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Werde Lebensretter!

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Ort:
Strausberg
Eine Frau sitzt auf einem Stuhl hinter ihrem Schreibtisch. Links steht ein Monitor.

Vorstandsvorsitzende der Stefan-Morsch-Stiftung ist Susanne Morsch. Die wichtigste Aufgabe der Stiftung ist, Menschen zusammenzubringen – Menschen, die an Blutkrebs erkrankt sind und Hilfe brauchen, mit Menschen, die helfen wollen.

Bundeswehr/Stefan-Morsch-Stiftung

Seit Jahrzehnten arbeitet die Bundeswehr mit der Stefan-Morsch-Stiftung zusammen. Bis heute haben sich mehr als 113.000 Soldatinnen und Soldaten in der Stammzellspenderdatei registrieren lassen. Rund 3.400 Registrierte der Bundeswehr haben bereits Stammzellen gespendet und so Menschen mit Blutkrebs geholfen.

Stefan Morsch war der erste Europäer, dessen Leukämie 1984 durch die Übertragung von fremden Stammzellen geheilt werden konnte. Stefans Blutprobe flog die Bundeswehr damals in die USAUnited States of America nach Seattle. Leider starb er ein halbes Jahr später an einer Lungenentzündung. Auf seinen Wunsch hin gründeten seine Eltern 1986 mithilfe vieler Unterstützer, Deutschlands erste Knochenmark- und Stammzellspenderdatei. Susanne Morsch ist die jüngere Schwester von Stefan Morsch und heute Vorstandsvorsitzende der Stefan-Morsch-Stiftung. Sie erzählt, wie alles begann und warum das Verhältnis der Stiftung zur Bundeswehr besonders eng und über die Jahrzehnte so erfolgreich ist.

Frau Morsch, Sie waren sieben Jahre alt, als Ihr Bruder, 15-jährig, an Leukämie erkrankte. Das war 1984. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Susanne Morsch: Ich hatte Angst um meinen großen Bruder. Damals gab es für ihn nur eine Chance zu überleben, wenn ein Familienmitglied mit den gleichen genetischen Gewebemerkmalen für ihn Knochenmark spendet. Aber von uns hat niemand gepasst. Wir waren verzweifelt. Zufällig hörte mein Vater, dass es in England eine Spenderdatei gab. Dort fand man tatsächlich den passenden Spender für meinen Bruder. Eine Klinik in Seattle in den USAUnited States of America sagte meinen Eltern zu. Fast wäre die lebensrettende Transplantation dann noch an den Kosten gescheitert, für die damals keine Versicherung aufkommen wollte. Unsere Familie hätte das niemals allein bewältigen können.

Was folgte, war eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft, ausgelöst durch einen Spendenaufruf des damaligen Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Birkenfeld. Die Tageszeitungen und die Fernsehsender verbreiteten den Aufruf. Das war für uns unglaublich bewegend. Aus ganz Deutschland kam Unterstützung für Stefan, selbst Kinder gaben ihr Erspartes. In einer Zeit vor Internet und E-Mail wurde innerhalb weniger Tage das Unmögliche möglich gemacht und Stefans Behandlung konnte durchgeführt werden. Ich selbst habe in der ganzen Zeit den Gedanken, dass ich meinen Bruder verlieren könnte, gar nicht an mich herangelassen.

Was bedeutete die Gründung der Stiftung im Kampf gegen Leukämie?

Ein Mann liegt auf einem medizinischen Stuhl. In seinen beiden Armen stecken Kanülen. Er schaut freundlich in die Kamera.

Kommt man als Stammzellspender in Frage, werden die Stammzellen aus dem peripherem Blut entnommen, wie bei diesem Mann an einem Apherese-Apparat. Die aus dem Blut gefilterten Stammzellen erhält dann der an Leukämie Erkrankte.

Stefan-Morsch-Stiftung

Das war echte Pionierarbeit. Für Leukämiekranke wie Stefan gab es damals keine Heilung, sofern kein Spender oder eine Spenderin innerhalb der Familie gefunden wurde. Mit Stefans Transplantation änderte sich alles. Die Übertragung von Zellen nicht verwandter Menschen war bis dahin noch undenkbar. Plötzlich gab es aber Hoffnung, denn obwohl Stefan verstorben ist, hat sich gezeigt, dass die Transplantation mit Knochenmark oder Stammzellen von Spenderinnen und Spendern außerhalb der Familie die Leukämie besiegen kann. Immer mehr Menschen wollten diese lebensrettende Chance nutzen. Die Idee, in Deutschland eine Stammzellspenderdatei anzulegen, kam schließlich von Stefan. Er wollte nach seiner Rückkehr aus den USAUnited States of America ein Computerprogramm schreiben, das die Basis für eine Spenderdatei sein sollte. Diesen Wunsch haben meine Eltern nach seinem Tod umgesetzt, indem sie die Stefan-Morsch-Stiftung gegründet haben, um anderen Betroffenen zu helfen und eine Behandlung überhaupt zu ermöglichen.

