Cyber- und Informationsraum

Geoinformationen für die NATO - die MN GSG

Geoinformationen für die NATO - die MN GSG

  • Multinationalität
  • Cyber- & Informationsraum
Datum:
Ort:
Euskirchen
Lesedauer:
3 MIN

Produktion und Verwaltung von Geoinformations-Datenbanken, Gelände- und Raumanalysen oder Koordination der Vervielfältigung von Kartenmaterial - Tag für Tag erstellt die Multinationale GeoInfo-Unterstützungsgruppe MN GSGMultinational Geospatial Support Group (Multinational Geospatial Support Group) im Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr Produkte für die Unterstützung von NATONorth Atlantic Treaty Organization- und EUEuropäische Union-Einsätzen. In einem Interview erklärt der Leiter, Kapitän zur See Uwe Frey, die Aufgaben der MN GSGMultinational Geospatial Support Group

Zwei Soldaten zeigen auf eine Karte

Die Multinationale GeoInfo-Unterstützungsgruppe erstellt umfangreiches Material zur Geoinfo-Unterstützung befreundeter Nationen.

Bundeswehr/Thorsten Dersch

Herr Kapitän zur See Frey, Sie sind Leiter der Multinationalen GeoInfo-Unterstützungsgruppe „MN GSGMultinational Geospatial Support Group“ im Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr. Wie multinational ist Ihr Bereich?

Die Frage muss ich zweigleisig beantworten: Einerseits ist das Grundkonstrukt der MN GSGMultinational Geospatial Support Group voll multinational ausgerichtet. Bisher sind 17 NATONorth Atlantic Treaty Organization und EUEuropäische Union-Nationen der MN GSGMultinational Geospatial Support Group beigetreten und stellen sogenannte Reach-Back-Fähigkeiten oder Personal bereit. Andererseits haben wir die Besetzung der MN GSGMultinational Geospatial Support Group hier in Euskirchen. Da stammen momentan vier der 24 Mitarbeiter aus anderen Staaten. Insgesamt sind allerdings 14 von 36 Dienstposten multinational ausgeplant, so dass wir noch Platz für weitere ausländische Offiziere, Unteroffiziere oder entsprechendes ziviles Personal hätten. Konkret ist mein Chef des Stabes ein französischer Stabsoffizier, einer der Dezernatsleiter stammt aus Griechenland und zwei Sachgebietsleiter stammen aus Rumänien beziehungsweise den Niederlanden.

Welche Aufgaben hat die Unterstützungsgruppe?

Ein Soldat mit einem Vermessungsgerät

Mit einem Winkelmessgerät mit einer Förstersonde können Vermesser beispielsweise Magnetisch Nord genaustens bestimmen. (Symbolbild)

Bundeswehr/PAO Counter Daesh

Die Aufgabe der MN GSGMultinational Geospatial Support Group ist es, aus dem sogenannten Reach-Back mit den von den Nationen bereitgestellten Fähigkeiten und ihrem Personal, bestmögliche GeoInfo-Unterstützung für die NATONorth Atlantic Treaty Organization und die EUEuropäische Union bereitzustellen. Praktisch bedeutet das, wir stellen zum Beispiel Spezial- und Sonderkarten sowie Atlanten her, koordinieren deren Druck und die Auslieferung, führen Analysen durch, befüllen Datenbanken, unterstützen bei der Erarbeitung von Konzepten oder koordinieren die Entsendung von Einsatz-Vermessungsteams. Speziell für die Vermessung führen wir jedes Jahr eine internationale Vermessungsübung durch, um die unterschiedlichen Verfahren zu harmonisieren und zu standardisieren, damit im Einsatz alles klappt.

Dieses Jahr findet diese Übung in Tschechien mit Teams aus sechs verschiedenen Ländern, Österreich, Kanada, Tschechien, Deutschland, Litauen und Spanien, statt. Um auch sicher nur das zu machen, was gebraucht wird, halten wir engen Kontakt mit SHAPESupreme Headquarters Allied Powers Europe, EUEuropäische Union-Military Staff, den Joint Force Commands und den GeoInfo-Elementen in den Einsatzgebieten. Dazu reisen unsere Offiziere auch in die Einsatzgebiete, prüfen die Bedarfslage und suchen nach Wegen zu unterstützen.

Die MN GSGMultinational Geospatial Support Group wurde vor fünf Jahren, im April 2015, aufgestellt. Gab es einen speziellen Grund für die Aufstellung?

Die Gründe waren vielschichtig. Einerseits führten die Reduzierungen insbesondere in der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Kommandostruktur dazu, dass viele Aufgaben dort nicht mehr erledigt werden konnten. Gleichzeitig wurden in den Einsatzgebieten die Kontingentgrößen limitiert, so dass es schwer wurde, GeoInfo-Kräfte in ausreichender Stärke einzubringen. Am Ende wurde vieles an Unterstützung auf die Nationen abgewälzt, die damit oft nicht wirklich klarkamen. Der kleine Vorgänger war eine Geospatial Support Group ISAFInternational Security Assistance Force, die ausschließlich die ISAFInternational Security Assistance Force-Mission unterstützte. Später erkannte man die Notwendigkeit eines stehenden Elementes für alle Operationen und Missionen. MN GSGMultinational Geospatial Support Group ist quasi ein Pool der Nationen für die GeoInfo-Unterstützung, der es insbesondere kleineren Nationen ermöglicht, einen Beitrag zu leisten.

Was hat die MN GSGMultinational Geospatial Support Group in den letzten fünf Jahren erreicht und was möchten Sie in den nächsten fünf Jahren erreichen?

Ein Soldat sitzt an einem Rechner

Die Arbeit von Kapitän zur See Frey hat viel mit Auswerten von Daten zu tun.

Bundeswehr/Thorsten Dersch

Die MN GSGMultinational Geospatial Support Group ist kein kompliziertes Konstrukt und es ist ihr gelungen, von Anfang an ihren Auftrag zu erfüllen und Tag für Tag Produkte für die Unterstützung von NATONorth Atlantic Treaty Organization- und EUEuropäische Union-Einsätzen zu erzeugen. Das führte dazu, dass wir jedes Jahr neue Mitgliedstaaten gewinnen konnten und der multinationale Anteil langsam aber stetig ansteigt. Weiterhin hat es die MN GSGMultinational Geospatial Support Group geschafft, wichtige Aufgaben für die Unterstützung der NATONorth Atlantic Treaty Organization Response Forces zu übernehmen. Damit bedient sie nicht nur die klassischen Kriseneinsätze, sondern unterstützt auch die Bündnisverteidigung. Unser Ziel ist es, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben, relevante Unterstützungsleistungen zu erbringen und den multinationalen Anteil weiter auszubauen. Insgesamt ist das Konstrukt der MN GSGMultinational Geospatial Support Group auch erweiterungsfähig. Aufgaben gibt es genug aber alle Parteien müssen sich dann auch dazu bereit erklären, die notwendigen Ressourcen gemeinsam bereitzustellen.



von Thorsten  Dersch  E-Mail schreiben

Das Interview zum Nachhören

Porträts aus dem Geoinformationsdienst

Eine Sodlatin sprich mt anderen Personen vor mehreren Rechnern

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