Heer

Jäger trainieren für Auslandseinsatz in Mali

Jäger trainieren für Auslandseinsatz in Mali

  • Einsatzvorbereitung
  • Heer
Datum:
Ort:
Altmark
Lesedauer:
3 MIN

Es knallt. Rauch steigt auf. Das zweite Fahrzeug des Delta Zuges wird von einer improvisierten Sprengladung getroffen, dabei wird ein Soldat am Bein verwundet: Unter möglichst realitätsnahen Bedingungen üben die Soldaten des Jägerbataillons 292 und des Aufklärungsbataillons 13 Anfang Dezember in der Letzlinger Heide für ihren Einsatz in Mali.

Ein Soldat liegt bäuchlings auf der Erde und zielt mit seinem Gewehr nach rechts, im Hintergrund steigen Rauchschwaden auf.

Reale Bedingungen: Das Jägerbataillon 292 und das Aufklärungsbataillon 13 bereiten sich im Gefechtsübungszentrum auf ihren bevorstehenden Auslandseinsatz vor.

Bundeswehr/Martin Arnold

„MG, Deckungsfeuer nach links. Wir sitzen ab nach rechts“, befiehlt der Gruppenführer, Feldwebel Michael, seiner Gruppe. Während der MG-Schütze den Feind durch gezielte Feuerstöße in Deckung zwingt, springen die Soldaten aus dem hinteren Kampfraum des Gefechtsfahrzeuges. Hinter dem angesprengten Fahrzeug binden Soldaten das Bein des Verwundeten ab. Michael verschafft sich einen Überblick. „Wir weichen überschlagend aus bis zur Baumgruppe. Du zuerst“, weist er seinen Stellvertreter ein. Dann geht es Schlag auf Schlag. „Steht“, schreit er und eröffnet das Feuer mit seinem Trupp in Feindrichtung. Jetzt sprintet der andere Trupp zur Baumgruppe. Dort übernehmen sie das Deckungsfeuer und der Gruppenführer kann selbst ausweichen.

Jetzt kommt es auf Minuten an

Zwei Soldaten versorgen mit Verbandszeug ihren Kameraden, der im Wald verwundet auf der Erde sitzt.

Ein Fahrzeug der Gruppe wurde angesprengt, dabei ein Soldat am Bein verwundet. Die Kameraden eilen zur Hilfe und kümmern sich um den Verletzten.

Bundeswehr/Martin Arnold

Während Feldwebel Michael und der Delta Zug draußen im Feuergefecht stehen, koordinieren der Kommandeur Oberstleutnant Sandro Brandt und sein Stab in der Operationszentrale im Feldlager die Unterstützung. Welcher Zug kann zur Hilfe kommen? Welche Route nimmt die Schnelle Eingreiftruppe und wie kann die Versorgung der Verwundeten sichergestellt werden? „Damit wir im Einsatz schnell handeln können, muss die Operationszentrale eingespielt sein“, sagt Brandt. Deshalb sei es wichtig, dass im Gefechtsübungszentrum alle Züge und Unterstützer des Kampfverbandes zusammenarbeiten. Mit den Jägern aus Donaueschingen üben deshalb auch Soldaten des Jägerbataillons 291, der Panzerpionierkompanie 550, der 3. Kompanie des deutsch/französischen Versorgungsbataillons, der Aufklärungsbataillone 7 und 13, der Elektronischen Kampfführung, der Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit sowie der Logistikbataillone 171 und 131. Zusätzlich unterstützen Sanitätskräfte aus ganz Deutschland. „Wir haben gesehen, dass die Zusammenarbeit passt und wir alle ein gemeinsames Verständnis für den Einsatz haben“, sagte Brandt als Zwischenfazit der Übung.

Zufrieden mit der Zusammenarbeit und dem Ergebnis

Ein Soldat beugt sich über eine Lagekarte und überprüft den Verlauf der Übung, um ihn herum stehen weitere Soldaten.

Oberstleutnant Sandro Brandt, Kommandeur des Jägerbataillons 292, verfolgt auf einer Lagekarte den Verlauf der Übung, mit dessen Ergebnis der Stabsoffizier zufrieden ist.

Bundeswehr/Philipp Riedl

Am Anschlagsort hat der Delta-Zug inzwischen die Gruppe mit dem Verwundeten aufgenommen. Weitere Fahrzeuge schießen Nebelkörper, um den Feind zu blenden. Im Schutze dieser Nebelwand entfernt sich der Zug so weit, dass sie außer Reichweite der feindlichen Waffen sind. Jetzt kümmert sich der Arzttrupp um den Abtransport des Verwundeten in ein Krankenhaus, genannt „Role One“. „Zweite Gruppe erkundet Hubschrauberlandezone auf Freifläche 2.000 Meter nördlich eigener Standort“, gibt Zugführer Hauptfeldwebel Stefan einen kurzen Befehl per Funk. Damit ein Hubschrauber landen kann, muss eine ebene Fläche im Umkreis von 80 Metern gesichert und nach Kleinteilen abgesucht werden, die bei einer Landung den Hubschrauber beschädigen könnten. Währenddessen funkt ein Soldat des Zuges den sogenannten „Nine Liner“ an die Operationszentrale: Mit einer standardisierten Tabelle meldet er, wo sich die Landezone befindet, wie viele Verwundete es gibt und wie der Zug Verbindung mit dem Luftfahrzeug aufnimmt. So ist im Einsatz sichergestellt, dass Verwundete innerhalb einer Stunde, die „Golden Hour“, in ein Krankenhaus kommen. Damit ist an diesem Tag das Übungsszenario beendet und die Ausbilder des Gefechtsübungszentrums werten die Leistung des Delta Zuges aus. In den nächsten Tagen müssen sich die Soldaten noch bei Hinterhalten (feindlicher Überraschungsangriff aus der Tarnung heraus), als „Schnelle Eingreiftruppe“ und beim Bewachen des Lagers beweisen.

Intensive Vorbereitungen auf die Übung

Zwei Soldaten öffnen die Motorhaube eines Boxers, einem Gefechtsfahrzeug der Bundeswehr.

Weil die Fahrzeuge während der Übung stark beansprucht werden, ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig.

Bundeswehr/Phillip Riedl

Damit die zweiwöchige Übung stattfinden konnte, waren monatelange Vorbereitungen nötig. Im Feldlager wurden kilometerlang Kabel verlegt, um die Gefechtsstände und die Operationszentrale zu vernetzen. Fast 130 Fahrzeuge wurden aus ganz Deutschland in die Letzlinger Heide transportiert. Während der Übung wurden 56.000 Liter Treibstoff verbraucht und 188.000 Schuss Übungsmunition abgegeben. Insgesamt waren 22 Tonnen Ausrüstung und Material im Einsatz. „Alle Beteiligten haben während der gesamten Übung überdurchschnittliche Leistungen gezeigt“, lobt Brandt alle Soldaten beim Abschlussantreten. „Unsere Ausbildung zahlt sich aus und wir sind gut für unseren Einsatz vorbereitet“, lautet das Fazit des Kommandeurs.


von Philipp Riedl

mehr lesen