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Personnel Recovery – Wenn jede Minute zählt

Personnel Recovery – Wenn jede Minute zählt

  • Multinationalität
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Datum:
Ort:
Spanien
Lesedauer:
4 MIN

Auf der spanischen Los Llanos Air Base steht bei über 35 Grad die Hitze flimmernd über dem Flugfeld. Angespannte Gesichter bei den Piloten und den anderen Soldaten: Ein verbündetes Luftfahrzeug wurde über feindlich besetztem Gebiet abgeschossen. Bei der Planung und Ausführung der Rettung zählt jede Minute.

Mehrere Hubschrauber stehen mit bereits drehenden Rotoren auf einem Flugfeld.

Die Rettung naht: Innerhalb kürzester Zeit müssen die Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 startbereit sein.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Zwar konnte sich die Besatzung retten, sie ist aber verschollen und vermutlich verwundet. Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Uhr und gegen schwindende Treibstoffvorräte, aber auch gegen feindliche Kräfte. Abgeschossene Besatzungen aus Luftfahrzeugen sind hochqualifizierte Soldaten. Sie werden meist als potenzielle Informationsquelle angesehen. Ein Hubschrauber oder ein Kampfflugzeug kann ersetzt werden, nicht aber die Expertise und die Erfahrung, die ein routinierter Pilot durch Hunderte oder Tausende von Flugstunden aufweisen kann. Entsprechend groß ist das Interesse an der Gefangennahme feindlicher oder an der Rettung eigener Kräfte. Denn ein Pilot in Kriegsgefangenschaft ist auch immer ein Pilot weniger, der für oder gegen eine Konfliktpartei mit seinem Waffensystem eingreifen kann. In asymmetrischen Konflikten droht den abgeschossenen Besatzungen noch Schlimmeres, denn paramilitärische Gruppen oder Terroristen versuchen, ihrer habhaft zu werden und diese als Geiseln oder für Propaganda einzusetzen.

Niemand wird zurückgelassen

Ein Hubschrauber steht auf einem Flugfeld. Piloten und Bordschützen sind an ihren jeweiligen Plätzen zu sehen.

Die Bordschützen des NHNATO-Helicopter-90 verfügen zum Selbstschutz und zur Unterstützung abgesessener Truppen an jeder Seite über ein MG3 mit Kaliber 7,62x51 mm oder ein schweres Maschinengewehr M3M mit Kaliber 12,7x99 mm.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Um dies zu verhindern, wird das Personnel Recovery (PR), deutsch: Personenrückführung, regelmäßig in verschiedenen Übungsszenarien trainiert. Hinter der Bezeichnung PR versteckt sich in diesem Fall keine Werbemaßnahme, sondern die Evakuierung von verbündeten, isolierten Kräften oder auch sensiblen Daten und Ausrüstung, bevor sie in Feindeshand geraten. Auch wenn hier „nur“ geübt wird: Die Übungsszenarien werden niemals zur Routine, denn jeder Übungsteilnehmer weiß, dass aus dem Training jederzeit Ernst werden kann, bei dem schnelles Handeln über das Leben von Kameraden in Notsituationen entscheidet.

Multinationale Zusammenarbeit

Mehrere schwer bewaffnete spanische Soldaten steigen in einen deutschen Hubschrauber.

Spanische Bodentruppen werden in einen deutschen Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 aufgenommen: Die beteiligten Nationen profitieren vom gegenseitigen Erfahrungsaustausch.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Aus diesem Grund trainieren deutsche Heeresflieger zusammen mit Soldatinnen und Soldaten anderer Nationen die APROC (Air Centric Personnel Recovery Operatives Course). Das ist eine multinationale NATO-Übung, in der dieses und weitere Szenarien zur Rettung verbündeter Kräfte aus der Luft geübt und perfektioniert werden. Das EPRC (European Personnel Recovery Centre) ist eine in Italien stationierte Planungszelle, die ausschließlich für den Rettungsprozess aufgestellt wurde. Alle Beteiligten – egal ob am Boden oder in der Luft – sind Experten. Damit verfügt das EPRC über ein hohes Maß an Fachwissen, um realistische Szenarien umsetzen zu können. An jährlich wechselnden Schauplätzen treffen sich verschiedene Nationen, um gemeinsam für den Ernstfall zu trainieren. Die sieben an dem Verbund beteiligten Nationen, alle mit unterschiedlichen Luftfahrzeugen und Herangehensweisen, profitieren von der gegenseitigen Fachexpertise.

