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Zivilcourage mit Ehrenkreuz belohnt

Zivilcourage mit Ehrenkreuz belohnt

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Datum:
Ort:
Hardheim
Lesedauer:
4 MIN

Als Held fühlt sich Obergefreiter Tyrelis Lamont Kurz nicht. Was er aber getan hat, ist „das höchste Maß an Zivilcourage, das man zeigen kann“, lobt sein Kompaniechef. An einem Abend im Mai überwältigt Kurz auf dem Bahnhof im pfälzischen Neustadt einen bewaffneten Mann und hält ihn fest, bis die Polizei eintrifft. Dafür wurde der 18-Jährige jetzt mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr ausgezeichnet.

Ein Soldat trägt ein schwarzes Barett und ein Ehrenkreuz an der Uniform.

Obergefreiter Tyrelis Lamont Kurz, ein Soldat der Instandsetzung im Panzerbataillon 363, wird mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr für eine hervorragende Einzeltat ausgezeichnet.

Bundeswehr/Karsten Dyba

„Ich habe eigentlich nicht lange darüber nachgedacht“, beschreibt Obergefreiter Tyrelis Lamont Kurz. Er habe einfach nur funktioniert. Es sei alles ganz schnell gegangen und als die Polizei kam, „da war mir erst so richtig klar, was da los war“. Es war alles andere als ungefährlich. Doch was der Panzersoldat getan hat, ist der Bundeswehr eine ganz besondere Anerkennung wert: Kurz erhielt das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber in der Sonderform mit rotem Rand für eine hervorragende Einzeltat. „Es ist für mich das erste Mal, dass ich diese Auszeichnung überreichen darf“, erklärt Oberstleutnant Pascal Pane während des Bataillonsappells. Er ist der Kommandeur des Panzerbataillons 363 in Hardheim.

Ein Bewaffneter auf dem Bahnhof

Ein Panzersoldat mit Ehrenkreuz an der Uniform, daneben der Kommandeur, der zu seinen Soldaten spricht.

Obergefreiter Tyrelis Lamont Kurz trägt das Ehrenkreuz mit Stolz – auf das obligatorische „Panzer Hurra!“ muss wegen der Pandemie leider verzichtet werden.

Bundeswehr/Karsten Dyba

Es ist ein Abend im Mai 2020 am Bahnhof im pfälzischen Neustadt an der Weinstraße. Obergefreiter Kurz ist am späten Abend privat mit einem Freund unterwegs. Er hat zuvor seine Freundin zum Bahnhof gebracht. Vom menschenleeren Bahnsteig ruft seine Freundin ihn völlig aufgeregt an. Ein Mann sei da, der mit einer Waffe in der Hand über die Gleise laufe. Kurz überlegt nicht lange und rennt zurück. „Wo ist der Mann?“, fragt er seine Freundin, die sich am Ende des Bahnsteigs eine Deckung gesucht hat. Im Dunkeln macht er den Bewaffneten auf der Überführung zum nächsten Bahnsteig aus. Der Soldat reagiert sofort. Bevor der Mann das Ende der Treppe erreicht, spricht er ihn an und fragt, ob er Waffen bei sich trage. „Ja“, antwortet der Fremde. Da reagiert Kurz sofort, zieht ihm die Beine weg, bringt ihn zu Fall und hält ihn am Boden fest. Sein Freund hat indes die Beamten zu Hilfe gerufen. Zwei Messer und eine Pistole nehmen sie dem Mann ab.

Offensichtlich wollte der betrunkene oder unter Drogeneinfluss stehende Mann damit versuchen, seinen Bruder anzugreifen, mit dem er zuvor in Streit geraten sein soll, berichtet die Polizei später.

„Mir war es wichtig, den Kerl zu stellen“

Ein Soldat hält ein Kissen mit schwarzem Samtbezug, darauf ein Orden. Vor ihm sind Soldaten angetreten.

Oberfähnrich Oliver Brenner, Personaloffizier des Panzerbataillons 363, hält das Samtkissen mit dem Bataillonswappen und dem rot eingefassten Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber.

