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Reservisten stellen eigenen Fernmeldezug

Reservisten stellen eigenen Fernmeldezug

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Datum:
Ort:
Bergen
Lesedauer:
4 MIN

Fernmelder werden heute auch ITInformationstechnik-Soldaten genannt. Das Kürzel ITInformationstechnik steht aber nicht immer nur für Informationstechnik, sondern beinhaltet auch infanteristische Tätigkeiten. Genau das erleben die Reservistendienstleistenden vom Panzergrenadierbataillon 908 auf dem Truppenübungsplatz Bergen. Sie haben innerhalb eines Jahres einen eigenen Fernmeldezug aufgestellt.

Soldaten wird die Funktionsweise eines Stromerzeugeraggregats erklärt. Es ist auf einem einachsigen Lkw-Anhänger verbaut.

Mit Großgerät angerückt: Das Panzergrenadierbataillon 411 stellt unter anderem einen mobilen Gefechtsstand samt Stromerzeugungsaggregat zur Verfügung.

Bundeswehr/Jan Drescher

Ausbilder des aktiven Couleurverbandes, also des Partnerverbandes, vom Panzergrenadierbataillon 411 unterstützen die Reservisten bei der Ausbildung zum ITInformationstechnik-Soldaten. Die Waffenkammer ist gut gefüllt. Neben den Waffen der Soldatinnen und Soldaten biegen sich die Regalböden unter dem Gewicht der Fernmeldeausrüstung. Funkgeräte aller Art, aber auch die Ausstattung für einen mobilen Bataillonsgefechtsstand, Funkmasten und zahllose Trommeln mit Fernmeldedraht liegen bereit. Der verantwortliche Oberfeldwebel ist beeindruckt: „Wir haben natürlich darauf gehofft, dass unsere Materialanforderung möglichst vollständig bedient wird. Aber als unsere Ausbildungsunterstützung hier aufgefahren ist, musste ich mir doch erst mal überlegen, wo wir das alles unterbringen. Mit so einer guten Versorgung haben wir nicht gerechnet.“

Auch der Zugführer ist positiv gestimmt. „Wenn sich die Soldaten jetzt noch bei der Ausbildung reinhängen, gibt es keinen Grund mehr, warum der Fähigkeitsnachweis am Ende des Übungsplatzaufenthaltes nicht erteilt werden sollte.“ Innerhalb nur eines Jahres einen eigenen Fernmeldezug aufzustellen – das sei eine Leistung, insbesondere bei einem nicht-aktiven Bataillon, also einem Reservebataillon, wie diesem.

Mit dem Feldkabel unter Feinddruck

Im Dickicht warten Soldaten auf ein Zeichen.

Der Feldkabelbautrupp wartet auf das Signal „Feindfrei!“ seiner Sicherungssoldaten. Jetzt geht es los.

Bundeswehr/Jan Drescher

Die Reservisten kommen aus unterschiedlichen Verwendungen, Teilstreitkräften und Ausbildungen. Vorgeschaltete Unterrichtseinheiten, bevor es zur praktischen Übung auf den Übungsplatz geht, schaffen für alle eine einheitliche Wissensbasis. Die Reservistendienstleistenden sind begeistert über die Ausbildungsmöglichkeiten des Übungsplatzes, auch wenn bei Sonnenschein und mit coronabedingter Gesichtsmaske das Lernen im Unterricht mühsam ist.

Wenige Tage später schwitzen die Soldaten wieder, diesmal mit einem Feldkabelverlegegerät auf dem Rücken. Auf der Grasnarbe und unter Sträuchern gleitend bewegen sie sich neben einer Straße. Regelmäßig patrouillieren Feindkräfte, doch die Kabelverbindung muss hergestellt werden. Der Bautrupp gleitet weiter, immer tief im hohen Gras versteckt. Die Fernmelder schlagen kleine Pflöcke ein und tarnen das Kabel. Doch plötzlich alarmiert ein Sicherungssoldat: Immer wieder bewegen sich feindliche Soldaten auf der Straße, ein feindlicher Geländewagen nähert sich erneut, die Soldaten verharren bewegungslos zwischen den Zweigen und Blättern.

