Heer

Mehr Wertschätzung für Reservisten

Mehr Wertschätzung für Reservisten

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  • Heer
Datum:
Ort:
Strausberg
Lesedauer:
4 MIN

Bei der Reservistentagung im Kommando Heer in Strausberg trafen sich circa 50 Reservistendienstleistende mit den Organisatoren aus dem Referat für Reservistenangelegenheiten. Neben Vorträgen wie etwa zur neuen Strategie der „Reserve im Heer“ bekamen die ehemaligen Soldaten auch eine Waffenausbildung und das Schießen im Simulator in Storkow geboten.

Vier Soldaten zielen auf die Projektionswand eines Schießsimulators.

Eine interessante Mischung aus Theorie und Praxis bekommen die Teilnehmer der Reservistentagung geboten, darunter auch einen Besuch des Schießsimulators in Storkow.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Nein, einen klassischen oder gar alltäglichen Werdegang als Reservist hat Oberstabsfeldwebel Wolfgang Marx ganz sicher nicht absolviert. Allein sieben Auslandseinsätze stehen in der Vita des 64-Jährigen, der bei der jüngsten Reservistentagung im Kommando Heer in Strausberg seine letzten Wehrübungstage erlebt. So ungewöhnlich allein diese Tatsache und die weitere Geschichte des Fallschirmjägers auch sein mag, steht sie doch auch stellvertretend für alle Reservisten. Sie zeigt, welche Möglichkeiten sich nach der aktiven Dienstzeit bieten.

40 Monate im Auslandseinsatz

Ein älterer Soldat in Uniform schaut in die Kamera.

Der 64-jährige Oberstabsfeldwebel Wolfgang Marx beendet endgültig seine nicht alltägliche Laufbahn als Reservist nun bei der Tagung in Strausberg.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Seine „zweite Dienstzeit“ begann für Marx vor 14 Jahren mit einer Bitte der Stammdienststelle des Heeres, bei Auslandseinsätzen zu unterstützen. Bis zu seinem Ausscheiden hatte der 64-Jährige, der sich selbst als „frühere Kampfsau“ bezeichnet, diverse Qualifikationen erworben. Sie führten ihn in der Summe 28 Monate nach Afghanistan und zwölf Monate nach Bosnien. In erster Linie war er dort jeweils als Pressefeldwebel tätig. Marx erlebte aber weit mehr, als es die Verwendung vermuten lässt: Dreimal war er zeitgleich mit dem späteren Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, im Auslandseinsatz. Er stand neben Oberst Georg Klein, als dieser 2009 den viel diskutierten Befehl zum Raketenangriff auf einen Tanklaster gab, mit dem die Taliban einen Anschlag auf eine Polizeischule im afghanischen Kundus planten. Er kannte die 2014 in Afghanistan erschossene Fotografin Anja Niedringhaus persönlich.

Marx wurde außerhalb der Presseaufgaben aufgrund seiner speziellen Fähigkeiten bei diversen gefährlichen Operationen eingesetzt und bekam den Spitznamen „Joker“. Und er sah „viel zu viele“ Kameraden, die im Einsatzland ihr Leben gelassen haben. Doch genau diese ungewöhnliche bis extreme Mischung an Erlebnissen gaben dem Soldaten aus Leidenschaft auch als Reservist „noch viel mehr als zur aktiven Zeit. Dafür bin ich doppelt dankbar“. Deshalb nimmt man Marx auch zweifelsfrei ab, wenn er sagt, er habe nie etwas bereut und würde alles wieder genauso machen. Bezüglich der neuen Strategie der Reserve im Heer ist sich der nun endgültige Pensionär sicher, dass den Reservisten künftig mehr Aufmerksamkeit, Anerkennung und Möglichkeiten geboten werden: „Und davon werden beide Seiten profitieren in Zeiten veränderter Sicherheitspolitik.“

Heimatnahe Grundbeorderung

Wesentliches Merkmal der neuen Strategie ist, die grundsätzliche Einplanung aller wehrdienstfähig aus dem aktiven Dienst ausscheidenden Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in die Reserve für einen Zeitraum von sechs Jahren. Beorderungsmöglichkeiten sind in allen Kategorien der Reserve vorgesehen. Um die Motivation ehemaliger Soldaten für solch eine bedarfsgerechte und für sechs Jahre verpflichtende Grundbeorderung zu steigern, werden wichtige Aspekte wie erworbene Qualifikationen und Beibehaltung der persönlichen Vernetzung berücksichtigt. Das bedeutet unter anderem, dass ein in seiner Region verwurzelter Reservist auch heimatnah eingeplant wird.

