Heer

Überlebenstraining hinter feindlichen Linien

Überlebenstraining hinter feindlichen Linien

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Seedorf
Lesedauer:
3 MIN

Die Sonne brennt und den Soldaten läuft der Schweiß ins Gesicht. Plötzlich fallen feindliche Schüsse. Eine Gruppe wird angegriffen. Sie wird von ihrem Trupp getrennt und gerät hinter die feindliche Linie. Nun heißt es, zunächst überleben und sich dann zur eigenen Truppe durchkämpfen, um gerettet zu werden.

Auf einem Feld steigt gelber Rauch auf, drei Soldaten ducken sich. Im Hintergrund fährt ein militärisches Fahrzeug.

Nach einem Angriff und der Unterlegenheit gegen den Feind, weichen die Übungsteilnehmer in einen sicheren Bereich aus. Auf einem großen Feld und durch Rauch machen sich die Soldaten bemerkbar, damit sie gerettet werden können.

Bundeswehr/Maximilian Springob

Die Bundeswehr ist weltweit an verschiedenen Einsätzen beteiligt. Dort leisten die Soldaten ihren Dienst teilweise in Feldlagern, zumeist jedoch außerhalb, etwa auf Patrouillen, Außenposten, auf Märschen oder als Luftfahrzeugbesatzungen. Fällt dann ein Fahrzeug aus oder es erfolgt ein unvorhersehbarer Angriff, können ein Teil der Soldaten schnell von den Hauptkräften getrennt werden und sind dann auf sich allein gestellt. Keine einfache Situation, daher muss jeder ganz genau wissen, wie in so einer Situation zu handeln ist.

Was ist SERE?

Wie verhält man sich dann? Welche Gefahren lauern? Wie sind die Verfahrensabläufe bei der Isolierung eines Soldaten. Wer kommt den Frauen und Männern in dieser Lage zur Hilfe? Dies wird in der sogenannten SERE-Ausbildung vermittelt und ist auch Teil der Vorbereitung auf den Einzelkämpferlehrgang. SERE steht dabei für Survival, Evasion, Resistance, Extraction (Überleben, Ausweichen, Widerstand, Rückführung). Zu SERE gehören für die Soldaten der 10. Kompanie des niedersächsischen Fallschirmjägerregiments 31 aus Seedorf bei der Übung auch der Versteckbau, die Wassergewinnung und die Orientierung. Bei kühl-sommerlichen Temperaturen in der Nacht und schwül-heißen Temperaturen am Tag wird den Fallschirmjägern alles abverlangt. Über mehrere Tage werden in Form eines Stationskreislaufes die Bereiche Überleben vermittelt. Im Anschluss kommt das Erlernte gleich zum Einsatz, im Schwerpunkt, die kontrollierte Rückführung: das Gerettetwerden.

Nachts unterwegs, am Tag schlafen

Ein Soldat liegt an einem Baum und ist mit Ästen und Blättern bedeckt..

Um am Tag weit hinter feindlichen Linien nicht aufzufallen, hat sich ein Soldat in einem Wald ein Versteck gebaut.

Bundeswehr/Maximilian Springob

Alle machen mit: Vom Fahnenjunker über den Stabsunteroffizier bis hin zum Oberleutnant sind alle dabei und jeder wird im Wechsel als Gruppenführer eingesetzt. Gleich am ersten Abend geht es los. Die eingeteilten Gruppenführer erhalten ihren Auftrag. Sie sollen noch in dieser Nacht im KfzKraftfahrzeug-Marsch zu einem Außenlager verlegen.

Zuerst verläuft alles planmäßig, bis die Fahrzeuge aus technischen Gründen ausfallen. Nun sind die Soldaten isoliert. Erstmal ein Versteck einrichten, Feuerholz sammeln, Kräfte sammeln und das alles unter gleichzeitiger Eigensicherung. Um nicht aufzufallen, wird im besten Fall in der Nacht gearbeitet und am Tag geschlafen. Noch im Dunkeln geht es los, im Fußmarsch mit Waffe und Gepäck zum Aufnahmepunkt. Dort wollen die Gruppenführer sich von ihren eigenen Kräften aufnehmen lassen. Der Gruppenführer muss seine Männer jetzt sicher führen, sich dabei orientieren und auch unter Druck stets einen kühlen Kopf bewahren. Denn nur dann kann er zur richtigen Zeit den mehrere Kilometer entfernten Ort erreichen, an dem seine Gruppe durch eigene Kräfte aufgenommen werden soll. Jetzt ist volle Konzentration gefordert. Doch auf dem Marsch müssen die Soldaten den feindlichen Kräften ausweichen und geraten sogar in kleinere Gefechte. Ein kräftezehrendes Unterfangen.

Zeig, wer du bist

Ein Soldat steht mit dem Rücken zu einem knieenden Soldaten am Waldrand. Er schwenkt ein rotes Rauchsignal.

Angekommen am Aufnahmepunkt, nehmen zwei Soldaten Verbindung zu den eigenen Kräften auf. Mit dem roten Rauch wird der eigene Standort markiert.

Bundeswehr/Maximilian Springob

Die richtigen Signalmittel müssen zur richtigen Zeit eingesetzt werden, der Funkverkehr und die Verbindungsaufnahme erfolgen nach einem bestimmten Muster. Alles muss reibungslos funktionieren. Bei der Aufnahme knien sich die Soldaten auf den Boden, dabei zeigen ihre Hände nach hinten. Dies dient dem Schutz des Personal Recovery Teams (PRTProvincial Reconstruction Team, dt.: Personenrückführungsteam). So reduzieren die PRTProvincial Reconstruction Team die Gefahr, in einen Hinterhalt zu gelangen.

Die Erleichterung beider Teams ist groß. Die isolierten Soldaten sind froh, von den eigenen Kräften aufgenommen worden zu sein und sich im Feldlager ausruhen zu können und die PR-Teams sind erleichtert, dass die heikle Situation überstanden ist. Alle sind sicher zurück.

Die Anstrengung ist den Soldaten ins Gesicht geschrieben. Eine wichtige Erfahrung, die Handlungssicherheit schafft und vermittelt: „Keiner bleibt zurück“. Mit der SERE – Ausbildung soll das Selbstbewusstsein der Teilnehmer gestärkt werden. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist maßgebend dafür, dass Rettungsmissionen erfolgreich sind. Durch zeit- und bedrohungsechte Ausbildung vor dem Einsatz werden die Grundlagen geschaffen. Das weiß auch Major Peter Meier*, Chef der 10. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 31: „Für die Soldaten galt es, sie für weitere Verwendungen zu rüsten und auf zukünftige Einsätze vorzubereiten. Sie haben Durchschlagewillen, Durchhaltefähigkeit und Lernbereitschaft bewiesen.“

*Name geändert

von Maximilian Springob

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  • Ein bärtiger Soldat mit Brille und in beigem Wüstentarnanzug schaut in die Kamera.
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    Vielseitiger Überlebensspezialist

    Hauptfeldwebel Pete Blank beherrscht die Überlebenspraktiken hinter feindlichen Linien und gibt sein Wissen an Soldaten und Ausbilder weiter.

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    Fallschirmjägerregiment 31

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