Inhalt
Heer
Ein Jahr auf der Insel

Offizierausbildung in Großbritannien fast rund um die Uhr

Seit 2016 nehmen jährlich zwei deutsche Offizieranwärter an der Offizierausbildung in Großbritannien teil. Die Ausbildung zum Offizier an der Royal Military Academy Sandhurst (RMASRoyal Military Academy Sandhurst) in der Grafschaft Berkshire südwestlich von London dauert ein Jahr und ist sehr anspruchsvoll.

Schulter eines britischen Soldaten mit einem Patch der Royal Military Academy

Jährlich durchlaufen etwa 275 britische und 75 ausländische Soldatinnen und Soldaten die Offizierausbildung an der Royal Military Academy Sandhurst

Bundeswehr/Marco Dorow

Vergleichbar ihren Kameradinnen und Kameraden im französischen Saint-Cyr-l’École und im USUnited States-amerikanischen West Point müssen auch in Großbritannien die deutschen Offizieranwärter den Fahnenjunkerlehrgang zunächst erfolgreich abgeschlossen haben. Das Ausbildungsjahr auf der Insel gliedert sich in drei gleichgroße Zeiträume á 14 Wochen, die als Junior Term, Intermediate Term und Senior Term bezeichnet werden.

Jährlich durchlaufen etwa 275 Briten und 75 Ausländer die Offizierausbildung an der RMASRoyal Military Academy Sandhurst. Letztere stammen aus bis zu 20 unterschiedlichen Nationen, vor allem aus dem Nahen Osten, Afrika und Südamerika.

Schwerpunkt des Junior Terms, der mit der Grundausbildung des Deutschen Heeres vergleichbar ist, ist die Vermittlung militärischer Grundlagen. Hierzu zählen die Waffenausbildung, Gefechtsdienst, Erste Hilfe, ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr, eine Fernmeldeausbildung sowie das intensive Vor- und Nachbereiten der Ausrüstung. Darüber hinaus werden grundlegende Kenntnisse in den Bereichen Taktik und Führungsprozess vermittelt, die während eines 36-stündigen Orientierungsmarsches als Abschlussübung angewandt werden müssen.

Abschlussübung Dynamic Victory in Grafenwöhr

Ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland ist die tägliche Länge der Ausbildung. Der Dienst an der RMASRoyal Military Academy Sandhurst wird für die Kadettinnen und Kadetten in der Regel lediglich zwischen zwei und fünf Uhr nachts unterbrochen. Der Grundsatz der britischen Streitkräfte: „Train hard, fight easy“ kommt hier unmittelbar zum Ausdruck.

Im zweiten Teil, dem Intermediate Term, stehen die Operationsarten Angriff und Verteidigung auf Kompanieebene im Mittelpunkt, die vor dem Hintergrund der aktuellen Bedrohungslage in Europa auch den Ausbildungsabschnitt Grabenkampf beinhalten. Des Weiteren werden im Intermediate Term verstärkt akademische Inhalte gelehrt, die durch Seminararbeiten und Klausuren verinnerlicht werden. Den Abschluss dieses Terms markiert ein sogenanntes Adventure Training, wie beispielsweise eine Trekkingtour durch Jordanien, das von den Teilnehmenden selbst geplant und durchgeführt wird.

Ein britischer und ein deutscher Soldat verständigen sich über ihr Vorgehen bei einer Gefechtsübung.

