Infanterieschule
Erfahren Sie mehr über die Infanterieschule aus Hammelburg in Bayern, ihre Soldatinnen und Soldaten und die Ausbildung.
Seit nun mehr als 30 Jahren lässt die Luftwaffe bestimmtes Personal an der Infanterieschule in Hammelburg ausbilden. Die Einrichtung ist die Alma Mater der deutschen Infanterie. Wie läuft die Ausbildung aktuell? Das erfährt Generalleutnant Ansgar Rieks, Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe, bei seinem Besuch am Lagerberg.
Der Leitende der Ausbildung (M.) weist die beiden Generale, Generalleutnant Ansgar Rieks (l.) und Brigadegeneral Michael Matz (r.) auf der Schießbahn in den Ablauf der Ausbildung ein
Bundeswehr/Andrea RippsteinEine dunkelblaue Limousine rollt durchs Kasernentor, „blau, passt ja thematisch zur Luftwaffe“, witzelt Brigadegeneral Michael Matz, General der Infanterie und Kommandeur der Infanterieschule, als das Dienstfahrzeug von Rieks im Eingangsbereich der Kaserne hält. „Im Anschluss an die Briefings geht’s auf den Platz“, beschreibt der hiesige Kommandeur den Ablauf nach der Begrüßung. Gemeint ist der Truppenübungsplatz Hammelburg. Dort erhalten die Angehörigen der beiden Luftwaffeninspektionen gerade verschiedene Ausbildungen. In zwei Inspektionen üben die Soldaten das Schießen mit der Panzerfaust oder werden geschult im urbanen Kampf, englisch Military Operations in Urban Terrain, kurz MOUTMilitary Operations in Urban Terrain. In Hammelburg trainieren die Luftwaffensoldaten unter anderem auch den Waldkampf.
Aber nicht jeder Luftwaffensoldat erhält hier eine Ausbildung, sondern konkret Offiziere, Offizieranwärter und Feldwebelanwärter, die für Führungsverwendungen im spezialisierten Infanteristischen Objektschutz vorgesehen sind. Sie erhalten hier nach ihrer allgemein militärischen Laufbahnausbildung eine mehrteilige lehrgangsgebundene infanteristische Grundlagenausbildung, die für Feldwebelanwärter auch die militärfachliche Laufbahnausbildung bildet.
Generalleutnant Ansgar Rieks zusammen mit Brigadegeneral Michael Matz vor dem Stein der Infanterie
Bundeswehr/Andrea RippsteinAuf der Schießbahn angekommen, meldet der dortige Leitende, Hauptmann Thomas Ziegenhan, dem Luftwaffengeneral zur Begrüßung und stellt ihm den Ablauf der Übung vor. Im Hintergrund spricht Matz bereits mit den Trainingsteilnehmern. Er ist sichtlich erfreut über die interessante Ausbildungsgruppe, an der beispielsweise auch Kampfretter teilnehmen. Auch Rieks spricht mit den Trainingsteilnehmern. Im Gespräch erinnert er sich zurück an seine Ausbildung, die auch ihn einmal vor vielen Jahren auf dieselbe Schießbahn geführt hat. Die Trainingsteilnehmer fühlen sich wahrgenommen und freuen sich über den Besuch: „Ich bin wirklich begeistert, so hohen Besuch habe ich bisher noch nicht erlebt, und dann noch so nah und menschlich, Wahnsinn“, sagt einer der Teilnehmer.
Auch in Bonnland, einem Übungsdorf inmitten des Übungsplatzes, werden die Luftwaffensoldaten ausgebildet
Bundeswehr/Andrea RippsteinNach einem Standortwechsel auf dem riesigen Übungsgelände der Schule geht es nun zur zweiten Station. Angekommen in Bonnland, einem Übungsdorf, warten bereits Hauptmann Marcel Köhler und Oberfeldwebel Tim Maurer mit dem zweiten Hörsaalteam, der VII. Inspektion, auf die beiden Generale. Was sind die Besonderheiten der Luftwaffe im urbanen Umfeld? Denn wie der Inspektionschef beschreibt: „Wir kennen unsere Häuser im Vergleich zum Heer.“ Damit ist nicht gemeint, dass sich die Heeresinfanterie nicht im Ortskampf auskennt, sondern, dass der Schwerpunkt ein anderer ist. Die Infanterie der Luftwaffe ist für den Schutz von Luftwaffenobjekten ausgebildet und somit im Schwerpunkt in eigener Infrastruktur und in der Peripherie eingesetzt. Diese kennt die eigene Truppe schlichtweg besser, als fremdes Gebiet, in der die Heeresinfanterie im Angriff oder der Verteidigung vorgeht. Nach dem Mittagessen zeigen die Lehrgangsteilnehmer, wie sie als Sturmgruppe im Angriff auf ein Gebäude agieren.
