Heer

„Ich bin froh, dass die Soldaten hier sind“

„Ich bin froh, dass die Soldaten hier sind“

  • Corona-Impfung
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Datum:
Ort:
Lebach
Lesedauer:
4 MIN

Die Zahl der Corona-Infizierten sinken zurzeit, allerdings müssen, um auf den Herbst und eine mögliche vierte Welle vorbereitet zu sein, allein in Deutschland noch mehr als 40 Millionen Menschen geimpft werden. Dazu trägt auch das zivil geführte, aber vollständig militärisch betriebene Impfzentrum in Lebach teil. Seit sechs Wochen sind jetzt auch Soldaten der Fernmeldekompanie des Eurocorps mit von der Partie.

Ein Soldat sitzt vor einem PC. Vor ihm, durch eine Kunststoffscheibe getrennt, stehen zwei ältere Damen mit Mundschutz.

Am Check-in-Schalter werden die Daten der Impfwilligen überprüft und abgefragt, der Ablauf des Impfvorgangs erläutert.

Bundeswehr/Bastian Koob

Mittwoch, Nachmittag in Lebach, Saarland. Bei sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein bereiten sich die Soldaten der Fernmeldekompanie des Eurocorps auf die Spätschicht vor. Seit rund vier Wochen unterstützen 20 Soldaten in zwei Schichten die organisatorischen Abläufe im Impfzentrum. Bisher war dies in der Nachtschicht der Fall, die von Mitternacht bis morgens um sieben ging, denn das Impfzentrum ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche in Betrieb. Seit heute ist es die Spätschicht. Normalerweise unterstützen die Soldaten den Gefechtsstandbetrieb des Eurocorps, verlegen Kabel, schließen Verbindungen und administrieren die zugehörigen ITInformationstechnik-Netzwerke. Nun organisieren sie den Ablauf im Impfzentrum. Für Kompaniechef, Hauptmann Sven Peter, ist es Ehrensache sich und seine Kompanie einzubringen: „Wir sind den Auftrag Impfzentrum proaktiv angegangen, immerhin liegt das Impfzentrum in unserer Kaserne, da unterstützen wir gern.“

Jeder beherrscht jede Aufgabe

Ein Soldat hält ein kontaktloses Infrarot-Thermometer an den Hals eines Zivilisten und misst dabei seine Körpertemperatur.

Im Eingangsbereich des Impfzentrums wird bei jedem Impfwilligen zunächst die Körpertemperatur gemessen.

Bundeswehr/Bastian Koob

Ab 15 Uhr beginnt die Spätschicht. Alle Soldaten gehen routinemäßig auf ihre Posten. Die Bandbreite der Aufgaben reicht von der Prüfung an der Einfahrt zum Impfzentrum, der Unterstützung von gehbehinderten Personen mit Rollstuhl oder Trage, Fiebermessen, dem Terminmanagement bis zur Begleitung der Impfberechtigten zu ihrer Impfkabine. Um Ausfälle bestmöglich kompensieren zu können und für ein bisschen Abwechslung zu sorgen, rotieren die Soldaten regelmäßig durch die Aufgaben. Damit wird gewährleistet, dass jeder jede Aufgabe beherrscht und verzugslos einspringen kann.

Kernelement ist neben der eigentlichen Impfung, die durch Bundeswehrärzte vorgenommen wird, der Check-in. Begrüßt mit einem freundlichen „Guten Tag, bitte einmal zu mir“, müssen alle Impfwilligen ihn durchlaufen. Hier werden nicht nur der Termin, sondern auch Impfpriorität, Fragebogen, potenzielle Allergien und Medikamenteneinnahme abgefragt und in ein zentrales System eingegeben. Jeder Impfwillige ist in diesem System eindeutig zugeordnet, das trifft auch auf den Impfstoff zu, erklärt der Schichtleitende Hauptfeldwebel Robert N.: „Das System stammt aus dem zivilen Bereich, in dem die Patientendaten eingegeben werden. Der jeweilige Impfstoff wie Moderna oder Biontech wird mit einer Farbe hinterlegt, sodass es zu keinen Verwechslungen kommen kann.“

Zum Dank 16 Kilo Schokolade

Zivilisten sitzen in Abständen auf Stühlen und warten, bis sie aufgerufen werden.

Die Impfwilligen warten auf den Picks und werden durch den Kreislauf begleitet. Die Abfertigung pro Person dauert etwa 30 Minuten.

Bundeswehr/Bastian Koob

Danach kommen die Impfwilligen in den Warteraum. Obwohl der einem Wartesaal bei einer Behörde ähnelt, gibt es einen wesentlichen Unterschied: Jede Person wird nach Aufruf durch einen Soldaten zu seiner Impfkabine begleitet. Auf diese Weise kommt jeder Impfwillige zur richtigen Zeit zur richtigen Kabine. Ein Service, der bei den Menschen ankommt, wie eine ältere Dame, die gerade zum Impfen eincheckt, bestätigt: „Ich bin froh, dass die Soldaten hier sind.“ Aber auch die Soldaten nehmen die Dankbarkeit der Menschen wahr, wie zum Beispiel Oberfeldwebel Sebastian S. vom Check-in: „Die Resonanz ist sehr positiv. Wir bekommen sogar regelmäßig etwas geschenkt. Ein Mann hat für das Team 16 Kilogramm Schokolade mitgebracht.“ Dies lässt sich auch an den Dankeskarten im Pausenraum der Soldaten ablesen.

1.000 Impfungen pro Tag

Vor drei Schaltern, hinter denen Soldaten sitzen, stehen vier Zivilisten. Über den Schaltern ein Schild, darauf steht Check-out.

Die Geimpften können ihre Impfausweise und Unterlagen an Check-out-Schaltern abholen.

Bundeswehr/Bastian Koob

Nach dem Impfen geht es für jeden Geimpften wieder für 15 Minuten in einen Warteraum. Er dient aber nur zur Sicherheit, um auf eventuelle Nebenwirkungen schnell reagieren zu können. Währenddessen werden die Impfunterlagen der Patienten in das System eingescannt und beim jeweiligen Patienten hinterlegt. Auf diese Weise kann bei der Zweitimpfung Zeit gespart werden und zum Beispiel der dafür notwendige Impfstoff vorweg geplant werden.

Rund 30 Minuten dauert ein Durchgang pro Person, vom Fiebermessen am Eingang bis zur Entlassung aus der Beobachtung. Maximal 70 Personen dürfen sich im Kreislauf aufhalten, damit es zu keinen Staus kommt. Alle Personen darüber müssen aus Sicherheitsgründen zunächst bei ihren Fahrzeugen bleiben. Die Verfahrensabläufe sind eingespielt, nichts wird dem Zufall überlassen. Nur so lässt sich die Zahl von über 1.000 Impfungen pro Tag bewerkstelligen.

Neue Aufträge warten

Die Soldaten der Fernmeldekompanie des Eurocorps werden noch bis mindestens 30. Juni im Impfzentrum eingesetzt sein. Danach werden sie sich, sofern sich der positive Trend so weiter fortsetzt, wieder auf ihren Kernauftrag, die Unterstützung des multinationalen Korpsstabs Eurocorps in Straßburg konzentrieren. Immerhin beginnt ab Januar 2022 eine ganze Übungsserie, an deren Ende die Zertifizierung als Multinational Joint Headquarters (Multinationales Kommando Operative Führung) für die NATO steht. Bis dahin hören die Bürger das freundliche: „Guten Tag, bitte einmal zu mir!“

von Torsten Stephan

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