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Oberst Herrmann ist neuer Namenspatron der Eutiner Kaserne

Oberst Herrmann ist neuer Namenspatron der Eutiner Kaserne

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Datum:
Ort:
Eutin
Lesedauer:
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Die Heimat des Aufklärungsbataillons 6 „Holstein“ trägt seit heute den neuen Namen „Oberst-Herrmann-Kaserne“. Fortan ist die Garnison nach dem Gründervater des Bataillons, Werner Herrmann, benannt, der 1961 als Kommandeur das vormalige Panzeraufklärungsbataillon 6 von Boostedt nach Eutin führte und es hier fest in die Region und die hiesige Gesellschaft verankerte.

Ein flaches Backsteingebäude mit großem Fenster, an der Wand ein metallenes Schild mit der Schrift „Oberst-Herrmann-Kaserne“

Das Wachgebäude der Eutiner Kaserne trägt für alle sichtbar den Namen des ersten Kommandeurs Werner Herrmann.

Bundeswehr/Holger Schmidt

Zahlreiche Ehrengäste, darunter die Bundesministerin der Verteidigung, Annegret Kramp-Karrenbauer, nehmen am feierlichen Appell zur Umbenennung teil. Zuvor hatte sich die Ministerin von den Fähigkeiten der Aufklärer überzeugt, die sie zu „Augen und Ohren“ der Truppe machen. Das Bataillon bereitet sich derzeit auf einen Einsatz in Litauen bei der Mission Enhanced Forward Presence (EFPEnhanced Forward Presence) an der Ostflanke der NATO vor. Der Einsatz beginnt Anfang 2022 und die Eutiner Aufklärer demonstrierten nun den Stand ihrer Ausbildung. Das Szenario: Ein Spähtrupp befindet sich im feindlichen Hinterland und muss kämpfend ausweichen. Die Spähaufklärung agiert dabei in ihrem Versteck nach dem Leitsatz „Viel sehen, ohne gesehen zu werden“. Radaraufklärung, Feldnachrichtenwesen und der Einsatz der Drohne KZOKleinfluggerät für Zielortung rundeten das Fähigkeitsprofil der Aufklärer ab.

60-jährige Bataillonsgeschichte

Eine Zivilistin in weißer Bluse und eine Soldatin stehen auf einer Wiese nebeneinander und unterhalten sich.

Major Janina Kießling, Kompaniechefin der 4. Kompanie, erläutert Verteidigungsministerin Annegret Kamp-Karrenbauer die Fähigkeiten des Kleinfluggerätes für Zielortung (KZOKleinfluggerät für Zielortung) auf dem Übungsplatz in Eutin.

Bundeswehr/Holger Schmidt

Die Ministerin ist auch nach Eutin gekommen, um die Umbenennung der Kaserne zu vollziehen. „Namen sind nicht nur Schall und Rauch“, betont sie in ihrer Rede während des Appells. „Mit Namen sind Geschichten und Werte verbunden, die Orientierung bieten, gerade in unruhigen Zeiten.“ Oberst Werner Herrmann sei daher ein ausgezeichneter Namenspatron, unterstreicht Kramp-Karrenbauer. „Er steht am Anfang einer über 60-jährigen Bataillonsgeschichte, die von zahllosen Einsätzen in der Heimat und im Ausland geprägt ist. Mit Oberst Herrmann nehmen die Aufklärer Bezug auf ihre ganz eigene Tradition, auf die sie zu Recht stolz sind.“

Diesen Punkt greift Oberstleutnant Tobias Aust, Kommandeur des Aufklärungsbataillons 6, in seiner Rede auf. Der Korpsgeist des Bataillons sei noch heute geprägt von jener kavalleristischen „Can-Do-Mentalität“, wie sie Oberst Herrmann vorlebte. „Diese Haltung aus Leistungsbereitschaft, Selbstbewusstsein und gleichzeitiger Bescheidenheit und Demut vor der Verantwortung.“ Ein Ausspruch Herrmanns, der diese Haltung auf den Punkt bringt, avancierte zum Leitspruch der Eutiner Aufklärer und begleitete sie mittlerweile in über 25 Auslandseinsätze: „Kinders, wir sind nicht besser als die anderen, wir sind nur anders.“

Dem Wohl aller Soldaten verpflichtet

Auf einer Wiese steht eine Zivilistin hinter einem Pult und spricht. Vor ihr sind zwei Soldaten angetreten.

Mit dem neuen Kasernennamen nehmen die Eutiner Aufklärer Bezug auf ihre ganz eigene Tradition, betont Verteidigungsministerin Annegret Kamp-Karrenbauer (l.), in ihrer Rede.

Bundeswehr/Holger Schmidt

Zu Beginn seiner eigenen militärischen Laufbahn hat Generalleutnant (außer Dienst) Roland Kather den Namenspatron noch als Kommandeur persönlich kennengelernt. Anekdotenreich hebt Kather, später selbst Kommandeur der Eutiner Aufklärer, in seiner Rede die integrative Wirkung Herrmanns hervor, die sich sowohl in der Region wie im Bataillon entfaltete. So legte Herrmann den Grundstein für die heute guten Beziehungen und die gepflegten Patenschaften einzelner Kompanien mit der Stadt Eutin und den Orten der Umgebung. „Herrmann lag das Wohl aller Soldaten am Herzen. Jeden Morgen saß er in seiner Pause im Kasino und freute sich über jeden, der sich auf einen Kaffee und ein Gespräch zu ihm setzte und sein Anliegen vorbrachte.“

Vor gut zwei Jahren war eine Diskussion über den vorherigen Namensgeber Major Karl von Rettberg entbrannt. Er soll 1914 im Ersten Weltkrieg in Belgien Kriegsverbrechen begangen haben. Eine Umbenennung war das Ziel. Aus den Reihen der Soldaten des Bataillons kam wiederholt der Vorschlag des neuen Namens Oberst-Herrmann-Kaserne. Hatten die Soldaten zu Rettberg überhaupt keine Beziehung, konnten sehr viele mit dem Namen Herrmann etwas anfangen.

von André Bleckmann

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