Die Generale Rieks (l.) und Matz (M.) mit einem Leitenden: Ein lauter Knall, Rauch und Soldaten im Sprung. Es dauert nur wenige Sekunden bis die Lehrgangsteilnehmer aus der „letzten Deckung“ die „Einbruchstelle“ genommen haben.
Bundeswehr/Andrea RippsteinRatternde Maschinengewehre der Deckungsgruppe, zwei Nebeltöpfe und ein Sturmtrupp, der sich aus dem Wald annähert, leiten das Szenario ein. Absicht der Gruppe: Das Gebäude „feindfrei“ kämpfen. Gemäß Lageinformation halten sich dort gegnerische Kräfte auf. Deswegen hat die Deckungsgruppe vorerst das Gebäude „sturmreif“ geschossen. „Das gefällt mir. Ein gutes Abzugsverhalten des MG-Schützen“, wirft Matz ein: „Ich habe das auch schon anders erlebt, da war am Ende noch zu viel Krieg und zu wenig Munition.“ Mit der richtigen Schießtechnik gelingt es dem Einzelschützen, in einer taktischen Lage Munition zu sparen.
Nachdem der Angriff abgeschlossen ist, sammeln sich die Lehrgangsteilnehmer vor dem Gebäude. Hier spricht Ausbilder Oberfeldwebel Maurer die Situation zur Auswertung nach. Dann übernimmt Matz: „Guten Tag Kameraden, sehr ordentlich, was ich hier gesehen habe und Besuch habe ich ebenfalls mitgebracht.“ Rieks fügt hinzu: „Gefällt mir, gefällt mir sehr. Wenn man so etwas nicht jeden Tag sieht, dann erkennt man gar nicht, wie viel Arbeit hier drinsteckt.“ Knappe sechs Monate Ausbildung im infanteristischen Kampf liegen bereits hinter den Lehrgangsteilnehmern. Auch ein Hundeführer ist dabei. Interessiert fragt der Generalleutnant, ob der Hund auch mal durch die anderen Soldaten geführt werde. Worauf der Hundeführer entschlossen und mit einem Lächeln entgegnet: „Auf gar keinen Fall, wir gehören zusammen, immer, 24 Stunden.“
An der letzten Station des Tages steht an: Durchkämmen eines Waldstücks mit den künftigen Zugführern der Luftwaffensicherungstruppe.
Die Dienstaufsicht führt die Generale Matz und Rieks zur Station Waldkampf. Am Geländesandkasten gibt der eingeteilte Soldat einen Befehl aus.
Bundeswehr/Andrea RippsteinEin großer Geländesandkasten erwartet den Besuch vor Ort, an dem sich die Lehrgangsteilnehmer zur Befehlsausgabe einfinden. An einem Geländesandkasten wird das taktische Vorgehen der Truppe modellhaft und für alle Soldaten anschaulich durchexerziert. Die Aufregung des eingeteilten Zugführers ist jetzt deutlich spürbar - verständlich, wenn zwei Generale dem Befehl lauschen. Interessiert halten sich die beiden im Hintergrund und folgen dem Zugführer aufmerksam. Nickende Gesten und bestätigende Gesichtsausdrücke lassen durchscheinen, dass der Zugführer seinen Job wohl ganz gut macht.
Nicht nur in dieser taktischen Lage beeindruckt die Zusammenarbeit zwischen Luftwaffe und Heer am Standort Hammelburg die beiden Generale. Für sie ist die gemeinsame Ausbildung ein weiteres Beispiel für professionellen und unkomplizierten Umgang von Luftwaffe und Heer sowie ihrer motivierten Soldatinnen und Soldaten.
Die Luftwaffensicherungstruppe ist ein Teil der Familie der Infanterie. Seit über 30 Jahren wird an der Infanterieschule in Hammelburg der Führernachwuchs der Objektschutzkräfte der Luftwaffe zu qualifizierten Spezialisten ausgebildet.