Bei der Abschlussübung Dynamic Victory der Royal Military Academy Sandhurst werden die Führungsqualitäten der Offizieranwärter in einer realitätsnahen Kampfsituation getestet

Bundeswehr/Marco Dorow

Der dritte und letzte Teil, der Senior Term, konzentriert sich auf eine gefechtsnahe Ausbildung und die eigenständige Operationsplanung. Im Mittelpunkt stehen hierbei aktuelle und realitätsgetreue Einsatzszenarien der Landes- und Bündnisverteidigung, die durch Fähigkeiten wie Riot Control, also die Eindämmung von Krawallen, und Techniken der Verhandlungsführung ergänzt werden. Eine weitere Besonderheit für die deutschen Offizieranwärter an der RMASRoyal Military Academy Sandhurst ist in diesem Ausbildungsabschnitt die Teilnahme an der Bajonett- und Nahkampfausbildung der britischen Armee. Gegenstand der Abschlussprüfung am Ende des Senior Terms ist die Durchführung der multinationalen Übung Dynamic Victory in Grafenwöhr unter Beteiligung der United States Military Academy West Point und USUnited States-amerikanischer Heeresflieger.

Wurzeln der Ausbildung reichen bis 1741

In ihrer jetzigen Form besteht die RMASRoyal Military Academy Sandhurst seit 1947, obgleich ihre Traditionslinien bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Der Ausgangspunkt der britischen Offizierausbildung war 1741 die Gründung der Royal Military Academy (RMARoyal Military Academy) im heutigen Londoner Stadtteil Woolwich. Zunächst wurden Pioniere, später aber auch Angehörige der Fernmelde- und Panzertruppe dort ausgebildet. Diese Ausbildungsstätte wurde im Jahr 1939 geschlossen.

Offiziere in Paradeuniformen sind in Formationen vor einem hellen, historischen Gebäude angetreten.

Die Sovereignʼs Parade vor dem Old College der RMASRoyal Military Academy Sandhurst findet zweimal jährlich statt, wenn die Offizieranwärter der Senior Division Sandhurst verlassen, um ihren Dienst in der britischen Armee und in ausländischen Armeen anzutreten

Bundeswehr/Mario Bähr

Parallel zur RMARoyal Military Academy wurde im Jahr 1800 das Royal Military Collage (RMCRoyal Military Collage) in Camberley gegründet, an dem sowohl Verwaltungsoffiziere als auch der Nachwuchs der indischen Armee unterrichtet wurden. 1812 bezog die RMARoyal Military Academy das markante Old College im circa 50 Kilometer südwestlich von London gelegenen Sandhurst. Die Gründung der RMASRoyal Military Academy Sandhurst 1947 nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte am selben Ort, um die Tradition der RMARoyal Military Academy und RMCRoyal Military Collage fortzuführen.

von Markus Meyrahn
Soldatinnen und Soldaten in verschiedenen internationalen Uniformen sind angetreten.
Akademisches Studium und militärische Praxis

Ausbildung von Offizieranwärtern im Ausland

Angehendes Führungspersonal des Heeres kann sich in den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und den USA ausbilden lassen.

Weiterlesen
Anfang Footer Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

Auf dieser Website nutzen wir Cookies und vergleichbare Funktionen zur Verarbeitung von Endgeräteinformationen und (anonymisierten) personenbezogenen Daten. Die Verarbeitung dient der Einbindung von Inhalten, externen Diensten und Elementen Dritter, der eigenverantwortlichen statistischen Analyse/Messung, der Einbindung sozialer Medien sowie der IT-Sicherheit. Je nach Funktion werden dabei Daten an Dritte weitergegeben und von diesen verarbeitet (Details siehe Datenschutzerklärung Punkt 4.c). Bei der Einbindung von sozialen Medien und interaktiver Elemente werden Daten auch durch die Anbieter (z.B. google) außerhalb des Rechtsraums der Europäischen Union gespeichert, dadurch kann trotz sorgfältiger Auswahl kein dem europäischen Datenschutzniveau gleichwertiges Schutzniveau sichergestellt werden. Sämtliche Einwilligungen sind freiwillig, für die Nutzung unserer Website nicht erforderlich und können jederzeit über den Link „Datenschutzeinstellungen anpassen“ in der Fußzeile unten widerrufen oder individuell eingestellt werden.

  • Logo der Bundeswehr

    Es ist uns ein Anliegen, Ihre Daten zu schützen

    Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter Datenschutzerklärung