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Fernmeldeausbildung

Meldeblock, Bleistift und digitale Technik

Meldeblock, Bleistift und digitale Technik

Datum:
Ort:
Schwarzenborn
Lesedauer:
4 MIN

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Im Jägerbataillon 1 in Schwarzenborn hat der Fernmeldezug der 1. Kompanie erfolgreich die Dienstpostenausbildung abgeschlossen. Zwar ist der Standort eher wegen seiner „Schwarzenborner Jäger“ bekannt, doch hat er noch mehr zu bieten als bestens ausgebildete Infanteristen.

Eine Soldatin hält einen Meldeblock in der Hand.

In der Fernmeldeausbildung ist der Meldeblock immer dabei. Schreibbereitschaft ist ein Muss, neue Informationen werden zügig notiert.

Bundeswehr/Renee Schumann

„Soldat und Soldatin im Jägerbataillon 1 zu sein, ist mehr, als nur ein Infanterist zu sein. Wir haben eine große Bandbreite an verschiedenen Tätigkeitsfeldern, die wir erfüllen müssen und auch können, wie zum Beispiel unsere Fernmeldekräfte“, erklärt der Chef der 1. Kompanie, Major Norbert Schulze. Neun Soldaten und eine Soldatin haben in der Fernmeldeausbildung viel Neues gelernt und Bekanntes vertieft. In den Prüfungen haben sie in Theorie und Praxis ihr Wissen und Können auf die Probe gestellt – und alle bestanden. Das sei fast eine kleine Premiere, denn seit März 2020 habe es im Fernmeldezug diese Ausbildung pandemiebedingt nicht mehr gegeben. Das Programm der zweiwöchigen Ausbildung ist in zwei Segmente unterteilt. Die Dienstpostenausbildung zum Funkgerätebediener sowie die zum ITInformationstechnik-Soldaten.

Theorie und Praxis gehen Hand in Hand

Ein Soldat baut ein Funkgerät in ein Fahrzeug ein.

Jeder Fernmelder muss Funkgeräte korrekt in Fahrzeuge einbauen können. Das zählt zu den Grundlagen der Ausbildung.

Bundeswehr/Renee Schumann

Themen der ersten Woche sind Grundlagen des Fernmeldewesens, Funk- und Fernmeldetechnik und deren Einsatzmöglichkeiten. Auch Bereiche, wie Truppenkunde und militärische Symbole kommen nicht zu kurz. Neben viel grauer Theorie steht auch Praxis auf dem Dienstplan. So werden in den folgenden Ausbildungsabschnitten die Funkgeräte mit den Bezeichnungen SEM 52, 70 sowie 80/90 in die Ausbildung integriert. Später werden die Fertigkeiten in kleinen Übungsabschnitten trainiert. Kleine Trupps aus zwei oder drei Soldaten werden mit ihren Funkgeräten entsendet, um kleinere Aufträge zu erfüllen. „Dabei geht es vor allem um eins. Funken, funken und nochmals funken. Nur so werden wichtige Handgriffe und Fertigkeiten eingeschliffen“, so der Ausbildungsleiter.

Verschleiern und authentisieren

Eine Soldatin hält sich den Hörer eines Funkgerätes an das Ohr.

Funken, funken, nochmals funken. Bei den praktischen Funkübungen kommt jeder im Trupp dran.

