Cyber- und Informationsraum

Koordinatorin der CWIX im CIR – Meisterin der Organisation

Koordinatorin der CWIX im CIR – Meisterin der Organisation

  • Digitalisierung
  • Cyber- & Informationsraum
Datum:
Ort:
Bonn
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5 MIN

Bei ihr laufen alle Informationen über die CWIX im Organisationsbereich zusammen: Ellen Bühren organisiert sämtliche Phasen der multinationalen Interoperabilitätsübung für den Anteil Cyber- und Informationsraum – Planung, Durchführung und Nachbereitung.

Ein Porträtbild einer Frau

Ellen Bühren ist Koordinatorin für Deutschland der CWIX. Sie schreibt Weisungen, beantragt Haushaltsmittel und richtet Konferenzen aus.

Bundeswehr/Stefan Uj

Das Telefon klingelt ununterbrochen. Ellen Bühren verschwindet fast hinter den vielen Bildschirmen und Rechnern auf ihrem Schreibtisch. Mit einem Ohr verfolgt sie nebenher ein virtuelles Meeting. Sie ist eine der Hauptorganisatoren für die deutschen Teilnehmenden der CWIX. Genauer gesagt: Deputy DEU National Lead CWIX, Vertreterin und Mitarbeiterin von Oberstleutnant Bastian Kindt und Projektverantwortliche des Organisationsbereiches CIRCyber- und Informationsraum für alles, was mit der CWIX zu tun hat. „Oberstleutnant Kindt und ich verstehen uns als Team: Er ist das Frontend, ich das Backend“, lacht Bühren.

Arbeit an der Basis, national und international

Im Team CWIX schafft Bühren die Grundlagen dafür, dass die CWIX stattfinden kann. Sie schreibt Weisungen, beantragt Haushaltsmittel und richtet Konferenzen aus, etwa die Main Planning Conference (MPC) in Berlin mit 700 Teilnehmenden.  Hinzu kommen vier weitere internationale Meetings mit der NATONorth Atlantic Treaty Organization, wo Ablauf und Durchführung der CWIX festgelegt werden. Beginnend mit der Excercise Specification Conference, die bereits im September des Vorjahres stattfindet. Dort werden Ziele der einzelnen Nationen für die Übung CWIX vorgestellt. Bei der Initial Planning Conference, an der alle Nationen mit ihren Fachleuten teilnehmen, werden Testfälle definiert und Wiki-Trainings für die neu hinzugekommenen Teilnehmenden angeboten. Auf der MPC wird schließlich festgelegt, wer mit wem systemisch arbeitet. Auf der im März stattfindenden Final Coordination Conference werden konkrete Testfälle beschrieben, also Testabläufe, und die jeweilige Art der Kommunikation konkretisiert. Danach folgt die eigentliche Durchführung der CWIX, die EXECUTION.

Auf nationaler Ebene findet die Organisation der CWIX in drei Arbeitsgruppen statt, in denen festgelegt wird, welche Themen bei der CWIX von deutscher Seite aus realisiert werden. „Wir stellen die Sicherheitsdokumentation für die Testteilnehmenden zusammen und sorgen dafür, dass alle erforderlichen Voraussetzungen für die deutschen Beteiligten im polnischen Bydgoszcz bereitgestellt werden. Das war natürlich in der Zeit vor Corona“, lächelt Bühren. Der Transport der Materialien wird zusammen mit dem Zentrum für Softwarekompetenz der Bundeswehr organisiert.

Kurzfristig umgeplant: CWIX 2020

Eine Frau an einem Computer

Bühren ist keine ausgebildete ITInformationstechnik-lerin, sondern hat sich ihr Wissen über Lehrgänge angeeignet.

Bundeswehr/Stefan Uj

Wegen COVID-19Coronavirus Disease 2019 beschließt die NATONorth Atlantic Treaty Organization, die CWIX dezentral als REMOTE-Übung durchzuführen: „Anfang April kam die Nachricht, dass die CWIX nicht wie geplant in Bydgoszcz, Polen, sondern verteilt aus den Nationen durchgeführt wird. Was für uns bedeutete, dass wir – in reduzierter Form – die Übung unter veränderten Bedingungen völlig neu innerhalb von acht Wochen organisieren mussten“, erläutert Bühren. Unter „normalen“ Bedingungen beläuft sich die Vorbereitungszeit auf knapp ein Jahr. An der CWIX-REMOTE nehmen jetzt weniger Testsysteme als ursprünglich geplant, teil, aber auf nationaler Ebene ergab sich die Situation, dass eine andere Sicherheitsakkreditierung erfolgen musste als für den ursprünglichen Austragungsort in Polen. „Wir mussten zusätzliche Sicherheitsunterlagen für jeden der acht Teststandorte in Deutschland beibringen. Jeder Standort musste definiert werden in Bezug auf die örtlichen Begebenheiten, welche Netze zur Verfügung stehen“, erzählt Bühren. Natürlich müssen im Rahmen von COVID-19Coronavirus Disease 2019 die Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Teilnehmenden eingehalten werden, etwa die erforderlichen Sicherheitsabstände.

