Heer

Neuer Lack für alten Flakpanzer

Neuer Lack für alten Flakpanzer

  • Tradition
  • Heer
Datum:
Ort:
Veitshöchheim
Lesedauer:
5 MIN

Der alte Panzer stand schon eine Weile auf dem Sockel. Die Farbe war rissig, platzte großflächig ab und legte den rostigen Stahl darunter frei. Im Hintergrund waren immer wieder Märsche zu hören, die der Wind vom Probensaal des Heeresmusikkorps Veitshöchheim herübertrug, so als spiele es einen Abgesang auf das längst ausgemusterte Fahrzeug.

Ein Soldat und ein Zivilist stehen mit verschränkten Armen vor einem frisch in Tarnfarben gestrichenen Panzer.

Stabsfeldwebel Andreas Klug (l.) und der heutige Polizist Rainer Dürr, beide ehemalige Angehörige der aufgelösten Heeresflugabwehrtruppe, haben dem alten Flugabwehrkanonenpanzer Gepard mit der Lackpistole ein neues Farbkleid verpasst.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

 „Der Lack ist ab“, sagt man landläufig, wenn etwas schon so alt ist, dass der Lack sich buchstäblich löst. So war es auch beim Flugabwehrkanonenpanzer auf dem Gelände der Balthasar-Neumann-Kaserne, wo der Stab der 10. Panzerdivision beheimatet ist. Bis Stabsfeldwebel Andreas Klug mit einer Lackpistole kam, weil er den Anblick nicht mehr ertragen konnte: „Der schaut lausig aus“, dachte sich Klug. Dabei ist der Flakpanzer vom Typ Gepard nicht der einzige alte Panzer auf dem Gelände: Ein alter M47, jener USUnited States-amerikanische Kampfpanzer, mit dem die Bundeswehr in den Sechzigerjahren ausgerüstet wurde, steht unweit entfernt. Dazu kommen mehrere Modelle des deutschen Leoparden, ein Hotchkiss-Schützenpanzer, eine Panzerhaubitze M109, ein Schützenpanzer Marder, ein Spähpanzer Luchs – die ganze Kaserne ist inzwischen ein kleines Freilichtmuseum für Bundeswehrpanzer. An keinem hatte der Zahn der Zeit aber so genagt wie am Gepard.

Schrauber an anderen alten Geparden

Auf zwei Fotos im Vergleich der Flakpanzer mit alten und neuem Anstrich

Vorher – Nachher: In ausgeblichenen Oliv und mit abgeblättertem Lack am Radar stand der Gepard jahrelang in der Balthasar-Neumann-Kaserne. Nun glänzt er in neuem Tarnanstrich.

Bundeswehr/Oliver Schmidt
Auf zwei Fotos im Vergleich der Flakpanzer mit alten und neuem Anstrich

Bundeswehr/Oliver Schmidt

„Bestellt schon mal Farbe“, bat Klug den Materialtrupp der Stabs- und Fernmeldekompanie der 10. Panzerdivision. Sein Projekt: Dem Gepard wieder einen schönen Anstrich geben. Für Klug, der sonst als Spieß in der Betreuungsstelle der Bundeswehrfachschule in Veitshöchheim tätig ist, eine Herzensangelegenheit – kennt er doch das Fahrzeug noch aus Zeiten, als es in der Truppe im Einsatz war. Der 49-jährige Aschaffenburger diente einst als Truppen-Fernmeldefeldwebel im Panzerflugabwehrkanonenbataillon 12 in Hardheim im Odenwald. Der Heeresflugabwehrtruppe bleibt er heute verbunden als ehrenamtlicher Panzerschrauber im fränkischen Uffenheim. Dort kümmert er sich mit Kameraden um zwei Geparden des dortigen Museums für Zivil- und Wehrtechnik und macht sie sogar wieder fahrfähig.

„Spaß an der Technik“, treibe die Enthusiasten in Uffenheim an, weiß Klug. Zur dynamischen Fahrzeugschau auf dem Freigelände kommen jeden Sommer Tausende Besucher. „Wenn der Motor eines Leoparden startet und die Besucher grinsen, dann macht uns das große Freude.“ 2015 hatte Klug einen früheren Kameraden getroffen, der ihm Bilder des Museums im Internet zeigte. „Da gehen wir hin“, waren sich beide einig. So fand sich eine ganze Gruppe ehemaliger Hardheimer, die schließlich einen alten Gepard zerlegt, restauriert, zusammengesetzt und so wieder betriebsfähig gemacht hat.

Modell aus den Siebzigerjahren

Auf zwei Fotos im Vergleich der Flakpanzer seitlich mit alten und neuem Anstrich

Vorher – Nachher: Aus dem moosbewachsenen Biotop wurde ein Flakpanzer, der so neu aussieht, als sei er eben erst ausgeliefert worden.

