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Ausbildungsunterstützung

Wie die NATONorth Atlantic Treaty Organization plant: Ukrainer lernen in Hamburg für ihren Freiheitskampf

Ausbildung

„Deutschland unterstützt die Ukraine nicht nur mit Waffen, Geräten und Material, sondern auch mit Ausbildung, wie hier an der Führungsakademie“, sagt der Kommandeur der höchsten militärischen Ausbildungsstätte Deutschlands, Konteradmiral Ralf Kuchler. Angehörige der ukrainischen Streitkräfte erweitern dort ihre Kenntnisse im Führen von Großverbänden.

Das Bild zeigt das Abzeichen der Mission der European Union Military Assistance Mission Ukraine

20 Angehörige der ukrainischen Streitkräfte haben an der Führungsakademie der Bundeswehr ihr Wissen zum Thema NATONorth Atlantic Treaty Organization-Planungsprozess erweitert

Bundeswehr

Diese Ausbildung erfolgt unter dem Dach der European Union Military Assistance Mission Ukraine, kurz EUMAM UAEuropean Union Military Assistance Mission Ukraine, die durch die Mitgliedstaaten der Europäischen Union im Oktober 2022 beschlossen wurde. Neben Deutschland beteiligen sich 21 weitere europäische Nationen daran. Ihr Ziel ist es, die militärischen Fähigkeiten der ukrainischen Streitkräfte so zu stärken, dass sie wirksam und durchhaltefähig ihr Land verteidigen und die Zivilbevölkerung schützen können.

Aus diesem Grund haben 20 Angehörige der ukrainischen Streitkräfte ihre Kenntnisse im Führen von Großverbänden ab Brigadeebene und im Planungsprozess von Landstreitkräfte-Operationen auf oberster taktischer Ebene an der Führungsakademie der Bundeswehr erweitert. Sie bildeten sich unter anderem zu den Themengebieten Organisation, Arbeiten in Stäben, NATONorth Atlantic Treaty Organization-Planungsprozess und Befehlsausgabe weiter.

Anerkennung und Verpflichtung zugleich

„Deutschland hat angeboten, diese Ausbildung zu übernehmen. Dass das Angebot in Anspruch genommen wird, zeigt natürlich auch die Anerkennung der hohen Qualität unserer Ausbildung. Das ist für uns aber auch Verpflichtung zugleich, denn nur eine qualitativ hochwertige Ausbildung ist der Garant dafür, dass man an der Front bestehen kann“, sagt Konteradmiral Ralf Kuchler.

Eine zweijährige Ausbildung, wie sie die deutschen und internationalen Offizierinnen und Offiziere im Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst National unter Friedensbedingungen absolvieren, „kann man sich im Krieg natürlich nicht leisten“, ergänzt Kuchler. Also bedeutete das im Umkehrschluss für die ukrainischen Soldaten eine lediglich mehrtätige Ausbildung in Hamburg – mit langen Tagen und reichlich Stoff. Einer der ukrainischen Offiziere ist Vladyslav*.

„Ich möchte ein Erbe hinterlassen“

„Wir sind ein Teil der Militärorganisation und üben spezielle Sicherheitsfunktionen aus. Seit Kriegsbeginn 2022 sind wir in der Verteidigung des Landes an vorderster Front eingesetzt. Vor dem Krieg haben wir hauptsächlich Stabilisierungsoperationen durchgeführt, das wurde durch eine Gesetzesänderung erweitert“, erklärt der Oberstleutnant.

Oberstleutnant Vladyslav blickt für ein Porträtfoto in die Kamera

Oberstleutnant Vladyslav* ist seit 15 Jahren in den Streitkräften der Ukraine tätig

Bundeswehr

„Mein Militärleben war nur mit meiner Einheit verbunden“, sagt der Offizier und ergänzt: „Ich bin ein Berufssoldat, seit 15 Jahren im Dienst und ich habe eine militärische Universität in der Hauptstadt Kiew absolviert.“ Zu seinen drei Hochschulausbildungen zählen eine juristische, eine zum Thema staatliche Verwaltung und eine militärische. „Ich bin S3-Offizier, also Planungsoffizier. Mein Schwerpunkt ist der Einsatz von Panzertruppen.“

Schwächen erkennen und verbessern

An der Führungsakademie der Bundeswehr setzt er sich gemeinsam mit weiteren Teilnehmenden mit den militärischen Entscheidungsfindungsprozess der NATONorth Atlantic Treaty Organization auseinander. Sie lernen die Struktur der Sicherheits- und Verteidigungskräfte kennen und vergleichen diese mit ihrer eigenen. Das Ziel: Eigene Schwächen erkennen und verbessern. „Wir wandeln unsere Stabstruktur um. Neue Stäbe werden zusammengesetzt aus verschiedenen Leuten. Diese haben meistens Kriegserfahrung, aber gar keine oder wenig Stabserfahrung“, erklärt Vladyslav. Deshalb seien die in Hamburg vermittelten Informationen meist neu und nützlich für die Teilnehmenden.