Auf vielen Ebenen fordernd: Die vier Planungselemente

Ein Techniker in Uniform überprüft verschiedene technische Systeme eines Hubschraubers.

Vor jedem Start überprüfen die Bordtechniker die Systeme und mechanischen Funktionen am Hubschrauber.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Erstmals verlegt ein Verbund aus beiden Transporthubschrauberregimentern 10 und 30 zur Los Llanos Airbase, um ihre Erfahrung aus Mali und Afghanistan in den gesamten PR-Prozess einfließen zu lassen. Die zwanzig Männer und Frauen sind allesamt Experten auf ihren Fachgebieten. Drei Wochen lang übernehmen sie vor Ort die logistischen Aufgaben, die Wartung der Hubschrauber und die Planung der einzelnen Missionen.

Grundlage für das Planen der einzelnen Einsätze (Mission planning) ist das sogenannte 4-T-Planning. Es beinhaltet Task (Aufgabe), Target (Ziel), Threat (Bedrohung) und Tactics (Taktik). Die Besatzungen müssen innerhalb weniger Stunden eine gemeinsame Strategie entwickeln, um alle involvierten Kräfte möglichst sicher an das Ziel heranzuführen, das Ziel zu sichern, zu evakuieren und schließlich alle Beteiligten möglichst ohne eigene Verluste zurück zur Basis zu führen.

Doppelte Absicherung aus der Luft

Zwei spanische F/A-18 Kampfflugzeuge rollen in Richtung der Startbahn eines Flugfeldes.

Zwei spanische F/A-18 Kampfflugzeuge unterstützen die Rettung und Sicherung am Boden: Sie klären mögliche feindliche Kräfte auf, bekämpfen diese und sorgen für zusätzliche Sicherheit.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Der beste Plan steht und fällt mit seiner Umsetzung. Die beiden NHNATO-Helicopter-90 der Heeresflieger sind inzwischen mit spanischer Begleitung durch einen Eurocopter AS332 Super Puma am Zielort eingetroffen. Unterstützung erhalten die drei Hubschrauber durch zwei F/A 18 Hornet Kampfflugzeuge der spanischen Luftwaffe. Diese sichern den Luftraum über dem Absturzort, schalten mit ihren Bordwaffen eventuelle feindliche Bedrohungen aus und sorgen dafür, dass sich die Hubschraubercrews mit ihren Maschinen ganz auf den sicheren Anflug konzentrieren können.

Am Boden ist Maßarbeit gefragt

Spanische Soldaten verlassen einen Hubschrauber, der auf einem Feld steht.

Nachdem der Bordtechniker den Ausstieg freigegeben hat, verlassen die Soldaten des PR-Teams so schnell wie möglich den Hubschrauber.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Kurz vor der Landung in der Rettungszone ist die Anspannung der PR-Teams im Hubschrauber spürbar. Die spezialisierten Soldaten warten nur auf das Signal des Bordtechnikers, um dann möglichst schnell ausschwärmen zu können. Als das Signal gegeben wird, geht alles ganz schnell: Die Männer sind perfekt aufeinander eingespielt und jeder von ihnen weiß, wann er was zu tun hat. In diesem Fall sind es spanische Spezialkräfte, die das PR-Team stellen. In Deutschland stünden für solche Operationen die spezialisierten Kräfte der Division Schnelle Kräfte bereit, um gemeinsam mit den Heeresfliegern solche Einsätze absolvieren zu können. Dazu zählen zum Bespiel die Soldaten des KSKKommando Spezialkräfte oder die Soldaten mit erweiterter Grundbefähigung. Während die Soldaten am Boden ausschwärmen, gehen die drei Hubschrauber wieder in die Luft, um von dort aus die Truppen am Boden sichern zu können. Über ihnen dröhnen die Triebwerke der beiden Kampfflugzeuge, die wiederum die Sicherung für die Hubschrauber fliegen.

Das Zusammenspiel klappt

Ein deutscher und ein spanischer Hubschrauber fliegen gemeinsam über einem Feld.

