Heer

Pilotprojekt „Armee der Generationen“ in Munster

Pilotprojekt „Armee der Generationen“ in Munster

  • Tradition
  • Heer
Datum:
Ort:
Munster
Lesedauer:
3 MIN

Das Datum wurde bewusst gewählt. Am 11. November, einen Tag vor dem 66. Aufstellungstag der Bundeswehr und genau am 200. Geburtstag des preußischen Heeresreformers Scharnhorst, fand an der Panzertruppenschule zum ersten Mal das Seminar „Armee der Generationen“ statt. Kommandeur, Brigadegeneral Ullrich Spannuth, hatte zu einem Erfahrungsaustausch rund 60 aktive und ehemalige Soldatinnen und Soldaten verschiedener Jahrgänge eingeladen.

Ein Zivilist unterhält sich mit einem Soldaten.

Erstmalig findet an der Panzertruppenschule in Munster das Seminar „Armee der Generationen“ statt. Oberst a. D.außer Dienst Jürgen Damm stellt im Gespräch mit einem jungen Offizier fest: „Führen muss menschlich sein“. Dieses Motto gibt er gern weiter.

Bundeswehr/Michel Baldus

„Gemeinsam mit Veteranen und Lehrgangsteilnehmern des Offizierlehrgangs soll in Arbeitsgruppen diskutiert werden, was die Soldatinnen und Soldaten über die Generationen hinweg seit 1955 verbindet. Bewusst wurde hier der Zeitraum ab 1955 bis heute gewählt. 66 Jahre Bundeswehr begründen die Diskussion über eine eigene Tradition der Bundeswehr“, leitete Spannuth in seiner Begrüßung ein. Es sei wichtig, einen Beitrag zur Festigung des Traditionsbewusstseins und des generationsübergreifenden soldatischen Selbstverständnisses in der Bundeswehr zu leisten. Eine Kernfrage für Spannuth dabei: Was verbindet uns drei Generationen von Soldaten? Er schloss dabei die Gründungsgeneration der Bundeswehr mit ein. Die Teilnehmenden sollten das Seminar als Chance zum Dialog nutzen, so der Kommandeur. Die angebotenen Themen dienten als Anhalt, wichtiger sei der Austausch, so der Brigadegeneral.

Berichte von Zeitzeugen

Soldaten und Zivilisten stehen vor einem Ehrenmal, umrahmt von Fackelträgern.

Die Teilnehmenden des Seminars aus drei Soldatengenerationen gedenken der gefallenen Soldaten.

Bundeswehr/Michel Baldus

Bereits beim Vorstellen und gegenseitigen Kennenlernen in den Gruppen zeigte sich deutlich, wie viel Erfahrung, Erlebtes – positives wie negatives – und Wissen bei allen vorhanden war. Schlagworte wie Fürsorge, Kameradschaft, Umgangston, aber auch Pflichterfüllung, Geisteshaltung und Eid waren über alle Generationen hinweg von großer Bedeutung. Diese sind offensichtlich zeitlos und gelten immer, während der Dienstzeit und auch danach. Fragen wie „Was hat der andere erlebt? Wie hat sich was entwickelt? Wie war das damals und wie ist das heute?“ zogen sich als roter Faden durch die drei Seminartage. Oft wurde das Erzählte der älteren Generationen unmittelbar in einen geschichtlichen Kontext gebracht. Einige der ehemaligen Soldaten dienten bereits seit Beginn der Aufstellung der Bundeswehr, während andere vom Übergang der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik zum Soldaten der Bundeswehr berichteten.

Nur Zeitzeugen können so eindrucksvoll berichten und Wissen weitergeben. Oberst a. D.außer Dienst Jürgen Damm lobte die neue Generation: „Ich weiß nicht, ob ich als junger Soldat damals so erwachsen war, wie die jungen Offiziere heute. Ich glaube, ich war doch noch mehr Junge, als dass ich Soldat war.“ Die anfänglichen Bedenken der jüngeren Offiziere, nicht so viel zu erzählen zu haben, erwiesen sich als unbegründet. Schnell kam ein lebhafter Austausch zustande und scheinbare Vorurteile wurden sofort aus dem Wege geräumt.

Ausbildung, Kameradschaft, Innere Führung

Ein Zivilist im Anzug steht an einem Rednerpult.

Zum Abschluss des Seminars berichtet Oberst a. D.außer Dienst Georg Schulze Büttger über seine Erlebnisse als Kriegskind und seine Motive Soldat zu werden. Sein Vater wurde im Zusammenhang mit dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 als Mitwisser hingerichtet.

Bundeswehr/Michel Baldus

Die angebotenen Seminarthemen hatten eine Gemeinsamkeit. Sie standen in verschiedenen zeitlichen Zusammenhängen. So wurde die Ausbildung innerhalb der Streitkräfte diskutiert unterteilt in die Zeitabschnitte Bundeswehr im Kalten Krieg, eine Armee im Einsatz und eine Armee für die Landes- und Bündnisverteidigung. Es ging auch um die Themen Attraktivität der Streitkräfte, Kameradschaft und Innere Führung. Der Organisator und Planer des Pilotprojektes, Oberstleutnant Thomas Kielholt, sagte: „Wir bieten der jungen Generation die Möglichkeit, militärgeschichtliche Zusammenhänge der Bundeswehr zu verstehen“, so Kielhot.

„Sollte unbedingt fortgeführt werden“

Soldaten stehen vor dem oberen Teil eines Panzers, der auf einer großen Metallplatte montiert ist.

Rundgang durch die Panzertruppenschule: Den Teilnehmenden des Seminars werden Ausbildungsmöglichkeiten präsentiert und erklärt, hier ein Panzerturm.

Bundeswehr/Michel Baldus

Bei einem waren sich alle Teilnehmenden einig: Das Seminar bot eine hervorragende Möglichkeit zum Austausch zwischen den Generationen. „Ich halte das Seminar für sehr wertvoll, es sollte unbedingt fortgeführt werden“, so Oberleutnant Marcus Wagner. Sogar noch während der Pausen und Mahlzeiten sprachen die Gäste über wesentliche Gemeinsamkeiten, einige davon, sogar mit universeller Aussagekraft. Oberleutnant Sarah Langer zog ihr ganz eigenes Resümee. „Nur, wenn ein militärischer Führer die Kameradschaft vorlebt, können sich die Soldaten daran orientieren“, sagte sie. Oberst a. D.außer Dienst Jürgen Damm ergänzte dazu: „Wer führen will, muss menschliche Nähe suchen und muss Ja zum Leben sagen. Führung muss menschlich und vernünftig sein.“ Und Gastgeber, Brigadegeneral Spannuth, fasste zusammen: „Früher war nicht alles besser oder schlechter, sondern es ist zu seiner Zeit nur anders gewesen. Wir alle hatten und haben ein gemeinsames Ziel – unseren Auftrag zu erfüllen.“

von Thomas Rotter