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Neuer Name für Rotenburger Kaserne

Neuer Name für Rotenburger Kaserne

  • Tradition
  • Heer
Datum:
Ort:
Rotenburg (Wümme)
Lesedauer:
3 MIN

Die Kaserne in Rotenburg ist infolge des reformierten Traditionserlasses der Bundeswehr von 2018 jetzt umbenannt worden. Sie trägt den Namen Von-Düring-Kaserne. Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter Tauber, enthüllte zusammen mit Vertretern der Stadt, der Familie des Namensgebers und dem Kommandeur des Jägerbataillons 91 das Namensschild am Kaserneneingang.

Links und rechts neben einem großen, weißen Schild mit schwarzen Buchstaben stehen Soldaten und Zivilisten.

Der neue Name am Kaserneneingang ist enthüllt, mit dabei: Staatssekretär Peter Tauber (v. l. n. r), Oberstleutnant Maik Münzner, Bürgermeister Andreas Weber, Hasso von Düring, Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart, Oberst Christian Freuding.

Bundeswehr/Rainer Stolze

Der vorherige Name Lent-Kaserne nach dem Wehrmachtpiloten im Zweiten Weltkrieg, Helmut Lent, war besonders in den letzten Jahren immer wieder kritisiert worden. Mit dem neuen Traditionserlass der Bundeswehr kam man zu dem Schluss, dass Lent als Namensgeber nicht mehr zeitgemäß sei. Der Vorschlag, die Kaserne nach Johann Christian von Düring (der Jüngere) zu benennen, stammt aus den Reihen der Soldaten. Von Düring ist zudem auf dem Kasernengelände begraben. Er war im 19. Jahrhundert hannoverscher Forstbeamter und Freikorpsführer in Diensten des Kurfürstentums und Königreichs Hannover in den Befreiungskriegen gegen Napoleon.

Rede von Staatssekretär Tauber

Ein Mann in einem Anzug steht hinter einem Rednerpult und spricht, links und rechts dahinter stehen Soldaten mit Fahnen.

Als einen Glücksfall für Rotenburg bezeichnet der Parlamentarische Staatssekretär, Peter Tauber, die Wahl des neuen Kasernennamens in seiner Rede.

Bundeswehr/Carl Schulze

Die von Dürings gehören zu den ältesten Adelsfamilien in Norddeutschland. Ihr Stammbaum reicht nachweislich zurück bis in das 12. Jahrhundert. Zahlreiche Richter, Beamte und Offiziere sind aus ihr hervorgegangen. Der feierlichen Enthüllung des neuen Kasernennamens wohnten auch Nachfahren der von Dürings bei. Deren Gefühle und Empfindungen fasste Hasso von Düring aus Heiligental bei Lüneburg, Sprecher des Düringschen Familienverbandes, so zusammen: „Das ist für uns ein historischer Moment, eine große Ehre.“ Schließlich sei der Name seines Vorfahrens nicht einfach „von oben verordnet“, sondern von den Soldaten selbst ins Gespräch gebracht und vorgeschlagen worden. Es sei „ein Glücksfall für Rotenburg“, stellte dann auch Staatssekretär Tauber zufrieden fest, bevor er gemeinsam mit von Düring, dem Standortältesten und Kommandeur des Jägerbataillons 91, Oberstleutnant Maik Münzner, und dem Rotenburger Bürgermeister Andreas Weber den neuen Namenszug am Kasernentor enthüllte.

„Namen stiften Traditionen“

Ein Soldat in der grauen Heeresunform und ein Zivilist im dunklen Anzug unterhalten sich unter Bäumen.

Generalmajor Joachim von Sandrart und Hasso von Düring kennen sich aus der gemeinsamen Dienstzeit im aufgelösten Panzerbataillon 84. Von Düring war damals Chef der Kompanie, in der von Sandrart sich als Fahnenjunker die ersten Sporen verdiente.

Bundeswehr/Carl Schulze

Johann Christian von Düring, (1792 in Dannenberg geboren, 1862 in Hannover verstorben) nahm mit seinen Jägern 1815 unter anderem auch an der Schlacht von Waterloo teil. Doch was kann der Namensgeber den Soldaten, den Menschen in Rotenburg heute an Werten mit auf den Weg geben? „Der Name von Johann Christian von Düring steht für Mut, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Fleiß, aber auch für Heimatliebe und Loyalität“, sagte Weber, während Tauber betonte: „Namen stiften Traditionen. Mit Namen sind Bekenntnisse Werte und Normen verbunden.“

Der Name von Düring stehe deshalb auch heute 200 Jahre nach den Befreiungskriegen im besten Sinne für den Anspruch, den die Innere Führung an die Soldaten der Bundeswehr stelle: Er war „freier Mensch, guter Staatsbürger und vollwertiger Soldat zugleich“, führte Tauber aus. So habe er einen kühlen Kopf bewiesen, als er 1820 einen Aufstand rebellischer Studenten in Göttingen unterbinden sollte, die revolutionäre Ideen von politischem Wandel, Freiheit und Nationalstaat verbreiteten. Wohl auch weil er den Forderungen der Studenten gewisse Sympathien entgegenbrachte, wurde er ohne Gewalt der Situation in Göttingen Herr, betonte Tauber. Die Namenswahl sei somit „eine gute Wahl mit Blick auf die Geschichte der Region und würdigt einen tapferen und klugen Mann, der auch neben seinem militärischen Handeln für Werte eintrat, denen wir uns heute verpflichtet fühlen sollten“, fasste der Staatssekretär die Gründe für die Namensgebung zusammen. Weber ergänzte abschließend: „Ein Leben dauert eine Generation lang, ein guter Name dauert fort.“

von Klaus Reschke

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