Nach erfolgreicher Aufnahme der geretteten Crew fliegen die Hubschrauber zur Los Llanos Air Base zurück.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Ohne eine exakte Zeitplanung und die konsequente Umsetzung der Planung geht gar nichts. Da die Hubschrauber über der vermuteten Absturzzone während der Suche in Bewegung sind, ist die Zeit, die das am Boden befindliche Team hat, begrenzt. Denn wenn nicht genug Treibstoff mehr vorhanden ist, um mit der geretteten Person oder Ausrüstung zurückzukommen, ist der Erfolg der Mission gefährdet. In diesem Fall klappt aber alles. Die Ausbilder, die zusammen mit dem PR-Team vom Hubschrauber abgesetzt haben, sind zufrieden. An diesem Tage haben alle gemeinsam gute Arbeit geleistet: die Planer auf der Los Llanos Air Base, die Techniker und die Unterstützer am Boden, die Crews auf den Hubschraubern, die PR-Teams am Boden und auch die beiden Piloten der F/A-18-Kampfflugzeuge. Ein gutes Gefühl, denn im Ernstfall bleibt weder Raum noch Zeit für Fehler.

von Maximilian Schulz und Henning Schmitz

Wettlauf gegen die Zeit

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Letzte Handgriffe vor dem Abflug

Damit im Einsatz alles reibungslos klappt, ist eine gute Vorbereitung wichtig.

Ein Soldat steht an einem Hubschrauber und bereitet den Einsatz vor.

Technische Kontrolle am NHNATO-Helicopter-90

Auch unter gleißender Sonne und bei brütender Hitze müssen die Bordtechniker die Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 warten und für den Einsatz startklar machen.

Im Gegenlicht: Ein Bordtechniker steht mit einer Leiter am Propeller eines Hubschraubers.

Die Super Puma sind bereit

Mehrere spanische Hubschrauber vom Typ Eurocopter AS332 Super Puma warten auf ihren Einsatz.

Mehrere Hubschrauber stehen nebeneinander auf einem Flugfeld.

Spezialkräfte gehen an Bord

Die spanischen Spezialkräfte machen sich auf den Weg zu einem der Hubschrauber.

Mehrere Soldaten bewegen sich mit Waffen und Ausrüstung auf einen Hubschrauber zu.

NHNATO-Helicopter-90 auf dem Rollfeld

Die Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 rollen zum Startbereich auf dem Flugfeld.

Ein Hubschrauber rollt zum Startbereich eines Flugfelds.

Feuerschutz durch den Doorgunner

Dem Doorgunner (oder Bordschützen) kommt eine wichtige Rolle bei der Personnel Recovery zu: Mit seinem Maschinengewehr gibt er den am Boden befindlichen Truppen Feuerschutz.

Ein Bordschütze schaut aus der geöffneten Tür eines Hubschraubers kurz vor dem Abflug.

NHNATO-Helicopter-90 hebt ab

Und los geht´s: Das PR-Team startet mit mehreren Hubschraubern vom Flugfeld.

Ein Hubschrauber startet von einem Flugfeld.

Extraction

Das Ziel ist gesichert und die Bodenkräfte sind auf dem Rückmarsch zu den Hubschraubern. In wenigen Momenten werden sich die beiden Hubschrauber auf den Rückweg machen.

Eine Gruppe von Soldaten bewegt sich auf zwei Hubschrauber zu.

Time over Target

Während die zwei am Boden befindlichen Hubschrauber in den nächsten Momenten abheben werden, sichert der dritte Hubschrauber aus der Luft den Extraktionsvorgang.

Zwei Hubschrauber sind kurz davor, von einem sandigen Feld abzuheben.

NHNATO-Helicopter-90 und Super Puma auf dem Rückflug

Jetzt ist es fast geschafft: Zwischen dem erfolgreichen Abschluss der Mission steht nur noch der Rückmarsch, der aufgrund beschränkter Treibstoffvorräte zügig angetreten wird.

Zwei Hubschrauber fliegen über eine mediterrane Landschaft.

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Zu den Verbänden

  • Auf dem gelben Wappen ist das Schloss aus Celle abgebildet. Darüber fliegt die Bell-UH 1D.
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    Transporthubschrauberregiment 10

    Erfahren Sie mehr über das Transporthubschrauberregiment 10 aus Faßberg in Niedersachsen und ihren Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90.

  • Auf dem grauen Wappen ist das sechsspeichige Mainzer Rad rot abgebildet. Darüber fliegen drei Wildgänse.
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    Transporthubschrauberregiment 30

    Erfahren Sie mehr über das Transporthubschrauberregiment 30 aus Niederstetten in Baden-Württemberg und ihren Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90.