Bundeswehr/Renee Schumann

Die Fernmeldetrupps marschieren von einem Ort zum nächsten. An jeder neuen Station müssen sie Informationen an ihren Vorgesetzten durchgeben und auf neue Anweisungen warten – alles per Funk, natürlich. Eigentlich sei diese Übung ein bisschen wie eine Schnitzeljagd. Zwar nicht ganz so lustig, aber extrem wichtig, so ein Ausbilder. Es gehe auch darum, sich die korrekte Funkbetriebssprache anzueignen oder das Verschleiern, also ohne Klartext zu sprechen, von Informationen zu üben. Das sogenannte Authentisieren ist ebenso wichtig: Es sorgt dafür, dass die Soldaten sicherstellen, ob am anderen Ende des Funkkreises eigene oder verbündete Soldaten sind. Das alles in ständiger Begleitung von Meldeblock und Bleistift. Denn alle an den Funktrupp durchgegebenen Informationen müssen schnell notiert werden.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist Furchtlosigkeit. Es gilt, den Teilnehmern die Angst vor dem Umgang mit den Funkgeräten zu nehmen. „Es kommt vor, dass der eine oder andere ordentlichen Respekt vor dem Umgang mit dem Gerät hat. Und auch frei im Funk zu sprechen, ist nicht für jeden selbstverständlich“, weiß der stellvertretende Zugführer, Stabsfeldwebel Patrick Arnold, aus eigener Erfahrung. Der erfahrene Haudegen erklärt: „Hier in der Ausbildung ist alles simuliert, aber später, im wirklichen militärischen Leben, kann es um viel gehen, wenn die Informationsübermittlung nicht gut funktioniert.“

Der gute alte Feldfernsprecher

Ein Soldat verbindet zwei Kabel mit den Schraubkontakten eines Fernsprechgerätes.

Der Feldfernsprecher Ortsbetrieb, auch als Ackerschnacker bekannt, leistet seit Jahrzehnten treu seine Dienste

Bundeswehr/Renee Schumann

Ein weiterer Schwerpunkt in der zweiten Woche ist der Aufbau und der Betrieb von Fernmeldestellen: Der Umgang mit etwa dem Stromerzeugeraggregat ist unumgänglich, auch das Aufbauen der Satellitenschüsseln und der Standantennen gehört zwingend dazu. Das beginnt schon mit dem Erkunden eines geeigneten Ortes für den Aufbau einer Fernmeldestelle. Die Fernmeldesoldaten sind für das reibungslose Betreiben des Gefechtsstandes mitverantwortlich.

Auch setzen sie sich mit dem feldmäßigen Kabelbau auseinander. Dabei werden die Soldaten in Fernmeldetechnik der ganz anderen Art eingewiesen, wie man es vielleicht in einer modernen Armee erwartet hätte. „Man könnte auch sagen, hier wird noch Fernmeldetechnik der alten Schule betrieben“, so der Ausbilder. Fast wie ein Museumsstück mag es den jungen Soldaten erscheinen. Aber auch dieses System, der sogenannte Feldfernsprecher Ortsbetrieb, kurz FFOB, hat noch einige Vorteile. Simpel, wenig störanfällig und fast immer funktionsbereit und das seit vielen Jahrzehnten. „In Zeiten zunehmender Vernetzung und der ständigen Gefahr von Cyberattacken ist die alte Technik oft noch immer unersetzbar“, so Arnold. Deswegen müsse man manchmal vielleicht auch einen Schritt zurückgehen, um voranzukommen.

Die Lust auf mehr wecken

Drei Soldaten im Gespräch, einer hat ein Funkgerät am Ohr.

Die Fernmeldeausbildung baut Ängste ab und legt Grundlagen. Die Sicherheit in der Funkgerätesprache bringt die Erfahrung mit sich.

Bundeswehr/Renee Schumann

Nach einer Woche wird noch niemand zum absoluten Spezialisten. Die Dienstpostenausbildung bietet in erster Linie Grundlagen. Doch sie ebnet auch den Weg zu einer Laufbahn in der jeweiligen Verwendung der jungen Soldaten. „Eigentlich ist diese Ausbildung der Fahrschule nicht unähnlich. Es gibt Theorie und Praxis. Und am Ende müssen die Dinge einfach geübt, geübt und noch einmal geübt werden. Aber wir möchten auch Interesse auf mehr wecken“, macht Arnold deutlich. Was aber diese zwei Wochen zunächst einmal angehe, so Arnold, seien alle, Ausbilder wie Teilnehmer, zufrieden. Kein Wunder, schließlich hätten alle Teilnehmer diesen ersten Ausbildungsabschnitt ihrer jungen Laufbahn bestanden.

von Renee Schumann

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