Erst seitdem ist es in Deutschland überhaupt möglich, dass sich Menschen als potenzielle Knochenmark- und Blutstammzellspender zur Verfügung stellen können. In der Folge wurden weltweit weitere Spenderdateien ins Leben gerufen und es entstand ein globales Netzwerk, um die Spendersuche möglichst schnell zum Erfolg zu führen. Wenn heute jemand eine Stammzelltransplantation benötigt, können über die internationalen Datenbanken schon innerhalb kurzer Zeit ein passender Spender oder Spenderin gefunden werden. Neun von zehn Betroffenen in Deutschland bekommen auf diesem Weg die Chance auf Heilung.

Welche Beziehung gab es zwischen Ihrer Familie und der Bundeswehr?

Bereits als 17-Jähriger begann mein Vater seine Grundausbildung als Zeitsoldat, besuchte später auch die Verwaltungsakademie der Bundeswehr. Als Stefan an Leukämie erkrankte, war mein Vater Truppenverwaltungsbeamter der 2. Luftwaffendivision in der Heinrich-Hertz-Kaserne in Birkenfeld. Die Bundeswehr war zentraler Teil unseres Familienlebens und hat uns während Stefans Erkrankung in mehrfacher Hinsicht geholfen. Vorgesetzte und Kollegen haben uns emotionale Unterstützung gegeben, bis hin zur Aktivierung des vorhandenen Netzwerkes. So bat damals der Kommandeur der 2. Luftwaffendivision die 7th Air Division der USUnited States Air Force in Ramstein um Hilfe, als die Blutproben von möglichen Spendern und Spenderinnen für Stefan aus dem englischen Register schnell nach Frankfurt transportiert werden mussten. Dort sollten sie in einem Speziallabor tiefergehend analysiert werden, ob eine genetische Übereinstimmung zu Stefans Gewebemerkmalen besteht. Die USUnited States Air Force in Ramstein hat sofort Unterstützung zugesichert. Doch fast wäre der Transport gescheitert, da der Termin auf den Feiertag Thanksgiving fiel. Was mich nach all den Jahren noch rührt, die Soldaten der USUnited States Air Force haben dann kurzerhand zusammengelegt und einen kommerziellen Flug bezahlt, damit die Proben nach Frankfurt gebracht werden konnten. Später bekamen mein Bruder und meine Eltern die Chance, mit einer Maschine der Luftwaffe nach Seattle zu fliegen. Für meine Eltern war das eine erhebliche finanzielle Entlastung.

Ohne die Unterstützung der Bundeswehr und der USUnited States Air Force wäre alles um ein Vielfaches schwerer gewesen, vielleicht sogar unmöglich. Nur so konnte der logistische Aufwand zwischen England, Deutschland und den USAUnited States of America gemeistert werden, ohne zu viel Zeit zu verlieren. Das werde ich persönlich nie vergessen. Das ist einer der Gründe, warum mir und meiner Familie diese einmalige Beziehung zur Bundeswehr so viel bedeutet.

Stichwort: Zusammenarbeit auf regionaler Ebene. Wie haben Bundeswehr und Stiftung nach deren Gründung kooperiert?

Ein Soldat beugt sich über ein Blatt Papier und schreibt.

Die Registrierung in der Stammzellspenderdatei ist für jeden ganz einfach. Das Registrierungsset kann online angefordert werden.

Bundeswehr

Von Beginn an arbeiten wir mit der Bundeswehr hervorragend zusammen und rufen regelmäßig in den Kasernen zur Typisierung auf. Mehr als 113.000 Soldatinnen und Soldaten sind heute in unserer Datei registriert. Rund 3.400 von ihnen haben bereits Stammzellen gespendet und so Menschen mit Blutkrebs geholfen. Für unsere Stiftung und Betroffene auf der ganzen Welt ist die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr ein unverzichtbarer Bestandteil im Kampf gegen Leukämie. Wir sind dankbar für die unkomplizierte Unterstützung auf allen Ebenen, auf die wir schon vor unserer Gründung zählen konnten. Wir reden hier von mehr als 35 Jahren.

Warum ist die Bundeswehr ein wichtiger Partner für die Stefan-Morsch-Stiftung?

Sie war nicht nur unsere allererste Partnerin, sondern steht auch zuverlässig seit mehr als drei Jahrzehnten an unserer Seite. Hier treffen wir auf viele Menschen, für die es eine Herzenssache ist, sich für andere einzusetzen, die Hilfe benötigen. Bei den Angehörigen der Bundeswehr ist die Bereitschaft, sich als Stammzellspender oder Stammzellspenderin für Leukämiekranke zur Verfügung zu stellen, unglaublich groß. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahrzehnten die Erfahrung gemacht, dass die Führungsebene alle Hebel in Bewegung setzt, wenn ein Kamerad oder eine Kameradin als Stammzellspender oder Spenderin infrage kommt. Die Bundeswehr unterstützt das in jedem einzelnen Fall sehr. Sogar dann, wenn Kameraden sich im Auslandseinsatz befinden. Natürlich setzt sich die Führung auch für an Leukämie erkrankte Soldatinnen und Soldaten ein und unterstützt auch mit gemeinsamen Typisierungsaufrufen für betroffene Bundeswehrangehörige oder deren Familienmitglieder.

Link Online-Registrierung:
https://stefan-morsch-stiftung.com/typisierungsformular/

von PIZ  Heer