Cyber- und Informationsraum

Verschlüsselungsalgorithmen im Test

Verschlüsselungsalgorithmen im Test

  • Digitalisierung
  • Cyber- & Informationsraum
Datum:
Ort:
Euskirchen
Lesedauer:
3 MIN

Einer der acht deutschen CWIX-Standorte ist Euskirchen. Am Zentrum für Softwarekompetenz der Bundeswehr (ZSwKBw) testen die ITInformationstechnik-Spezialisten in einem experimentellen Umfeld auch Verschlüsselungsalgorithmen.

Ein Soldat läuft in einem Flur

Am Zentrum für Softwarekompetenz der Bundeswehr analysieren, entwickeln und zertifizieren ITInformationstechnik-Spezialisten Softwareprodukte für die ITInformationstechnik der Bundeswehr

Bundeswehr/Martina Pump

„Für jede unserer Fähigkeiten existieren Spezifizierungsvorgaben, welche die Funktionalitäten verschiedener Anwendungen beschreiben, um Interoperabilität unter den Nationen zu gewährleisten. Die Konformität zu diesen Vorgaben soll während des Testens nachgewiesen werden“, erläutert Oberstleutnant Frank Schützeberg eine der Aufgaben seines Teams bei der diesjährigen CWIX. Eines der Testthemen ist Distributed Time, bei dem die Nationen die korrekte Zeit sicher übermitteln. „In diesem Kontext testen wir spezielle Verschlüsselungsalgorithmen“, so Schützeberg.

Neue Herausforderungen der REMOTE Übung

Oberstleutnant Schützeberg ist seit Oktober 2018 als Wiedereinsteller im ZSwKBw, Abteilung III Zertifizierung ITInformationstechnik-Services, als Sachgebietsleiter für das multinationale Testmanagement zuständig. Seine Rolle bei der CWIX: Capability Lead, das heißt Testmanager. Er übernimmt die Kommunikation und Abstimmung mit den Partnernationen anhand vorgegebener Themen, die bearbeitet werden sollen. Schon bei den Planungskonferenzen war er dabei. Normalerweise haben die Beteiligten ein dreiviertel Jahr Zeit, sich auf die Teilnahme an der CWIX vorzubereiten. Schützeberg, der auch im letzten Jahr an der CWIX im Joint Force Training Centre in Polen teilgenommen hat, weist auf die besondere Situation aufgrund der Corona-Pandemie hin: „In Bydgoszcz gibt es etablierte Prozesse. Dort machen wir das nicht zum ersten Mal. Dieses Jahr haben wir die besondere Situation, dass durch COVID-19Coronavirus Disease 2019 der Betrieb mehrere Wochen lang nur eingeschränkt möglich war.“ Anfang April wurde beschlossen, dass die CWIX dezentral als eine REMOTE-Übung durchgeführt werden soll. „Die Zeit, die CWIX remote vorzubereiten, war damit deutlich knapper und wir mussten dies mit weniger Personal meistern“, erzählt er. Neben den zeitlichen und räumlichen Herausforderungen mussten Fragen nach der technischen Umsetzung – vor allem unter dem Aspekt Einhaltung der Informationssicherheit – geklärt werden. Auch COVID-19Coronavirus Disease 2019-Themen mussten bei der Neuorganisation beachtet werden. Und all das unter der Bedingung, dass zunächst häufig aus dem Homeoffice gearbeitet werden musste. „Das waren spannende Zeiten“, so Schützeberg.

Interoperabilität für die multinationalen Streitkräfte

Ein Soldat an einem Laptop

Am Zentrum werden während der CWIX verschiedene Verschlüsselungsalgorithmen getestet.

Bundeswehr/Bastian Kindt

Zu den Aufgaben Schützebergs gehört auch die Kommunikation mit dem Focus Area-Lead. „Jedes Testsystem ist einer Focus Area zugewiesen. Eine Focus Area konzentriert sich auf Tests spezieller Themenbereiche. „Wir sind der Focus Area „Future Core Services“ zugeordnet, die sich mit Systemen auseinandersetzt, welche eher experimentellen Charakter haben“, erklärt er. Hier geht es darum, die Umsetzbarkeit der technischen Vorgaben für den aktuellen Entwicklungszyklus zu verifizieren. Das System, mit dem sein Team aus etwa zehn Spezialisten entwickelt und testet, nennt sich Service-Referenz-Anlage (SRA). Damit trägt das Team zur Vorbereitung von Validierungs- und Verifizierungsaufgaben bei, die im Rahmen des Federated Mission Networking-Konzeptes (FMN) zu durchlaufen sind. FMN soll die multinationalen Streitkräfte befähigen, interoperabel in einen gemeinsamen Einsatz gehen zu können, trotz unterschiedlicher ITInformationstechnik-Systeme.

Koppeln der ITInformationstechnik-Systeme braucht Zeit

In der ersten CWIX-Woche müssen die verschiedenen ITInformationstechnik-Systeme miteinander gekoppelt werden: Konnektivitätsprobleme, etwa beim Aufsetzen von Chat-Lösungen, Websharing oder VTC, müssen gelöst und Konfigurationen angeglichen werden. Wenn Teilnehmer dabei direkt auf dem Bildschirm ihres Testpartners (zum Beispiel auf die Konfigurationsdatei) schauen können, ist eine Fehlersuche wesentlich einfacher, als per Telefon. „Die Qualität der CWIX ist eine ganz andere, da wir uns vor Ort in Bydgoszcz gegenseitig über die Schulter schauen und im direkten Gespräch austauschen“, ist Schützeberg überzeugt. Er glaubt, dass es für diejenigen, die dieses Jahr zum ersten Mal an der Übung teilnehmen, schwerer sei, sich ein Netzwerk aufzubauen. „Für mich ist das ein zentraler Punkt, der dieses Jahr wegfällt. Der aber zu einem der wesentlichen Erfolgskriterien für die Zusammenarbeit als internationale Gemeinschaft bei der CWIX gehört“, stellt er fest. Die sehr gute internationale Zusammenarbeit basiert auch darauf, dass sich viele der Teilnehmenden schon von vergangenen Übungen kennen, etwa der CWIX 2019 wo die Menschen, mit denen man zusammenarbeitete, am Tisch nebenan saßen, sagt Schützeberg. „Jetzt sind sie zumindest europaweit verteilt. Dennoch bin ich mir sicher, dass wir wieder wichtige Erkenntnisse gewinnen werden, wenngleich in abgespeckter Form.  Und dann hoffen wir darauf, dass die CWIX 2021 wieder in Bydgoszcz ihre vorhandenen Stärken voll ausspielen kann.“

von Martina Pump  E-Mail schreiben
Soldaten sitzen an Computern

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