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Multinational besetzt

Planen, schützen, Frieden sichern: Trainer für UNUnited Nations-Einsätze üben in Hamburg

Mit dem Train-the-Trainers-Kurs an der Führungsakademie der Bundeswehr macht Deutschland die UNUnited Nations-Initiative „Action for Peacekeeping“ konkret: Hier werden erfahrene Praktiker zu Multiplikatoren geschult, die in ihren Heimatländern UNUnited Nations-Personal auf die komplexen Anforderungen von Friedensmissionen vorbereiten.

Eine Soldatin steht vor Kursteilnehmern, die an Tischen sitzen und zuhören.

Oberstleutnant Hosneara K. gibt den Trainerinnen und Trainern nach einer Unterrichtseinheit Feedback

Bundeswehr/Pieter-Pan Rupprecht

Sie kommen aus Indien, den Philippinen, Bhutan, Ghana und dem Senegal. In Hamburg sind 25 Ausbilderinnen und Ausbilder aus 20 Ländern zusammengekommen, um sich in einem zweiwöchigen Kurs der Vereinten Nationen zu Multiplikatoren für künftige Stabsoffiziere ausbilden zu lassen. Damit Friedensmissionen gelingen, müssen alle Akteure lernen, wie sie zusammenarbeiten, was sie tun können, müssen und dürfen. Der „United Nations Staff Officers Specialised Training Material Training of Trainers Course“ (UNSO STM ToT) ist der erste, der mit externen Teilnehmenden an der Führungsakademie der Bundeswehr durchgeführt wird.

„Gute Absichten sind nicht genug; man muss auch die Grundlagen für einen Einsatz kennen“, sagt Oberstleutnant Karl Rüdiger T., der den Lehrgang an der Führungsakademie im Auftrag der UNUnited Nations organisiert und leitet. Er jongliert in diesen zwei Wochen nicht nur mit Lehrplänen und Evaluationen, sondern auch mit den Bedürfnissen seiner Gäste. Der Ramadan fällt in die Kurszeit: Manche Teilnehmende möchten deshalb bereits um drei Uhr morgens essen, andere bevorzugen fünf Uhr. Wer friert, bekommt – wenn nötig – eine warme Jacke aus dem privaten Kleiderschrank. „Das Wetter und die Temperaturen sind für einige ungewohnt“, lautet sein lakonischer Kommentar zu diesen Extra-Schichten der Fürsorge.

Ein Lehrgang mit gelebter Erfahrung

Sein Werdegang schlägt die Brücke zwischen Einsatzrealität und Ausbildungsraum. In den 1990er-Jahren war Oberstleutnant T. einer der ersten deutschen Militärbeobachter in einer UNUnited Nations-Mission. Er wurde bei einem Einsatz in Georgien entführt und mehrere Tage als Geisel festgehalten. Trotz dieses traumatischen Erlebnisses kehrte er in den Einsatz zurück und war in den folgenden Jahren unter anderem in Bosnien, Afghanistan, Sudan und Südsudan im Auftrag der Vereinten Nationen tätig.  

Neben seinen Einsätzen hat er an UNUnited Nations-Trainingszentren mitgewirkt, Kurse mit aufgebaut und in New York im Bereich Qualitätsmanagement, Ausbildung und Personalplanung für UNUnited Nations-Missionen gearbeitet. Diese Biografie prägt auch den aktuellen Kurs: Wenn er mit den Teilnehmenden über „Best Practices“ und „Lessons Learned“ diskutiert, speist sich das nicht nur aus Handbüchern, sondern aus konkret gelebter Verantwortung in komplexen Einsatzsituationen.

Multiplikatoren für die Feldarbeit

Oberstleutnant Hosneara K. kennt Oberstleutnant Karl Rüdiger T. schon lange. Jetzt ist die Soldatin aus Bangladesch aus dem New Yorker UNUnited Nations-Hauptquartier angereist. „Die Möglichkeiten, die wir hier haben, sind fantastisch“, sagt Oberstleutnant Hosneara K. Begeistert ist sie auch vom Rahmenprogramm: Hafenrundfahrt, Rathaus, eine Einladung in Oberstleutnant Karl Rüdiger T.s Zuhause und ein Abendessen im Traditionslokal „Old Commercial Room.“

Colonel Borey R. aus Kambodscha ist fasziniert von den prächtigen Wohnhäusern in Hamburg. „Es sieht toll aus, aber es ist sehr kalt hier“, sagt er und zeigt die vielen Schichten, die er sich unter der Uniform angezogen hat. Die Teilnehmenden bringen überwiegend eigene UNUnited Nations-Einsatzerfahrung mit – aus Missionen in Afrika, im Nahen Osten, auf dem Balkan oder in Asien. In Planspielen und Gruppenarbeiten entfalten die Trainerinnen und Trainer die neuen Unterrichtsmaterialien entlang von Szenarien, die an reale Missionen erinnern.

Die Themen decken das gesamte Spektrum der Stabsarbeit in UNUnited Nations-Friedensmissionen ab – von Lagebilderstellung, Planung und Berichtswesen über das Zusammenwirken von militärischen, polizeilichen und zivilen Akteuren bis hin zu Rechtsfragen, Mandatsinterpretation und Schutz der Zivilbevölkerung.  

Langfristige Wirkung über Hamburg hinaus

Mit dem UNSO STM Training-of-the-Trainers-Kurs positioniert sich Deutschland nicht nur als verlässlicher Truppensteller, sondern zunehmend als Knotenpunkt im internationalen Ausbildungsnetzwerk der Vereinten Nationen. Was in den Seminarräumen in Hamburg erarbeitet wird, entfaltet seine Wirkung weit über den Standort hinaus: Alle Teilnehmenden kehren als Multiplikator in ihr Land zurück – mit zertifizierten Materialien, einem gemeinsamen Qualitätsverständnis und einem internationalen Netzwerk, auf das man in der täglichen Trainingspraxis zurückgreifen kann.  

„Die unterschiedlichen Erfahrungen der Teilnehmenden kann unser erfahrenes Team vor Ort gut zusammenführen und so einen Mehrwert für alle generieren“, sagt Oberstleutnant Karl Rüdiger T. Schon hier in Hamburg sind die Eigenschaften gefragt, die auch im Einsatz nötig sind. Das sind laut ihm: Motivation, Geduld, Toleranz, Flexibilität, und man muss Menschen mögen.

von Jutta  von Campenhausen  E-Mail schreiben

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