Marinetechnikschule
Schiffstechniker, Waffen- und Marineelektroniker, Informationstechniker – sie alle erhalten ihre Ausbildung an der Marinetechnikschule.
Die Deutsche Marine geht bei der Einführung des 3D-Drucks in die nächste Phase. Hierdurch eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Herstellung von dringend benötigen Bauteilen an Bord.
Mit dem ersten Lehrgang 3D-Druck an der Marinetechnikschule lernen zehn Soldaten die Technik anzuwenden
Bundeswehr/Nico TheskaDieser auch als additive Fertigung bezeichnete Druck beschreibt ein computergesteuertes Fertigungsverfahren, bei dem Material Schicht für Schicht aufgetragen wird um einen dreidimensionalen Gegenstand zu erzeugen.
Für die Ersatzteilproduktion an Land und besonders in See bieten sich hier große Vorteile gegenüber dem konventionellen Weg der Nachbeschaffung. Dabei soll der 3D-Druck nicht die logistische Kette ersetzen, sondern erweitern und optimieren. Ersatzteile haben mitunter lange Lieferzeiten, können nicht einzeln nachbestellt werden oder sind aufgrund ihres Alters gar nicht mehr verfügbar. Hier kommt die innovative Technik zum Einsatz. Schiffe im Einsatz werden damit noch unabhängiger und die Seeausdauer steigt.
So hat die Bundeswehr 2017 den Vorteil dieser Fertigungsmethode erkannt und ihr erstes 3D-Druckzentrum eröffnet. Im Oktober 2021 fiel dann die Entscheidung das Druckverfahren in die Streitkräfte zu bringen, um so die Einsatzbereitschaft der Truppe zu erhöhen. Ein Projektteam des Planungsamtes der Bundeswehr lieferte in diesem Jahr bereits die ersten 3D-Drucker an ausgewählte Dienststellen.
Parallel experimentierte die Deutsche Marine bereits 2020 und 2021 mithilfe des „Concept Development and Experimentation“-Prozesses an Bord und an Land. Der Bedarf und die Funktionsfähigkeit in See konnten dabei nachgewiesen werden.
Das benötigte Ersatzteil muss vor dem Druck mithilfe der Software am Rechner geplant werden
Bundeswehr/Nico TheskaAm 13. März begann die erste dreiwöchige Ausbildung an der Marinetechnikschule für die zukünftige Anwendung in der Truppe. Unser Presseteam besuchte die zehn Soldaten des Lehrganges in Parow. Schnell spürten wir die Begeisterung für das Innovationsprojekt und die Motivation aller Beteiligten. Wir wurden direkt an die Hand genommen und durch die Ausbildung geführt.
Versammelt in einem Hörsaal planen sie gerade am Computer ein Ersatzteil für eine Anlage wie sie sich an Bord eines Schiffes befindet. Der Ausbilder, Kapitänleutnant Manuel B., kommentiert: „Egal ob bereits erfahren oder noch unerfahren, mit der anwendungsfreundlichen Software ist die Ausbildung für jeden machbar und die Praxisanwendung wird gut funktionieren“. Dem stimmen seine Lehrgangsteilnehmer zu. Stabsbootsmann Marten F., Angehöriger der Systemunterstützungsgruppe des 1. Korvettengeschwader, meint: „Ich freue mich endlich loslegen zu können und nachzuweisen, dass wir den 3D-Druck im Geschwader auf Dauer brauchen.“
Im Anschluss verfolgen wir zusammen mit den zehn Soldaten des Lehrganges wie der Drucker das Geplante umsetzt. Schicht für Schicht wächst das Ersatzteil bis zu seiner Fertigstellung.
In der Druckwerkstatt verfolgen der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kaack, und der Amtschef Planungsamt Bundeswehr, Generalmajor Gäbelein, die Fertigung von 3D-Erzeugnissen
Bundeswehr/Nico TheskaDie Bedeutung der Einführung dieser wegweisenden Technologie unterstreichen mit dem Besuch der Ausbildung der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kaack und der Amtschef des Planungsamt Bundeswehr, Generalmajor Gäbelein, in Parow. Der Inspekteur folgte aufmerksam den Sachständen zum Projekt und bekräftigt: „Mit der Einführung des 3D-Druck beginnt für die Marine ein neues Zeitalter für die Verbesserung der Ersatzteillage und der spontanen Reaktion bei Notinstandsetzungen“. Am Beispiel eines defekten Handgriffes einer Kraftstoffbetankungsanlage verdeutlichten ihm die Ausbilder das Vorgehen unter Anwendung des Druckers.
Während die Ausbildung in Parow läuft erhält die Flotte gerade die ersten Drucker. Zu ihnen gehört das 1. Korvettengeschwader, die Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“ und „Bonnׅ“, das 1. Ubootgeschwader sowie die technische Einsatzunterstützung aller Fregatten. Die zehn Soldaten starten somit im Anschluss direkt mit dem Betrieb der Geräte in ihren Einheiten. Wir freuen uns auf die ersten Ergebnisse.
von Presse- und Informationszentrum Marine (dwa) E-Mail schreiben
Vor der Einführung in die Truppe experimentierten Soldaten bereits mit dem Druck an Bord der Fregatte „Sachsen“
Bundeswehr/Sascha Hartig
Praxistest: im Drucker entsteht ein benötigtes Ersatzteil dessen Nachbeschaffung bisher sehr aufwendig ist
Bundeswehr/Sascha Hartig
Der selbst gedruckte Trackballring kommt auf der Schiffbrücke zum Test-Einsatz
Bundeswehr/Sascha Hartig
Beim Besuch des Inspekteur der Marine in der Ausbildung erklärten ihm die Ausbilder den Ablauf für den Druck von Ersatzteilen. In der Ausgangssituation muss ein defekter Handgriff ersetzt werden
Bundeswehr/ Nico Theska
Unter den Augen von Vizeadmiral Kaack wird das Ersatzteil am Computer neu programmiert. Bei Bedarf können Ersatzteile auch optimiert werden
Bundeswehr/Nico Theska
Nach der Programmierung übernimmt der Drucker die Herstellung
Bundeswehr/Nico Theska
Der neu gedruckte Handgriff wird durch den Inspekteur der Marine montiert. Das Gerät, in diesem Fall die Kraftstoffbetankungsanlage, kann wieder genutzt werden
Bundeswehr/Nico Theska