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Einsatzbericht der „Brandenburg“, Teil 4: Alltag und Ausbildung

Einsatzbericht der „Brandenburg“, Teil 4: Alltag und Ausbildung

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Ort:
in See
Lesedauer:
2 MIN

Der Marine-Grundsatz, Besatzungen bei jeder Gelegenheit zu trainieren, muss sich den Regeln von Einsatz und Pandemie beugen.

Zwei Soldaten mit Atemmasken und Schutzhelmen in schwarz-gelben Feuerwehranzügen schauen in einem verqualmten Raum.

Feuer und Wasser: zwei unbeliebte Elemente im Innern eines Schiffs. Die Dienstagnachmittage gehören ganz dem Training der Brand- und Leckabwehr.

Bundeswehr

Im Patrouillengebiet hatten die Tage eine feste Struktur. Für die Seewächter gab es die Elf-Uhr-Routine: Wer nachts hatte Wache gehen müssen, konnte vormittags ausschlafen. Die Vormittage standen für den Rest der Besatzung ganz im Zeichen von Materialpflege, Instandsetzungen und sonstigem Tages- beziehungsweise Abschnittsdienst.

An den Dienstagnachmittagen war – per Tagesbefehl im Aushang – regelmäßig Ausbildung in Form von Brand- und Leckabwehr angesetzt. Mittwochvormittags konnten die jungen Wachoffiziere – außerhalb des eigentlichen Patrouillengebietes und der Hoheitsgewässer der Anrainer – Fahrübungen mit dem Schiff fahren.  Nachmittags stand wieder der Abschnittsdienst auf dem Programm.

Ein graues Schlauchboot in See; daneben eine angeleihnte Person im Wasser, die eine lebensgroße orangene Puppe hält.

Die wichtigen Basics trainiert die Besatzung fast täglich. Hier üben die Soldaten das Bergen eines über Bord Gegangenen – immer dabei: Oscar, die Rettungspuppe.

Bundeswehr/Florian Westphal

Der Seemannssonntag Donnerstagnachmittags musst sich die Besatzung mit Gefechtsübungen hart verdienen. Auch dieser „Weekly war“ musste außerhalb der Hoheitsgewässer stattfinden. Freitags- und montagsnachmittags fanden theoretische und praktische Ausbildung sowie Maschinenstörübungen statt. Am Wochenende in See war Ruhe, indes gab es besonders für die Seewächter immer noch genug zu tun.

Neben all dem gab es Schießabschnitte für das 76-Millimeter-Hauptgeschütz, die 27-Millimeter-Marineleichtgeschütze und sonstigen Rohrwaffen. Wenngleich aufgrund der bestehenden Uneinigkeiten der Anrainerstaaten über Seegrenzen, auch die Anmeldung der Schießübungen nicht immer ganz problemfrei war, konnte die „Brandenburg“ doch vergleichsweise oft das Schießen auf Luft-, See- und Landziele üben.

„Stundenpläne“ für alle: vom Matrosen bis zum Offizier

Ein Screenshot: eine Linie in Form eines Ankers auf dunklem Hintergrund; rechts im Bild Zahlen und Symbole.

Als nächtliche Navigationsübung malt die Brückencrew mit ihrem Kurs fürs Schiff verschiedene Figuren in den Patrouillenbereich – mal ein Kleeblatt, mal das Haus vom Nikolaus, mal einen Anker ...

Bundeswehr

In den Nächten mussten die Seewachen Mini-Navigationsübungen bestehen: Die Brückenteams planten dafür einen beabsichtigten Kurs in Form eines Gegenstandes, Buchstabens oder einer Zahl aus. Diesen Track, nach Genehmigung durch den Kommandanten, mussten sie schließlich in der Wache von Mitternacht bis vier Uhr morgens mit dem Schiff genau „ins Wasser malen “. Derart entstanden in den Nächten unter anderem das Haus vom Nikolaus, eine Schnecke, diverse Blumen, weihnachtliche Motive und das Rufzeichen des Schiffes in den Wellen der Ägäis. So kann Ausbildung auch Freude bereiten.

Die hohen Ausbildungsanteile stießen allerdings nicht bei jedem in der Crew auf Begeisterung. Ein großer Personalwechsel in der Stammbesatzung nach Abschluss der Einsatzausbildung, die Personalfluktuation während des Einsatzes, die Assignierung zur „Speerspitze“ der NATO und die Notwendigkeit, ein einsatzklares und uneingeschränkt in allen Belangen abwehrbereites Kampfschiff zu haben, machten aber ständiges Training nötig. Wer rastet, der rostet gilt an Bord eben nicht nur für die Außenhaut des Schiffes. Aber der klare Stundenplan und die festen Zeiten im Patrouillengebiet gaben der Besatzung Struktur und Planbarkeit – gerade letzteres fehlt so oft im Grundbetrieb in der Heimat.

Nichtsdestotrotz ließ sich der hohe Ausbildungsstand, den Schiff und Besatzung am Ende des EAP und unmittelbar vor ihrem Sommerurlaub mit dem offiziellen Status „einsatzklar“ erreicht hatten, nicht bis zum Ende des Einsatzes aufrechterhalten. Trotz der beschriebenen Ausbildungsroutine, je einer gemeinsamen Übung mit der griechischen und türkischen Marine sowie einem Tag intensiven Trainings mit dem Ständigen Minenabwehrverband 2 der NATO, mussten Operations- und Fernmeldedienst, in Teilen aber auch der Schiffssicherungsgefechtsdienst einen vorübergehenden Expertiseverlust hinnehmen. Bis zum nächsten Auslandseinsatzes der „Brandenburg“, mit dann in Teilen wieder neuem Personal in der Besatzung, wird das nächste Ausbildungsprogramm das wieder ausgeglichen haben.

von Jan Hackstein  E-Mail schreiben

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