Eines ist Vladyslav besonders wichtig: Der Krieg dauere nicht erst drei Jahre, sondern habe bereits 2014 begonnen. In dem Jahr annektierte Russland die zur Ukraine gehörende Krim. Dennoch betont der Offizier: „Ich werde meine Aufgaben als Soldat solange ausüben, wie es notwendig ist. Ich habe keine physische oder moralische Müdigkeit. Meine Aufgabe ist, die Sicherheit des Staates zu schützen. Wir verteidigen unsere Familien, unsere Lieben und wir vermindern das Kriegspotenzial unseres potenziellen Gegners.“ Ihnen allen sei bewusst, dass sie jeden Moment fallen können. Doch gerade deshalb denke er darüber nach, jetzt eine Familie zu gründen. Denn: „Ich möchte ein Erbe hinterlassen.“

„Wir danken euch“

Pavlo*, ein weiterer ukrainischer Offizier an der Führungsakademie, war Minister in der Ukraine und ist seit Mitte 2025 in den Streitkräften tätig. „Ich wurde nicht gezwungen, es war eine bewusste Entscheidung“, sagt er. Und so habe er die Grundausbildung absolviert – „Schießen, Taktiken, medizinische Ausbildung.“ Er fühle sich geehrt, sein Wissen auch über die deutsche Militärführung zu erweitern. „Wir in der Ukraine wissen, wie viel Deutschland für uns macht. Es ist eine sehr schwierige geopolitische Zeit und alle wollen in Infrastruktur investieren. Alle wollen in Schulen und Krankenhäuser investieren. Alle wollen in Sozialhilfe investieren. Deutschland muss manches opfern, um uns zu helfen, wir schätzen das wert, wir danken euch dafür.“

Der ehemalige Minister Pavlo sitzt vor einem Mikrofon und gibt ZDF ein Interview

Der ehemalige Minister Pavlo* hat Mitte 2025 seine Grundausbildung in der Ukraine absolviert

Bundeswehr

„Dieselbe Sprache sprechen“

Leutnant Volodymyr* ist ein weiterer Teilnehmer. Er berichtet, wie seine Familie aufgrund eines starken Beschusses die Nacht im Keller verbringen musste. „Die Nacht war für mich sehr anstrengend. Ich habe ständig auf das Handy geguckt, ob sie im Netz sind“, sagt er.

In den Jahren 2015/2016 wurde er erstmals als Kraftfahrer mobilisiert, anschließend ging er ins zivile Leben zurück und arbeitete als Jurist. Er hat drei Hochschulbildungen: Er ist Rechtsanwalt für Arbeits- und Zivilrecht, Politologe und studiert Agrarwesen. Letzteres hat einen familiären Hintergrund, wie er berichtet. Sein Vater ist Landwirt. Volodymyr macht sich Gedanken, wie es nach dem Krieg weitergehen könnte: „Ich habe vor, weiter als Rechtsanwalt zu arbeiten, aber wegen des Krieges ist unsere Industrie völlig zerstört. Die Landwirtschaft, also auch der Export, wird in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Um das alles besser zu verstehen, habe ich beschlossen, Landwirtschaft zu studieren.“

Leutnant Volodymyr blickt für ein Porträtfoto in die Kamera

Leutnant Volodymyr* ist im zivilen Leben Rechtsanwalt

Bundeswehr

Seit dem 27. Februar 2022 ist er wieder in der Armee. „Ich muss jetzt lernen, Entscheidungen zu treffen. Wenn ich den Krieg überlebe, dann helfen mir diese Kenntnisse auch im zukünftigen Leben“, sagt er mit Blick auf die Inhalte zur NATONorth Atlantic Treaty Organization, die er an der Führungsakademie lernt. Für ihn sei es wichtig, mit NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitgliedsstaaten, „dieselbe Sprache zu sprechen“ und die Denkweise hinter den Prozessen zu verstehen. Dieses Wissen helfe den Ukrainern, besser zu begründen, wie viel Soldaten, Munition oder auch Material sie bräuchten.

*Name zum Schutz der Person abgekürzt

von Sophie Düsing  E-Mail schreiben

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