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Kieler Woche 2020: Erfolg in der Krise

Kieler Woche 2020: Erfolg in der Krise

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Datum:
Ort:
Kiel
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3 MIN

Nordeuropas größtes Sommerfest war dieses Jahr auf seinen Ursprung reduziert, das Segeln. Selbstverständlich mit dabei: die Regatten der Marinekutter

Traditionssport seit Kaisers Zeiten: das Kuttersegeln. Das zivile Team der „Vereinigung der Butenplöner“ lag gut auf Kurs an den Markierungstonnen und schaffte den 3. Platz in der Gesamtwertung.

Bundeswehr/Holger Schwill

Kieler Woche in Zeiten der Pandemie war eine große Herausforderung. 2020 musste sie erst verschoben und dann stark reduziert werden. Vom 5. bis 13. September fand sie statt. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hatte ein Motto der Flexibilität ausgegeben: „Segeln plus X“.

Die drei Säulen der Kieler Woche trugen also trotz der Covid-19-Bedingungen: die Regatten vor Schilksee, das jetzt äußerst minimierte Musik- und Bürgerfest – und die Präsenz der Marine. Eng mit den Partnern der Stadt Kiel abgestimmt organisierte die Marine die traditionellen Regatten auf Marinekuttern sowie Gästefahrten für verdiente Kieler Krisen-Helfer auf einem Landungsboot.

„Damit haben wir diese besondere Kieler Woche nicht nur erfolgreich gestemmt, sondern waren mit unseren Booten auf der gesamten Förde präsenter als sonst“, so Flottillenadmiral Christian Bock, Kommandeur der in Kiel stationierten Einsatzflottille 1. „Durch ein virtuelles Konzept der Stadt für die Segelwettbewerbe und durch die Kurserweiterung mit Marinekutter-Wettfahrten am Mittwoch von Kiel nach Schilksee und zurück war die Marine unübersehbar. Ich danke den Organisatoren wie natürlich auch den militärischen und zivilen Crews.“

Tragende Säule des größten Segelwettbewerbs der Welt

Die Crew der Marineschule Mürwik ersegelte den Sieg. Schulkommandeur Flotillenadmiral Wilhelm Tobias Abry kann auf das Segeltraining an der MSM stolz sein.

Bundeswehr/Holger Schwill

Die Marinekutter-Regatten sind der eigentliche Ursprung der Kieler Seglerwoche, denn so fing vor rund 130 Jahren alles an: Offiziere und Mannschaften der Kaiserlichen Marine segelten in den Beibooten ihrer Kriegsschiffe um die Wette. Heute stellen bei diesen Regatten zivile Crews das Gros der verschworenen Gemeinschaft der Marinekuttersegler: Schulen und Vereine vor allem, teilweise mit eigenen Booten der ZK-10-Klasse und auf sogenannten Jugendwanderkuttern. Gemeinsames Segelzentrum für alle ist der Tirpitzhafen des Marinestützpunkts. Das bietet der Flotte also Öffentlichkeitsarbeit par excellence.

In diesem Krisenjahr aber gab es weder das beliebte Zeltlager im Stützpunkt noch konnten Gäste die Offiziermesse mit ihrer Dachterrasse und exklusivem Ausblick nutzen. In der Marinebasis galt für die Regattasegler vom 7. bis zum 11. September ein strenges Hygienekonzept, damit der Hausherr, Stützpunktkommandeur Fregattenkapitän Lars Petersen, guten Gewissens die Veranstaltung unterstützen konnte. „Maskenpflicht auch im Bootshafen bis zum Anbordgehen, Betreten und Verlassen des Geländes nur in Gruppen“, erläutert er, „und Segelpausen in separaten Zelten, die das Seebataillon bereitgestellt hat.“

Alles tat dem Regatta-Enthusiasmus keinen Abbruch. 13 Crews traten an. Mit Beginn der Wettfahrten am Dienstag hielt das gute Segelwetter bis Freitag mit rund vier Windstärken. Wer würde sich den Christian-Heinrich-Preis der Kieler Nachrichten für den Gesamtsieg holen? Wer die Silberschale des Kieler Yacht-Clubs als beste militärische Mannschaft erringen?

Die Marine in Kiel nimmt Kurs auf die Regatten 2021

Beide Trophäen ging nach zehn Wettfahrten an die Gewinner-Crew der Marineschule Mürwik mit Oberstabsgefreitem Thomas Ewald als Steuermann. Seine Kameraden der Marineunteroffizierschule in Plön mit Skipper Kapitänleutnant Michael Woyna begnügten sich mit dem zweiten Platz.

Auf jeden Fall lag die Marine bei dieser Kieler Woche ganz vorn – im Segeln und in der Organisation: „Unser diesjähriges Konzept hat sich bewährt und ist belastbar, auch für mehr“, sagt Regattaleiter Kapitänleutnant Thomas Geburzky, der als Organisator und Schiedsrichter seit mehr als 30 Jahren untrennbar mit dem Traditionsevent verspleißt ist. Er übergibt seine Aufgabe bald, aber im Blick nach vorn lautet sein Fazit: „Marinekutter-Regatta 2021 – Kurs liegt an!“ Die nächste Kieler Woche wird, voraussichtlich, vom 19. bis 27. Juni 2021 stattfinden.

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Schon in der Kaiserlichen Marine dienten Marinekutter der Segelausbildung. Sie dienten zudem als Rettungs- und Verbindungsboote auf kurze Distanzen. Noch heute lernen Offizier- und Bootsmannanwärter an den Schulen der heutigen Marine auf ihnen das Segeln. Früher aus Holz sind die offenen Boote nun aus glasfaservertärktem Kunststoff gefertigt.

Die Maße der Marinekutter: 8,50 Meter lang, 2,50 Meter breit. Das Leergewicht beträgt etwa 1.100 Kilo. Sie haben an ihren zwei Masten eine Segelfläche von rund 27 Quadratmetern. Zur Ausrüstung gehören außerdem zehn Riemen. Eine vollständige Crew für eine militärischen Regatta-Wertung besteht neben dem Steuermann aus weiteren acht Mitgliedern.

Aus dem alten Marinekutter wurde nach dem 2. Weltkrieg der sogenannte Jugendwanderkutter mit baumlosen Großsegel entwickelt, was die Unfallsicherheit erhöht. In der DDRDeutsche Demokratische Republik entstand der etwas kleinere Kutter vom Typ ZK10. Nach der Wiedervereinigung hat die Deutsche Marine auch einige dieser Boote übernommen. Alle diese Kuttertypen gehören zum Erscheinungsbild der heutigen Marinekutter-Regatten der Kieler Woche.

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