Bundeswehr/Oliver Schmidt
Auf zwei Fotos im Vergleich der Flakpanzer seitlich mit alten und neuem Anstrich

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Erfahrungen, die Klug nun für sein neues Projekt zugutekommen: Fünf-Liter-Eimer mit Lack in Grün, Braun und Schwarz, Kreppband und neue Hoheitsabzeichen erhielt Klug vom Materialtrupp, dazu einen Winkelschleifer. Die Lackierpistole brachte er von Zuhause mit. Rainer Dürr aus Gaukönigshofen, ein früherer Hardheimer Flak-Panzerkommandant, der heute Polizeibeamter ist, sagte sofort seine Unterstützung zu. Also begannen sie, das Moos vom Panzer zu kratzen und den alten olivgrünen Lack abzuschleifen. Der Gepard war einst in Olivgrün an die Bundeswehr ausgeliefert, später aber waren Tarnfarben üblich, weiß Klug. 1976 kam der Flakpanzer mit seiner 35-mm-Zwillingskanone in die Truppe, um das ältere USUnited States-amerikanische Modell M42 Duster zu ersetzen. Aufgebaut auf dem Fahrwerk eines Leopard 1 sollte der Gepard im Gefecht der verbundenen Waffen die schnell beweglichen Panzer- und Panzergrenadiertruppen vor Angriffen von tieffliegenden Erdkampfflugzeugen und Hubschraubern schützen. Nach dem Ende des Kalten Kriegs schrumpfte die Heeresflugabwehrtruppe und wurde 2012 mit der Außerdienststellung der letzten Systeme schließlich aufgelöst.

Mit Original-Kennzeichen

Blick auf das aufgeklebte Kennzeichen an der Front des Panzers

Der Panzer erhielt von der Zulassungsstelle der Bundeswehr seine alte Y-Nummer zurück. Das taktische Zeichen (r.) weist ihn als Fahrzeug der 6. Batterie des Gebirgsflugabwehrregiments 8 in Traunstein aus.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Warum das Exemplar in der Balthasar-Neumann-Kaserne olivgrün war, blieb zunächst rätselhaft. „Aber noch bevor ich den Lack abgeschliffen habe, merkte ich, dass er schon einmal in Tarnfarben gestrichen worden war.“ Ein Grund mehr, ihm wieder den Tarnanstrich zu verpassen. Fotos der Fahrzeuge im Uffenheimer Museum dienten als Vorlage für einen authentischen Anstrich. Eine Herausforderung war lediglich der Reflektor des Suchradars auf dem Turm, „die hat ordentlich Farbe aufgesaugt, da habe ich ein paarmal drüber streichen müssen“, berichtet Klug. Der Gepard B2L, der seit 2014 in Veitshöchheim steht, trug einst das Kennzeichen Y-259 853, wurde von Krauss-Maffei in München hergestellt und gehörte der 6. Batterie des Gebirgsflugabwehrregiments 8 in Traunstein. Irgendwann kam er als Sockelpanzer zum Flugabwehrregiment 10 nach Sigmaringen, das ihn in seinen olivgrünen Ursprungszustand zurückversetzte. Er verblieb dort neben anderen musealen Panzern in der Graf-Stauffenberg-Kaserne, bis der Stab der 10. Panzerdivision aufgelöst und in Veitshöchheim wieder neu aufgestellt wurde. Die neue Zehnte erbte auch die alten Panzer aus der geschlossenen Kaserne in Sigmaringen.

Das alte Kennzeichen des Gepards, fand Klug heraus, ist in der Bundeswehr nie wieder neu vergeben worden. Also beantragte er bei der Zentralen Militärkraftfahrtstelle, dem Gepard sein altes Kennzeichen wieder aufmalen zu dürfen. Das war dann der letzte Akt der Restaurierungsaktion. Nach insgesamt 21 Arbeitsstunden glänzt der Gepard wieder – ein Gesprächsthema in der ganzen Kaserne: „Schön gemacht, der sieht aus wie neu“, lobte der Standortälteste der Balthasar-Neumann-Kaserne, Brigadegeneral Michael Podzus, und scherzte: „Man könnte ihn glatt als Neuwagen verkaufen.“

Lob für das Engagement

Ein Soldat steht mit verschränkten Armen vor einem Panzer.

Engagierter Restaurator: Im Panzermuseum im fränkischen Uffenheim hält Stabsfeldwebel Andreas Klug zusammen mit anderen Kameraden der ehemaligen Heeresflugabwehrtruppe zwei alte Geparden am Laufen.

Bundeswehr/Oliver Schmidt

Die insgesamt zehn historischen Gefechtsfahrzeuge in der Balthasar-Neumann-Kaserne gehören zur militärhistorischen Sammlung der 10. Panzerdivision und sind oft ein Hingucker für Gäste, die die Kaserne besuchen, berichtet Oberstleutnant a.D. Wolfgang Hagedorn, Vorsitzender des Traditionsverbands 12. Panzerdivision. Er hat es schon oft erlebt, dass Besucher ganz begeistert berichten: „Darauf bin ich mal ausgebildet worden“, oder: „Da saß mein Opa einmal drauf“. Die Fahrzeuge symbolisieren auch die Geschichte der früheren 12. Panzerdivision, ja der Bundeswehr im Allgemeinen, so Hagedorn. Deshalb hat Hagedorn im vergangenen Jahr Paten für die Pflege der Fahrzeuge gesucht. Einer davon ist Stabsfeldwebel Klug. „Ich finde es super, dass er sich so engagiert und den Gepard optisch wieder auf Vordermann gebracht hat“, sagt Hagedorn.

Eine Renaissance erlebt derweil auch die einst von der Schließung bedrohte Carl-Schurz-Kaserne in Hardheim im Odenwald, in der Klug und Dürr einst gedient haben: Am früheren Standort des 2014 aufgelösten Heeresflugabwehrregiments 12 wird derzeit das Panzerbataillon 363 – bis zur Auflösung 2006 im benachbarten Külsheim stationiert – wieder aufgestellt.

von Karsten Dyba

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