Bundeswehr/Karsten Dyba

„Was wäre, wenn ich derjenige wäre, der bedroht wird?“, fragte sich der Obergefreite später. „Dann würde ich mir doch auch wünschen, dass jemand einschreitet, anstatt mich allein zurückzulassen.“ Ob eine solche Reaktion für ihn gefährlich sein könnte, das kam ihm gar nicht in den Sinn. Er habe vor allem an seine Freundin gedacht: „Mir war es wichtig, ihr zu helfen und den Kerl zu stellen.“ Und er dachte daran, dass der Mann womöglich bewaffnet in einen Zug einsteigen oder aussteigende Reisende attackieren könnte. Der Soldat bewies dabei eine Courage, die ungewöhnlich ist.

„Ich komme aus einer Soldatenfamilie“, erzählt er. Sein Vater war USUnited States-amerikanischer Soldat, seine Mutter stammt aus Uganda, der Stiefvater ist Pfälzer. Seit einem Jahr ist Kurz selbst Soldat, derzeit bei der 1. Kompanie des Panzerbataillons 363 in Hardheim im Odenwald. Die Ausbildung bei der Truppe habe womöglich dazu beigetragen, die Situation zu meistern. „Es fiel mir leicht, schnell eine Entscheidung zu treffen und einzuschreiten.“ Das war mutig, sagt auch die Polizei.

Den Ordnungshütern hätte es auch schon gereicht, wenn Kurz einfach nur den Notruf gewählt und seine Freundin in Sicherheit gebracht hätte.

„Unsere Werte werden gelebt“

Zwei Soldaten stehen sich gegenüber, einer heftet dem anderen ein Ehrenkreuz an die Uniform.

„Eine solche Auszeichnung durfte ich noch nie verleihen“, sagt Kommandeur Oberstleutnant Pascal Pane (r.). „Sie ist wirklich selten. Tragen Sie sie mit Stolz!“

Bundeswehr/Karsten Dyba

„Das ist das höchste Maß an Zivilcourage, das man zeigen kann“, lobt Major Matthias Esser. Er ist der Kompaniechef. In seiner Kompanie dient Kurz als KfzKraftfahrzeug-Mechatronik Soldat im Technischen Zug der 1. Kompanie. Den Vorfall in Neustadt habe Kurz ihm seinerzeit gemeldet, daraufhin habe er begonnen zu recherchieren. Der Anruf bei der Polizei machte deutlich: Kurz handelte vorbildlich. Auch der Bataillonskommandeur ist stolz auf seinen Panzersoldaten: „Diese hervorragende Einzeltat zeigt, dass Werte und Tugenden, die wir unseren Soldatinnen und Soldaten vermitteln, nicht nur leere Worte sind, sondern auch gelebt werden.“

Die Eltern werden stolz sein

Ein Soldat hält ein Kissen mit schwarzem Samtbezug, darauf ein Ehrenkreuz mit rotem Rand.

Das rot eingefasste Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber ist eine Sonderform des Ehrenkreuzes. Es steht für eine hervorragende Einzeltat.

Bundeswehr/Karsten Dyba

„Ich bin ziemlich überrascht“, sagt Obergefreiter Kurz nach der Verleihung. Die Aufregung ist ihm noch anzumerken. Nie im Traum hätte er damit gerechnet, als junger Obergefreiter für den Vorfall im Mai ein Dreivierteljahr später mit einem der höchsten Ehrenzeichen der Bundeswehr ausgezeichnet zu werden. Obendrein hat Kurz am selben Tag von seinem Kompaniechef regulär die Beförderung zum Hauptgefreiten erfahren. Das muss er erst einmal verdauen. Seine Eltern werden wohl stolz auf ihn sein, anrufen will er nicht. „Das erzähle ich ihnen besser am Wochenende, wenn ich wieder zu Hause bin“, so der frisch beförderte Hauptgefreite.

von Karsten Dyba

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