster jüdischer Militärseelsorger und hat die religiöse Leitung des Militärrabbinats inne. In Hammelburg verschaffte er sich während seines Besuchs ein Bild vor Ort und hatte einige Botschaften und Vorsätze im Gepäck. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr haben das Recht auf ungestörte Ausübung ihrer Religion und auf seelsorgerische Betreuung. Hierfür gibt es eine institutionalisierte Militärseelsorge.

Mehr als 200 Militärgeistliche kümmern sich im Feld und in der Heimat um das seelische Wohlbefinden der Soldaten. Katholiken und Protestanten haben schon lange Zeit eigene Militärseelsorger, Soldaten jüdischen Glaubens erst seit 2021. „Umso erfreulicher ist es, Militärrabbiner Balla am Lagerberg willkommen heißen zu dürfen“, drückt sich General Matz aus.

Seit dem Sommer letzten Jahres organisiert das Militärrabbinat die Jüdische Militärseelsorge in der Bundeswehr und unterstützt jüdische Soldatinnen und Soldaten bei der Religionsausübung. Das Militärrabbinat knüpft an die Tradition der „Feldrabbiner“ im Ersten Weltkrieg an. Zehn weitere Rabbinerinnen und Rabbiner sollen für die Truppe in den Außenstellen eingesetzt werden. Die Grundlage der Zusammenarbeit ist ein Staatsvertrag der Bundesrepublik Deutschland mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland.

Glaubensausübung in den Streitkräften

Der jüdische Glaube ist streng geregelt, was den Dienst in den Streitkräften für sie nicht einfach macht, denn neben den Zehn Geboten gibt es in der Thora (jüdische Glaubensschrift) noch weitere 613 Mizwot (Vorschriften) für fromme Juden, darunter 365 Verbote und 248 Gebote.

„Mein persönliches Ziel ist es, es auch orthodoxen Juden zu ermöglichen, ihren Glauben im Rahmen des Dienstes bei der Bundeswehr auszuleben“, erläutert der Militärbundesrabbiner. „Das und die Wahrnehmung, dass auch Juden in der Bundeswehr ihren Dienst ausüben, ist für mich sehr wichtig“, erklärte er weiter.

Ein lehrreicher Tag

Ein voller Terminplan erwartete Rabbiner Balla in Hammelburg. Neben einer Einweisung in Auftrag, Gliederung und Aufgaben der Infanterieschule gab es ein Vier-Augen-Gespräch mit Brigadegeneral Matz, auch das obligatorische gemeinsame und in diesem Fall koschere Mittagessen durfte nicht fehlen.

Weitere Einblicke in die Historie der Infanterieschule und der Liegenschaft am Lagerberg konnte der Besucher in der Regionalausstellung des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums gewinnen. Nicht nur der Blick zurück, sondern auch der Blick nach vorn wurde gewagt, das MAT-Autorenteam (Moderne Ausbildungstechnologie) stellte Balla die Virtual-Reality-Brille und deren Einsatzmöglichkeiten im Bereich der Ausbildung vor.

Auf dem Truppenübungsplatz wurde der Militärbundesrabbiner wieder in die Vergangenheit entführt und erhielt eine Führung durch das Übungsdorf Bonnland, das in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten, bevor es ausschließlich für den militärischen Häuserkampf genutzt wurde, besiedelt war. In Bonnland bestand eine jüdische Gemeinde um 1930, ihre Entstehung geht bis auf das 16. Jahrhundert zurück. Zum Abschluss konnte Zsolt Balla noch einen Blick in das Gepanzerte Transportkraftfahrzeug der Infanterie vom Typ Boxer  werfen.

So ging der für beide Seiten interessante und lehrreiche Tag zu Ende.   

von Thomas Heinl

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