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Marine
Probezeit auf Gegenseitigkeit

Bordpraktikum: Marine testet Führungsnachwuchs unter Real-Bedingungen

Ausbildung

Erst an die Uni, dann an Bord – das war gestern: Wer Marine-Offizier oder -Offizierin werden will, kann sich im Praktikum schon zu Beginn der Dienstzeit ein Bild vom Arbeitsalltag in Flotte und Geschwadern machen. Denn je früher Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter herausfinden, wohin sie passen, desto besser.

Mehrere Soldatinnen und Soldaten stehen unter Deck und halten einen Balken.

Die angehenden Marineoffizierinnen und Marineoffiziere durchlaufen an Bord alle Stationen. Bei Leckabwehrübungen fassen sie beim Anbringen der Stützbalken tatkräftig mit an.

Bundeswehr

„Meer als Schule.“ Das ist der Leitspruch der Marineschule Mürwik. Dort lernen Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter, Führungsverantwortung in allen Teilen der Deutschen Marine zu übernehmen. Was das bedeutet, können 270 angehende Offizierinnen und Offiziere im Januar und Februar 2026 im Arbeitsalltag auf See selbst erleben. Und sie können und sollen mit anpacken - an Bord, im fliegenden Verband oder bei der Marineinfanterie Sie sind die Ersten, die für zwei Monate in das bisher längste Praktikum in der Offiziersausbildung gehen.

Seit Änderung der Ausbildungsordnung 2024 ist dies im frühestmöglichen Stadium der Ausbildung nach vier Monaten möglich. So scheidet sich bereits im ersten Halbjahr die „Spreu vom Weizen“. Denn alle Bewerberinnen und Bewerber können unter realen Bedingungen wechselnder Einsätze die Frage beantworten: Ist das der richtige Weg für mich?

Orientierung auf dem eigenen Kurs

Falls die Antwort „Nein“ ist, ergibt die Fortsetzung der Offizierausbildung mit anschließendem Studium keinen Sinn mehr. Das schnell zu erkennen, schafft Platz für diejenigen, die die Seestreitkräfte brauchen. Dass das Ausbildungspersonal genau verfolgt, wer Kameradinnen und Kameraden unterstützt, motiviert und unter Stress einen kühlen Kopf behält, versteht sich von selbst. Denn auch die Marine will nicht die „Katze im Sack“ kaufen.

Es lebe die Vielfalt und es lebe der Smut

Direkt von der Marinetechnikschule in Parow gehen 150 Anwärterinnen und Anwärter in das Praktikum. Für sie läuft eine sechsmonatige Entscheidungsfrist, wie es weitergehen soll. Aus der Truppe haben sich außerdem 120 Quereinsteigende für die Teilnahme gemeldet, die die Offizierlaufbahn einschlagen wollen. 14 Prozent der Siebzehn- bis Vierzigjährigen sind Frauen, das Durchschnittsalter liegt bei 23 Jahren.

Gewohnt wird an Bord, näher zusammen als die meisten es gewöhnt sind. Gegessen wird das, was der „Smut“ kocht. Allein schon wegen der räumlichen Verhältnisse gilt die Kameradschaft in der Marine als besonders ausgeprägt. Kameradschaft lässt sich nur schwer erklären. Ein Kamerad ist irgendetwas zwischen dienstlich geliefertem Freund und einer im besten Sinne lebenslanger Verbundenheit. Ein enger Zusammenhalt, den die Praktikantinnen und Praktikanten selbst erleben werden und der im Ernstfall alle gemeinsam stark macht und überlebenswichtig ist.

Gestreamt wird nur landnah. Denn auf See ergeben sich Phasen längeren WLAN-Entzugs, weil es die Sicherheit zwingend erfordert. Sport ist Pflicht und auch an Land Teil des Berufs. Ob Extremwetter, raue See oder Stürme – die künftigen Offizierinnnen und Offiziere müssen trotzdem ihren Borddienst verrichten. All das muss man wollen.

Mehr als Seefahrt

Ein Soldat mit Helm und Flammschutz sitzend auf einem Stuhl auf der Brücke eines Schiffes.

Bundeswehr/Oliver-Lucca Stamm

Wechselbad der Gefühle. Eindrücke der Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter nach einem Monat Bordpraktikum.

Der maritime Führungsnachwuchs muss deutlich mehr können als das nautische Einmaleins. Gefordert sind physische Stärke und psychische Belastbarkeit, profunde Fach- und Sprachkenntnisse aber auch Flexibilität, Teamfähigkeit und interkulturelle Kompetenz. Auf dem Tagesplan der Offizieranwärterinnen und Offizieranwärter im Praktikum steht deshalb ganz selbstverständlich die Bedienung hochmoderner Technik. Drohnen und Künstliche Intelligenz prägen mittlerweile den Alltag der Seestreitkräfte. Auch dieses erfordert neues Denken und stellt hohe Anforderungen an das Führungsverhalten der späteren Marine-Offizierinnnen und Offiziere.

Alles in allem ist das Bordpraktikum ein wichtiger Praxistest, nicht nur im Hinblick auf die persönliche Eignung für eine Laufbahn in der Marine: Während sich die Bedrohungslage über und unter Wasser sowie im Luftraum darüber verschärft hat, sucht die Marine nicht nur kluge Köpfe, die Übersicht und Ruhe bewahren, wenn es darauf ankommt. Sondern auch solche, die nahbar und teamfähig sind und bleiben, selbst wenn sie später als Top-Kräfte die höchsten Stufen der Karriereleiter erklimmen sollten. Wer wie tickt – davon können sich beide Crews, die Neuen und die Stammmannschaft an Bord, ein realitätsnahes Bild machen. Denn sie sind dann ein Team, wenn auch nur auf Zeit.

Erste Eindrücke an Bord

Für einige Offizieranwärter ist es ein Wiedersehen mit „ihrer“ vertrauten seegehenden Einheit, für andere sind die Abläufe an Bord eine gänzlich neue Erfahrung. Doch die Aufnahme durch die Stamm-Crew ist freundlich, die kameradschaftliche Zusammenarbeit klappt reibungslos. Da gerät das Wechselbad der Gefühle, das schon jede längere Abwesenheit von zu Hause mit sich bringt, schnell in Vergessenheit. Die Freude darüber, bisherige Erfahrungen einbringen und die Mannschaft schon nach wenigen Tagen tatsächlich unterstützen zu können, überwiegt.

Heutiger Eintrag im Logbuch der Crew IX/2025 nach einem Monat: Tausende von Seemeilen zurückgelegt. Aufträge termingerecht erfüllt. Schiff und Besatzung in bestem Zustand. Stimmung gut. Alle haben sich bestens geschlagen. Meldung zum Dienstschluss: Noch keine „Katzen im Sack“ an Deck gesichtet.

von Christina Moritz  E-Mail schreiben

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