Mit dem Wind nach Osten
Übung- Datum:
- Ort:
- Oberlausitz
- Lesedauer:
- 2 MIN
Eine Einsatzkompanie des Zentrums Operative Kommunikation der Bundeswehr trainiert bei der Übung Colder Iron in der Oberlausitz, wie Botschaften mit Helium-Ballons über weite Entfernungen verteilt werden können. In Krisenzeiten sind bei Ausfall moderner Kommunikationswege die Ballons ein zuverlässiges Mittel, um Menschen in abgelegenen oder gefährlichen Gebieten zu erreichen.
Hier wird ein wichtiges Mittel der Informationsverbreitung fernab üblicher Kommunikationswege für den taktischen Einsatz vorbereitet: Die Flugblatt-Ballons des Zentrums Operative Kommunikation der Bundeswehr kurz vor dem Start
Bundeswehr/Christopher RichterZweimal im Jahr trainieren Soldatinnen und Soldaten aus dem rheinland-pfälzischen Mayen auf dem Truppenübungsplatz in der Oberlausitz (Sachsen). Der Übungsort ist für das Vorhaben ideal: Hier ist kein Großflughafen in der Nähe und der Luftraum entsprechend gut nutzbar, um die schneeweißen Ballons aufsteigen zu lassen. Sie sind mit Helium gefüllt und erreichen einen Durchmesser von bis zu 1,70 Metern. Einmal ausgeklinkt, steigen sie in Höhen von bis zu 5.000 Metern auf. Mit nach oben schweben 2.000 Flugblätter. Das Ziel der Übung: Botschaften punktgenau dorthin zu bringen, wo andere Kommunikationswege versagen – ohne dass Soldaten und Soldatinnen dafür in Gefahr geraten.
„Diese Form der Informationsübermittlung ist keineswegs neu, aber nach wie vor sehr effizient.“
Wenn andere Verbreitungsmethoden in Kriegs- und Krisenlagen versagen, schlägt die Stunde der störungsresistenten Ballons.
Zielgebiet der Flugblätter ist ein vorher definiertes Areal des 45 Hektar großen Truppenübungsplatzes Oberlausitz. Die Ballons selbst steigen im nichtmilitärischen Bereich auf. Wenn alle Berechnungen zu den Luftströmungen richtig waren, löst eine mitfliegende Zeitschaltuhr den Abwurf der Flugblätter über dem Zielgebiet aus.
Möglich machen das aufwändige Messverfahren zu den Wind- und Witterungsverhältnissen im Vorfeld. Mit ihnen lässt sich sehr genau berechnen, wo die Ballons starten müssen, um ihre Last über dem Zielgebiet abzuwerfen. Das ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Windrichtungen können sich schnell ändern.
Kleine, schwer aufklärbare Trupps bringen die Ballons in sicherer Entfernung zum Zielgebiet aus. Die zwischen Flugblättern und Ballon platzierte Zeitschaltuhr wird vom Soldaten programmiert und wirft die Blätter nach einer voreingestellten Zeit ab.
Bundeswehr/Christopher Richter
Bestückt mit Flugblättern steigt der Ballon in den Himmel. Stimmen alle Berechnungen, bringt er seine Fracht vom Wind getragen bis ins viele Kilometer entfernte Zielgebiet und verteilt sie dort.
Bundeswehr/Christopher RichterDen Erfolg seiner übenden Truppe misst Oberstleutnant Florian M. daran, wie genau der Zielkorridor mit Flugblättern erreicht werden konnte. Insgesamt finden während der zweiwöchigen Übung mehr als 70 Ballonflüge mit mehreren Tausend Übungsflugblättern statt. Sie haben individuelle farbliche Markierungen, um entsprechend zugeordnet werden zu können.
Es kann natürlich trotzdem dazu kommen, dass Flugblätter durch Wind- und Witterungsbedingungen von ihrer Flugbahn abkommen und in den umliegenden Ortschaften landen. Die Übungsflugblätter sind deshalb mit Informationen für die Finderin oder den Finder in deutscher und polnischer Sprache bedruckt. Darunter ist auch ein Kontakt zur Bundeswehr, an den die Koordinaten der Fundstelle im zivilen Raum übermittelt werden können.
Um diplomatische Irritationen zu vermeiden, werden solche Übungen bei den Partnerkommandos in Polen und Tschechien sowie den jeweiligen Militär-Attachés angekündigt. Die Flugblätter selbst sind übrigens aus Recycling-Papier und lösen sich binnen weniger Wochen auf – der Umwelt zuliebe.
von Ines Mallek-Klein E-Mail schreiben