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Hafenschlepper: Die „grauen Engel“ der Marine

Hafenschlepper: Die „grauen Engel“ der Marine

  • Hilfsschiffe und -boote
  • Marine
Datum:
Ort:
Wilhelmshaven
Lesedauer:
4 MIN

Der größte Marinestützpunkt Wilhelmshaven ist die Heimat der Fregatten und Einsatzgruppenversorger. Aber nicht nur sie sind hier zuhause. Auch die Schlepper der Lütje-Hörn-Klasse liegen hier an der Pier.

Ein Mann steht an der Pier und blickt in die Kamera.

Kapitän des Schleppers, Frank Jannusch

Bundeswehr/Kim Couling

Es ist kühl und das Wasser im Marinestützpunkt Wilhelmshaven ist ruhig. Durch den grauen Nebel sind lediglich die Silhouetten der Hafenlieger zu erkennen. Doch das ist nicht alles. Zwischen ihnen befinden sich drei kleine, graue Schiffe: Die Marineschlepper. Als Abschleppdienst der besonderen Art sorgen sie tagtäglich dafür, dass die Schiffe sicher an der Pier anlegen können. Wegen der geringen Breite des Hafenbeckens ist dabei Millimeterarbeit gefragt. Der Hafenschlepper „Scharhörn“ ist einer von ihnen. Er wurde in Husum gebaut und ist seit 31 Jahren im Dienst der Flotte. Kapitän des 30,31 Meter langen und 9,14 Meter breiten Schiffes ist Frank Jannusch. Seit 2012 hat er das Kommando und kümmert sich zusammen mit seiner achtköpfigen Zivilbesatzung um die größeren Schiffe im größten Marinestandort. Egal ob Auslaufen, Einlaufen oder Verlegen eines Schiffes – ohne ihn und sein Schiff geht es nicht.

Er selbst war von 1997 bis 2009 als Decksdienstsoldat bei der Marine. „Dass ich bei der Marine war, hilft mir in meiner jetzigen Funktion und macht vieles einfacher, da ich die internen Abläufe schon kenne“, erklärt er. Nach der Bundeswehr nutzte Jannusch die Zeit zur Vorbereitung auf die zivile Berufswelt. Er absolvierte eine Ausbildung zum Techniker an der Seefahrtschule Warnemünde, im Bereich Nautik. Im Anschluss an die zweijährige Ausbildung ging es für ihn zurück zur Marine. Dieses Mal allerdings im zivilen Bereich und als Kapitän des Marineschleppers „Scharhörn“. „Als ehemaliger Schnellbootfahrer war es am Anfang ungewohnt, auf einer geschlossenen Brücke zur See zu fahren“, erklärt er mit einem kleinen Schmunzeln.

2017 sind alle Hafenschlepper 876 Einsätze gefahren“

An Bord des Marineschleppers ist er der Chef. Doch auch er muss mit anpacken. „Wird eine helfende Hand im Maschinenraum benötigt, dann muss ich mir die Hände schmutzig machen oder den Farbpinsel schwingen. So ist das bei uns. Da wir nur acht Mann an Bord sind, müssen wir einander unterstützen“, erklärt er.

Vor jedem Auslaufen muss alles fest verzurrt und verstaut sein. „Das ist sehr wichtig, weil der Schlepper über 2.230 PSPferdestärken hat und im Einsatz eine Schräglage von 35 Grad erreichen kann“, fährt er fort. Zudem kann er den Schlepper auf dem Punkt drehen und wenden, was ebenfalls notwendig ist, um die großen Schiffe im sehr kleinen Hafenbecken zu rangieren.

Drei graue Boote liegen an der Bier bei gutem Wetter.

Der Hafenschlepper „Scharhörn“ mit ihren Geschwistern, hier ganz vorne parkend

Bundeswehr/Kim Couling

Die „Scharhörn“ und ihre zwei Geschwister aus Wilhelmshaven, die „Knechtsand“ und die „Vogelsand“, sind richtige Kraftpakete. 23 Tonnen Pfahlzug, sozusagen die Zugkraft von Schiffen, sind für sie kein Problem. Einmal im Quartal muss er seine „Scharhörn“ einem Belastungstest unterziehen. „Hierbei werden die Motoren bis zum Limit gefahren, damit wir überprüfen können, ob alles in Ordnung ist“, erklärt der Kapitän.

Aber die kleinen Schiffe sind nicht nur der Abschleppdienst der Marine. Sie können auch als Feuerwehr agieren. Wenn es an Bord einer Fregatte in Hafennähe brennt, haben sie die Möglichkeit, mit der Feuerlöschkanone das Schiff von außen zu kühlen. „Das haben wir einmal zu Übungszwecken gemacht. Alle an Oberdeck waren nass und die graue Farbe an der Stelle war weg“, erklärt er mit einem Lächeln.

Jeden Meter, den die „Scharhörn“ fährt, muss sorgfältig dokumentiert werden. So muss der Kapitän Tagebuch führen. „2017 sind alle Hafenschlepper 876 Einsätze gefahren“, betont er stolz. Wenn eine Fregatte ausläuft, werden dafür immer zwei Schlepper benötigt. Damit dabei nichts schiefgeht, stehen beide Schlepper und das Schiff über Funk in ständigem Kontakt. „Wir müssen immer miteinander kommunizieren. Es wäre äußerst ungünstig, wenn uns das geschleppte Schiff auf einmal überholt“, erzählt Frank Jannusch mit einem Schmunzeln.

Fregatte „Hessen“ leicht wie eine Feder

Am Montag stand das Auslaufen der Fregatte „Hessen“ auf dem Programm. Pünktlich machten sich die „Scharhörn“ und die „Vogelsand“ bereit und positionierten sich jeweils vor und hinter der Fregatte. Und schon hing der tonnenschwere, graue Stahl an den vergleichsweise kleinen Marineschleppern, welche das Schiff leicht wie eine Feder hinter sich herzogen. Vom Schleppdraht wird dabei eine Menge abverlangt.

Ein Mann steht auf der Brücke eines Bootes und bewegt ein Drehrad.

Kapitän Jannusch an seinem Arbeitsplatz, der Brücke

Bundeswehr/Kim Couling

„‚Scharhörn‘ mehr nach Steuerbord“, ertönte es über Funk. Über den Hörer gab Frank Jannusch zurück: „‚Scharhörn‘ verstanden.“ Jetzt liegt es an ihm die „Scharhörn“ passend zu positionieren. „Es ist wichtig alles im Überblick zu behalten“, erläutert er konzentriert. „Dabei spielt der Wind natürlich auch eine Rolle. Bei starkem Sturm und Windstärke, auf einer Skala von zehn bis zwölf, stoßen auch wir an unsere Grenzen“, fährt er fort.

Als die Fregatte „Hessen“ das Auf-Wiedersehen-Schild am Ende der vierten Einfahrt passierte, war es vollbracht. Die Besatzung hatte ihre Aufgabe gemeistert und es ging zurück an die Pier. Die Crew kontrollierte im Ziel die 30 Meter lange Schleppleine auf Beschädigungen und pflegte das Schiffstagebuch, bevor die Mannschaft der „Scharhörn“ in den Bereitschaftsdienst wechselte. Die „Scharhörn“ konnte sich jetzt ausruhen, damit sie am nächsten Tag wieder volle Kraft vorausfahren konnte.

von Kim Couling  E-Mail schreiben

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