Des Weiteren soll der Dienst für ehemalige Soldaten deutlich attraktiver werden: Finanzielle Anreize, regionale Ausbildung und Heimatnähe, ein modernes Arbeitsumfeld sowie die Vereinbarkeit von Reservistendienst mit Familie und Arbeitgeber sind nur einige Beispiele. Um die Akzeptanz der Bevölkerung sowie bei den Arbeitgebern für die Reserve und Bundeswehr zu steigern, ist die Einführung eines Bildungspasses geplant, bei dem in der Bundeswehr erworbene und zivil nutzbare Qualifikationen dokumentiert werden.

Die zweite Wehrübung im Kommando Heer

Ein jüngerer Soldat in Uniform schaut in die Kamera.

Der 31-jährige Hauptmann Stefan Hoffmann nimmt ebenfalls an der Tagung im Kommando Heer teil und kann sich vorstellen, auch künftig Wehrübungen abzuleisten.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Etwas zurückhaltender bezüglich der neuen Reservestrategie ist Hauptmann Stefan Hoffmann. Die Laufbahn des 31-Jährigen verlief völlig anders als die von Marx. Hoffmann ist erst Mitte dieses Jahres nach zwölfjähriger Dienstzeit ausgeschieden und absolviert gerade in Strausberg seine zweite Wehrübung. Die Premiere als Reservistendienstleistender feierte er direkt im Anschluss an seine Entlassung ebenfalls im Kommando Heer im Referat für Infrastruktur. Aufmerksam auf die Möglichkeiten als Reservist wurde er beim Einsatz in Litauen, als ihn ein Kompaniefeldwebel fragte, ob er sich ein Engagement nach der aktiven Dienstzeit vorstellen könnte. Bei der Reservistentagung stellt Hoffmann zumindest „schon eine gewisse Distanz“ zwischen aktiven und ehemaligen Soldaten fest. Die neue Strategie hält er für einen guten Ansatz. Letztlich sei der Erfolg aber nach wie vor „abhängig von jedem Reservisten selbst“. Für die Umsetzung der Strategie müssen seiner Ansicht nach die entsprechenden Strukturen geschaffen werden, um auch aktiv auf die Reservisten zugehen zu können.

Fest steht für den Bauingenieur hingegen, dass er sich gut vorstellen kann, auch in den nächsten Jahren weitere Wehrübungen als Reservist zu absolvieren, sofern sein künftiger Arbeitgeber mitspielt. Einig waren sich Hoffmann und Marx darin, dass die dreitägige Veranstaltung im Kommando Heer ein abwechslungsreiches Programm bot und den Teilnehmern einen spannenden Ausblick auf die Umsetzung der künftigen Strategie „Reserve im Heer“ gab.

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Zwei Soldaten sitzen in einem Saal, einer macht sich Notizen während des Vortrages eines weiteren Soldaten am Rednerpult.

Neben den Vorträgen bekommen die Reservisten auch schriftliche Informationen zu den Programmpunkten der Tagung.

Bundeswehr/Maximilian Schulz
Mehrere Soldaten sitzen in einem Saal, ein Soldat steht und stellt eine Frage an den Redner.

Während der Vorträge gibt es die Gelegenheit, sich mit Fragen oder Anregungen aktiv zu beteiligen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz
Vier Soldaten halten ihre Pistolen im Anschlag und visieren das Ziel an.

Die seltene Gelegenheit, die Pistole P8 auch praktisch auszuprobieren, kommt bei den Reservistendienstleistenden überaus gut an.

Bundeswehr/Maximilian Schulz
Mehrere Soldaten stehen um einen PC herum, an dem ein Mann sitzt.

Nach jedem Schießdurchgang ermitteln die Ausbilder über die Trefferbilder am Computer die Zahl der erzielten Ringe.

Bundeswehr/Maximilian Schulz
Etwa 40 Soldaten, überwiegend in Tarnfleck-Uniform, stehen auf einer Treppe in vier Reihen vor der Glasfront eines Gebäudes.

Die Teilnehmer der Veranstaltung auf dem Campus der Akademie für Informationsarbeit in Strausberg

Bundeswehr/Maximilian Schulz

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von Nicolai Ulbrich

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