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In 60 Jahren 930 KfzKraftfahrzeug-Techniker ausgebildet

In 60 Jahren 930 KfzKraftfahrzeug-Techniker ausgebildet

  • Geschichte
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Datum:
Ort:
Munster
Lesedauer:
4 MIN

Seit dem 1. April kann die Ausbildungswerkstatt Munster auf 60 Jahre erfolgreiche Ausbildung zurückblicken. Seither wurden viele junge Menschen in den Werkshallen zu Kraftfahrzeugmechanikern beziehungsweise werden heute zu Kraftfahrzeugmechatronikern ausgebildet. Von der alten Werkstatt ist nicht mehr viel zu sehen. Die Motivation jedoch, jungen Menschen ein Handwerk zu vermitteln, bleibt.

Elf Männer stehen vor einer Halle und halten ein Banner mit dem Schriftzug: 60 Jahre Ausbildungswerkstatt

Ausbilder und Lehrlinge stehen mit Brigadegeneral Ullrich Spannuth (4.v.r.) vor der Halle.

Bundeswehr/Thomas Rotter

Nachdem die Bundeswehr im Mai 1960 entschieden hat, Lehrlinge an der damaligen Panzertruppenschule auszubilden, wird recht zügig mit den Vorbereitungen zur Einrichtung einer Lehrwerkstatt begonnen. Im März 1961 wird KfzKraftfahrzeug-Mechaniker Herbert von Bloh als erster Ausbildungsleiter eingestellt. Gemeinsam mit seinem Lehrgesellen Werner Renken richten sie die erste Lehrwerkstatt in Halle 67 ein, eine von vielen Hallen im riesigen Technischen Bereich der Panzertruppenschule. Die Anfänge sind spartanisch: Zwei Feldhäuser mit Ölöfen beheizt, dienen als Geschäftszimmer, Lehrsaal und Aufenthaltsraum für die Lehrlinge. Gerade einmal vier Wochen später, an einem Samstag, am 1. April 1961, findet mit den ersten 13 Lehrlingen die offizielle Eröffnung statt.

Mittlerweile hängen viele neue Werkzeuge an der Wand und die Ölöfen sind schon längst nicht mehr da. Was bleibt, sind die Motivation und die Freude über die Einrichtung, die bis heute spürbar sind: „Wir können stolz auf 60 Jahre hervorragende Ausbildung in der Kaserne Panzertruppenschule sein. Mit der Ausbildungswerkstatt überzeugen wir in der Region auch als Ausbildungsbetrieb. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Auszubildenden nach ihren Lehrjahren mit ihrem Gesellenbrief für die Bundeswehr oder für einen zivilen Betrieb entscheiden“, so der Kommandeur der Panzertruppenschule Munster, Brigadegeneral Ullrich Spannuth. Die Werkstatt sei ein Paradebeispiel dafür, wie gut Bundeswehr und ziviles Umfeld in Munster harmonieren würden, würdigt der General die 60-jährige Jubilarin. Bleiben die Ausgebildeten bei der Bundeswehr, werden sie weiter geschult und können später Panzer, Gefechtsfahrzeuge und anderes Großgerät reparieren.

1988 die erste Frau ausgebildet

Auf dem 60 Jahre alten Foto in Schwarz und Weiß stehen in einem Gebäude mehrere Jugendliche um eine Werkbank herum.

1. April 1961: Ausbilder und Lehrlinge Boettcher, Bohlmann, Butzmann, Dierßen, Hartlieb, Hüners, Kaisen, Kasten, Lindner, Masuch, Slotta und Tausendfreund.

Bundeswehr/Archiv Ausbildungswerkstatt Munster

„Wir freuen uns sehr und sind stolz, dass wir nunmehr auf 60 Jahre Ausbildungswerkstatt Munster zurückblicken können und hätten uns natürlich gewünscht, dieses Ereignis gemeinsam mit ehemaligen Ausbildern und Auszubildenden feiern zu können. Leider hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben und so werden wir versuchen, diese Feier so bald wie möglich nachzuholen“, unterstreicht der jetzige Leiter der Ausbildungswerkstatt, Holger Barton. Sichtlich enttäuscht, hatte sich Barton einen feierlichen Rahmen für sein jetziges Ausbilderteam und die derzeitigen Auszubildenden gewünscht.

Die Zahlen stimmen dennoch optimistisch. Insgesamt wurden in den Hallen bis dato 932 junge Menschen zu KfzKraftfahrzeug-Mechanikern und KfzKraftfahrzeug-Mechatronikern ausgebildet. Im aktuellen Durchgang sind auch vier junge Frauen dabei, die sich dieser fordernden Ausbildung stellen. Die erste Frau in der Ausbildungswerkstatt war Tanja Hellwig, die am 1. August 1988 ihre Ausbildung antrat und im Juni 1991 die Prüfung mit der Note „Sehr gut“ abschloss. Interessant: Hellwig ist noch heute in Munster und engagiert sich derzeit im Personalrat der Panzertruppenschule als Gruppensprecherin für die Rechte und Belange der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Standort.

Immer auf dem neuesten Stand der Technik

In einer Werkstatt stehen vier Autos. Ein Mechaniker in blauem Anzug arbeitet an einem Fahrzeug.

Vieles anders: Heute lernen die Auszubildenden in modernen Schulungsräumen und Ausbildungshallen das Handwerk des KfzKraftfahrzeug-Mechatronikers.

Bundeswehr/Thomas Rotter

Mit der Entscheidung, eine zivilberufliche Ausbildung innerhalb der Bundeswehr zu etablieren, geht es Anfang der Sechzigerjahre nicht nur darum, den eigenen Nachwuchs zu generieren, sondern auch Kindern von Soldaten und zivilen Beschäftigten eine beruflich sichere Zukunft bieten zu können. Das Thema Ausstattung spielt auch hier eine entscheidende Rolle. So gilt es, bei der Ausbildungswerkstatt, wie auch in der freien Wirtschaft, immer auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben, um eine bestmögliche Ausbildung zu gewährleisten. Immer wieder werden daher Fahrzeuge ausgetauscht, um die neueste Generation auf dem Hof zu haben. Im Jahr 2003, also vor fast zwanzig Jahren, wird auch das Berufsbild umorganisiert. Der bis dahin ausgebildete Beruf KfzKraftfahrzeug-Mechaniker bekommt eine neue Berufsbezeichnung. Seitdem können sich die Absolventen KfzKraftfahrzeug-Mechatroniker oder -mechatronikerin nennen. Dazu werden die Ausbildungsinhalte entsprechend den neuesten KfzKraftfahrzeug-Techniken gestaltet. Durch die Änderung des Berufsbildes müssen aber auch diverse Werkzeuge und Testgeräte angeschafft werden.

Auch aktuell orientiert sich die Einrichtung verantwortungsvoll und nachhaltig an der Zukunft: „Mittlerweile beschäftigen sich die Auszubildenden im dritten und vierten Lehrjahr mit der Hochvolt-Technologie für die E-Mobilität oder mit Alternativantrieben wie Wasserstoff, Brennstoffzellen oder Erdgas. So stehen dann auch die Wartung und Reparatur elektronischer Bauteile und Assistenzsysteme auf dem Lehrplan“, beschreibt Werkstattleiter Holger Barton die moderne und fordernde Ausbildung der Lehrlinge abschließend. Seine Worte wirken wie ein kleiner Blick in die Zukunft und lassen bereits erahnen, wie in den nächsten 60 Jahren in der Ausbildungswerkstatt der Panzertruppenschule ausgebildet wird.

von Paul Hicks

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