Heer
Vom Einfachen zum Schwierigen

Künftige Feldwebel und Unteroffiziere im ersten Gefecht

Künftige Feldwebel und Unteroffiziere im ersten Gefecht

Datum:
Ort:
Stetten am kalten Markt
Lesedauer:
3 MIN

Ziel jeder Ausbildung ist, die Soldatinnen und Soldaten für die Landes- und Bündnisverteidigung vorzubereiten. Dabei werden die komplexen Anforderungen langsam gesteigert. Für die Feldwebel- und Unteroffizieranwärter aus Altenstadt kommt es darauf an, als Gruppe im Gefecht zu bestehen. Auf dem Übungsplatz Heuberg werden die einzelnen Elemente der vorangegangenen Ausbildungen zusammengeführt.

Mehrere Soldaten knien nebeneinander, die Panzerfaust im Anschlag.

Erstausbildung an der Panzerfaust: Die Ausbildung und Aufträge werden immer komplexer. Später im Gefechtsschießen ist die gesamte Gruppe wichtig, jeder kann sich auf den anderen verlassen.

Bundeswehr/René Säuberlich

„Geradeaus, 200 Meter, Feind in Gruppenstärke, Fertigmachen zum Feuerüberfall!“ Den Befehl des Gruppenführers geben die Soldatinnen und Soldaten im Flüsterton weiter. Die Gruppe liegt in ihrer Stellung und macht sich bereit, jeder kennt seine Aufgabe. Kurz darauf gellt ein lauter Pfiff durch den Wald, aus zehn Gewehrmündungen bricht gleichzeitig der erste Schuss. Holzscheiben, die den anrückenden Feind darstellen, klappen ab – Treffer! Doch die Schlacht ist noch nicht geschlagen. Der Gegner rückt weiter vor. Kommt den Stellungen der Verteidiger bedrohlich nahe: „Maschinengewehr – Feuer!“, brüllt der Gruppenführer. Der Soldat schickt seine Geschoss-Salven in Richtung Gegner. Überrascht bricht der Feind daraufhin seinen Angriff ab.

Es ist genau dieses Zusammenspiel, das die Ausbilder sehen wollen. Es sind angehende Feldwebel und Unteroffizieren des Heeres, die hier zusammenführen, was sie in den letzten sechs Monaten gelernt haben. Die Ausbildung im Feldwebel-/ Unteroffizieranwärterbataillon bereitet die zukünftigen Führungskräfte auf ihr späteres Aufgabenprofil vor. Sie lernen, was gute Menschenführung ausmacht. „Auch unter Stress können und sollen sie Fehler machen, um daran zu wachsen. Später hängen im Ernstfall Menschenleben von ihren Entscheidungen ab“, erklärt ein Ausbilder.

Das Zusammenwirken in der Gruppe

Der Schütze liegt in einer mit Sandsäcken befestigten Stellung hinter dem Maschinengewehr und gibt kurze Feuerstöße ab.

Es wird vor allem mit dem Maschinengewehr trainiert: Der Schütze ist sich seiner Verantwortung bewusst, die Gruppe vertraut auf seine Fähigkeiten.

Bundeswehr/René Säuberlich

Die letzten Monate waren von intensiver Ausbildung geprägt. Neben zahlreichen anderen Themen stand die Waffenausbildung klar im Mittelpunkt. Aufbauend vom Theorieunterricht, um die Waffe kennenzulernen, über die praktische Trockenausbildung ging es weiter zur Schießausbildung im Simulator und abschließend auf die Schulschießbahn. Geschossen wurde zunächst einzeln im Nahbereich und später auf weite Distanzen. Verschiedene Anschläge mit unterschiedlichen Waffen setzten die Soldaten dabei ein. Nun in Heuberg ging es darum, das Zusammenwirken als Gruppe zu üben. Vergleichbar mit einem Musikorchester, das nur funktioniert, wenn verschiedene Instrumente zusammenspielen und jeder Musiker weiß, wann was zu tun ist. Dirigiert wird dieses Miteinander vom Gruppenführer, der die ihm anvertrauten Soldaten kennt und ihnen Aufgaben zuweist, die ihren Stärken entsprechen.

Am Ende hat sich das Training gelohnt. Als vor den eigenen Stellungen plötzlich ein feindliches Fahrzeug auftaucht, wissen die Männer und Frauen sofort, worauf es jetzt ankommt. Schnell ist ein Trupp mit Panzerabwehrwaffen unterwegs, das Gefechtsfahrzeug auszuschalten: Treffer! Die Positionen der Verteidiger werden gehalten, der Auftrag ist erfüllt.

Feldgelöbnis auf dem Übungsplatz

Etwa 65 Soldatinnen und Soldaten stehen nachts in Formation auf einer Wiese.

Feierliches Gelöbnis: Mit dem Bekenntnis zum Grundgesetz und dem Sprechen der Eidesformel geloben die Soldatinnen und Soldaten, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.

Bundeswehr/René Säuberlich

Doch in Heuberg wurde nicht nur gekämpft. Neben der Gefechtsausbildung stand ein weiterer Höhepunkt auf dem Programm. Die 2. Kompanie ist derzeit mit der Grundausbildung beauftragt und organisierte ein Feldgelöbnis auf dem Truppenübungsplatz. Für die Rekrutinnen und Rekruten war es ein denkwürdiger Augenblick, nach einem fordernden Ausbildungstag im Fackelschein ihr Treuebekenntnis abzulegen. Der Kommandeur des Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillons 3 sprach den Angetretenen Respekt und Anerkennung aus. Der Sprecher der Rekruten betonte, dass sich die Freiwillig Wehrdienstleistenden „entgegen mancher Kritik aus ihrem Umfeld bewusst für den Dienst an der Waffe entschieden haben, da sie darin einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft sehen“.

Mit dem Aufenthalt auf dem Übungsplatz wurden nicht nur die etwa 200 Anwärter des Bataillons ausgebildet. Die Übung erhöhte auch die individuelle Einsatzbereitschaft des Stammpersonals, also jener Soldaten, die den Grundbetrieb gewährleisten, die üblicherweise als Ausbilder oder in der Verwaltung eingesetzt sind. Denn auch die, die sonst am Schreibtisch arbeiten, sind in erste Linie Soldaten. Auch sie müssen die Gefechtshandgranate werfen oder mit der Granatpistole schießen können und für die Landes- und Bündnisverteidigung einsatzbereit sein.

von Michael Mehn

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