Ein Job, der nie langweilig wird

Ellen Bühren ist seit 1990 Angehörige der Bundeswehr. Angefangen als Sachbearbeiterin hat sie sich permanent weitergebildet und arbeitet mittlerweile im gehobenen Dienst. Über Stationen im Rechenzentrum in Wahn, den Wechsel in den Bereich SAP, war sie später zuständig für Verfahrenstechnik und Qualitätsmanagement. Seit etwa einem Jahr arbeitet sie beim Kommando CIRCyber- und Informationsraum. „Ich bin keine ausgebildete ITInformationstechnik-lerin, sondern habe mir mein Wissen über Lehrgänge angeeignet.“ Sie schwärmt von ihrem vielfältigen Job, der nie langweilig werde, weil sie immer mit Menschen arbeite. Als Organisatorin der CWIX muss sie wissen, wo was wann stattfindet und welche Systeme eingesetzt sind. Zuständig ist die Organisatorin auch für den deutschen Anteil im internationalen Planungstool der Übung (CWIX Wiki). Hier sind alle Informationen zu finden, die für die Durchführung der CWIX REMOTE gebraucht werden: Raumdaten, Netzverfügbarkeiten, Beschreibung der Test-Cases bis hin zur Veröffentlichung von Testergebnissen. „Wir kontrollieren, ob alle Testpartner ihre Daten eintragen, damit die NATONorth Atlantic Treaty Organization, genauer, das Allied Command Transformation, das die Federführung der CWIX innehat, damit arbeiten kann“, so Bühren.

Systeme für VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 müssen getestet werden

Die durch COVID-19Coronavirus Disease 2019 geänderten Durchführungsbedingungen führten dazu, dass nur etwa die Hälfte aller Systeme getestet werden können. Die Organisatoren hatten die Vorgabe, dass auf jeden Fall die Systeme, die für VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 benötigt werden, bei der CWIX getestet werden. Beispielsweise der Container mit HaFIS-Servern, der gerade in Wilhelmshaven aufgestellt ist. Dafür werden Standorte benötigt, die Zugang zum Combined Federated Battle Laboratories Network haben. Hier werden unterschiedliche Systeme in der NATONorth Atlantic Treaty Organization getestet, die miteinander interoperabel sein müssen, also untereinander problemlos kommunizieren können. „Für diese Interoperabilität wird so etwas wie eine Norm aufgestellt, sogenannte Services“, erklärt Bühren. Im Rahmen des Federated Mission Networking (FMN) werden die Art und Inhalte dieser Services multinational gemeinsam vereinbart. „Das ist das Mittel zum Zweck, um in einer gewissen Form miteinander kommunizieren zu können, etwa bei internationalen Übungen bzw. Einsätzen mit multinationalen Partnern“, führt Bühren aus. „Wenn ich mit Ihnen chinesisch reden würde, dann würden Sie mich höchstwahrscheinlich nicht verstehen, auch wenn die Inhalte richtig wären. Ähnlich ist die Situation bei einer internationalen Übung, wo jedes System seine eigene Sprache spricht. Zusätzlich gibt es Sicherheitsvorschriften, die eingehalten werden müssen, und Sicherheitsbarrieren wie Firewalls, die überwunden werden müssen. Wenn sich jeder an das gemeinsam vereinbarte FMN Regelwerk hält, ist es möglich, trotz aller Hindernisse und Verschiedenheiten zu kommunizieren“, erklärt Bühren.

Digitale Meetings sind zeitintensiv

Ein Benefit der REMOTE-Übung sei, dass bestimmte Dinge auch zukünftig remote stattfinden werden, um etwa Dienstreisen zu reduzieren, meint Bühren. Technisch wäre es möglich. „Aber wir haben festgestellt, dass der Zeitaufwand wesentlich höher ist und der direkte persönliche Informationsaustausch fehlt. Die CWIX lebt davon, dass die Menschen face to face miteinander reden: man lernt sich kennen, es werden Absprachen getroffen“, betont sie. Die Distanz digitaler Meetings kann nicht alle diese Aspekte auffangen.


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