Kaum ist die Patrouille außer Sicht, überspringen die Soldaten eine Straße. Blitzschnell wird das Kabel über einen hohen Ast verlegt. Plötzlich wieder Fahrzeuge, ein Zug Panzerhaubitzen rollt, an den im Gras versteckten Fernmeldern vorbei, das Kabel bleibt unentdeckt: Auftrag erfüllt.

Wildschweine im Alarmposten

Ein getarnter Geländewagen Wolf steht neben einem Tragluftzelt.

In der Abschlussübung der Ausbildung betreiben die angehenden ITInformationstechnik-Soldaten einen Gefechtsstand.

Bundeswehr/Jan Drescher

Das Aufbauen und Betreiben von Gefechtsständen sind Kernfähigkeiten der Fernmelder. Mit geübten Handgriffen errichten die Soldaten den Sechs-Meter-Antennenmast, auch die Arbeit mit dem Stromerzeugeraggregat und der Betrieb des Gefechtsstandes gehen den Kameraden von der Hand. Die Ausbilder haben dabei stets ein scharfes Auge auf die Arbeiten und sprechen Mängel deutlich an. Immer getreu dem Bundeswehr-Ausbildungsgrundsatz VENÜ: die Tätigkeiten vormachen, dabei erklären, beim Nachmachen kontrollieren und schließlich das immerwährende Üben. Das Übungsspektrum ist enorm.

Bei der Übung Haffschlag 2020, einer Gefechtsübung, setzen die Reservistendienstleistenden ihr Wissen dann schließlich in die Tat um. Als in den frühen Morgenstunden die Alarmierung erfolgt, geht es los. Nachdem der Fernmeldezug seinen Verfügungsraum bezogen und gesichert hat, beginnt der Aufbau eines Tragluftzeltes, Fahrzeuge werden getarnt und Alarmposten ausgelegt. Im Kabeltiefbau wird der Gefechtsstand verbunden und Fernmeldeverbindungen zu benachbarten Einheiten hergestellt. Zum Schluss werden Lagekarten aufgestellt und die eigentliche Arbeit auf dem Gefechtsstand beginnt.

Mit Einbruch der Nacht alarmiert der Alarmposten: Geräusche im Vorfeld. Die Stellung wird durch eine Rotte Wildsauen genommen. Das entschlossene und lautstarke Handeln eines Soldaten kann jedoch diesen „Einbruch der anderen Art“ friedlich bereinigen.

Erschöpfte Soldaten und zufriedene Ausbilder

Auf einem Lkw wird ein Antennenmast aufgerichtet.

Nur was ständig geübt wird, sitzt irgendwann: Der U 4000 des Gefechtsstandes muss schnellstmöglich einsatzbereit sein. Die Antenne wird zügig hochgekurbelt.

Bundeswehr/Jan Drescher

Mit der Rückschau auf die Ausbildungen und Übungen ahnen die Soldaten, was ansteht, als der Fernmeldezug am letzten Abend zum Antreten gerufen wird. Zugführer und Ausbildungsleiter fassen die Ausbildung zusammen: „Sie haben gut mitgearbeitet. Dass es an Motivation nicht mangeln würde, wussten wir. Jetzt haben Sie auch die Fähigkeiten. Aber der Erwerb dieses Tätigkeitsnachweises ist kein Freibrief, jetzt nachzulassen. Von Ihnen wird die gleiche Leistung wie in der aktiven Truppe erwartet und Sie haben dafür weniger Zeit. Also hängen Sie sich rein.“

Bevor die Soldaten ihre gelben Litzen, als Zeichen der Zugehörigkeit zur Truppengattung der Fernmelder, verliehen bekommen, dankt der Zugführer noch dem Ausbildungspersonal des aktiven Panzergrenadierbataillons 411. Mit der Verleihung der Tätigkeitsnachweise erlangen nicht nur die Soldaten eine neue Befähigung. Auch für das Panzergrenadierbataillon 908 ist die Aufstellung eines Fernmeldezug ein Zugewinn einer sogenannten Hochwertressource. Um dies zu feiern, endet der Truppenübungsplatzaufenthalt der Soldaten mit einem dreifachen: „Antenne – hoch!“, dem Schlachtruf der Fernmeldetruppe.

von Jan Drescher

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