Die Welt auf einem Feld
- Datum:
- Ort:
- Großbritannien
- Lesedauer:
- 3 MIN
Wie schmeckt nepalesisches Essen? Was ist typisch für Kanada? Wie sieht die albanische Landestracht aus? Im August konnten sich etwa 1.000 Besucher beim internationalen Familientag des Hauptquartiers des multinationalen NATO-Korps, HQ Allied Rapid Reaction Corps (HQ ARRC), im englischen Innsworth ein Bild davon machen.
Dem Ansturm gewappnet: Die Spanier bieten den Besuchern eine Riesenpaella
PAO ARRC/Elvis UmanzorEinmal im Jahr beteiligen sich die Vertreter der in Innsworth stationierten 24 Nationen und geben einen Einblick in Landeskunde und landestypische Speisen und Getränke. Außerdem wird der Zusammenhalt der Familien und Nationen gestärkt. Dieses Jahr waren zusätzlich zu den 22 NATO-Nationen die Länder Nepal und Fidschi vertreten, da auch diese Nationen Soldaten in britischen Diensten im HQ ARRC haben.
Zwei Frauen polnischer Soldaten servieren polnische Spezialitäten
PAO ARRC/Elvis UmanzorIn einem multinationalen NATO-Korps-Hauptquartier geht es immer etwas bunter und lebendiger zu als in anderen Dienststellen. Das liegt natürlich an den unterschiedlichen Kulturen, die dort aufeinandertreffen. Besonders anschaulich wird das auf Veranstaltungen wie dem internationalen Familientag. Jedes Jahr im Sommer findet auf einer Wiese in den Imjin-Barracks in Innsworth, der Heimat des HQ ARRC, dieser kulturelle und kulinarische Höhepunkt der Familieneinbindung statt. Auf der Größe eines Sportplatzes werden Zelte und Stände aufgebaut. Dabei wird an alle Altersgruppen gedacht: von der Hüpfburg und Musikband bis zur Tombola und einem Kletterturm. Hier können sich die Familien der über 450 Angehörigen des Korpsstabes sowie der hier stationierten Unterstützungseinheiten in zwangloser Runde kennenlernen und austauschen. Denn sie sind es ja, die den notwendigen Rückhalt geben und bei Übungen und Einsatz auf Väter, Mütter oder ihre Partner verzichten müssen.
Die Band des Corps of Royal Electrical and Mechanical Engineers gibt musikalisch den Takt vor
PAO ARRC/Elvis UmanzorZur Eröffnung betonte der Befehlshaber HQ ARRC, Generalleutnant Sir Edward Smyth-Osbourne: „Dies ist eine großartige Gelegenheit, den Zusammenhalt zu stärken, unsere vielfältigen und unterschiedlichen nationalen Kulturen und Traditionen zu zeigen und zu teilen.“ Beim Teilen kamen ganz besonders die Feinschmecker auf ihre Kosten. Wann hat man schon die Gelegenheit, nepalesisches Curry, spanische Paella, polnische Wurst, amerikanische Hotdogs und deutsches Bier hintereinander zu probieren? Dazu konnten sich die Besucher über Land und Leute informieren und zugleich mit den Ländervertretern plaudern. Alle Stände und Zelte wurden durch die Soldaten und ihre Familienangehörigen liebevoll dekoriert und betrieben.
Eishockey ohne Eis: Die Kanadier zeigen, wie das geht
PAO ARRC/Elvis UmanzorSich für wohltätige Zwecke zu engagieren, ist in Großbritannien nicht nur zur Weihnachtszeit Tradition. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird Geld für karitative Einrichtungen oder Stiftungen gesammelt. Soziales Engagement wird von jedem erwartet und ist hoch angesehen. Beim Familientag des HQ ARRC gehen die Einnahmen der Tombola (Englisch: Raffle) an Alabaré. Diese Wohltätigkeitsorganisation kümmert sich vor allem um ehemalige Soldaten, die obdachlos, mittellos und damit oftmals perspektivlos geworden sind. Sie hilft den Veteranen, indem sie ihnen Unterkunft bietet und sie dabei unterstützt, wieder ein erfülltes Leben zu führen. Über 2.000 britische Pfund übergab der Befehlshaber des HQ ARRC am Ende an Alabaré.
Im deutschen Zelt spielen die Kinder am Tischkicker
PAO ARRC/Elvis UmanzorDas HQ ARRC ist nicht nur durch seine Multinationalität eine besondere Dienststelle der NATO. Es ist der erste Korpsstab der NATO, der sich seit dem Ende des Kalten Krieges wieder auf einen möglichen Einsatz im Fall der Bündnisverteidigung vorbereitet. Dies verlangt schon heute viel von den Soldaten ab. Durch die Übungen und Lehrgänge in ganz Europa sowie die konzeptionelle Arbeit für diesen Eventualfall sind die Soldaten oft lange fern der Familien und auf deren Unterstützung angewiesen. Daher stärkt ein solcher Familientag wiederum die Einbindung der Angehörigen und schafft gegenseitiges Vertrauen. Am Ende hieß es einhellig: „Wir freuen uns schon auf das nächste Mal.“
von Florian Raebel