Heer

Bayerwaldgrenadiere trainieren mit aufgerüstetem Puma

Bayerwaldgrenadiere trainieren mit aufgerüstetem Puma

  • Modernisierung
  • Heer
Datum:
Ort:
Regen
Lesedauer:
4 MIN

Dass der Bayerische Wald besonders günstige Bedingungen für Raubtiere bietet, ist nicht erst seit der gelungenen Wiederansiedlung des Luchses bekannt. Auch bei der Einführung des Schützenpanzers Puma kann man von einer Erfolgsgeschichte sprechen.

Drei Schützenpanzer fahren im Abstand von 50 Metern hintereinander auf einer Landstraße.

Neues Bild bei der Truppe: Eine Kompanie des Panzergrenadierbataillons 112 ist mit dem VJTFVery High Readiness Joint Task Force Puma auf dem Marsch.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Die im bayerischen Cham stationierte Panzerbrigade 12 verfügt über zwei Panzergrenadierbataillone, die beide mit dem Schützenpanzer Puma ausgestattet sind. Mit dem Panzergrenadierbataillon 112 aus Regen weiß man das am modernsten ausgestattete Kampftruppenbataillon des Heeres in seinen Reihen. Das Bataillon verfügt seit dem letzten Jahr über die neuesten Versionen des Schützenpanzers Puma und des Systems Infanterist der Zukunft (IdZ). Das IdZ-System ist die persönliche Führungsausstattung für die abgesessenen Schützentrupps in der Version für die Very High Readiness Joint Taskforce (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ). Bereits im Jahr 2022 wird der Verband die Panzergrenadierkräfte in der Stand-up-Phase für die Schnelle Eingreiftruppe der NATO stellen.

Der Weg dorthin ist mit Herausforderungen verbunden, aber auch mit großen Fortschritten und einer stetigen Erweiterung der Fähigkeiten der Grenadiere an den Standorten Regen und Oberviechtach. Die Einführung des Pumas begann in Regen im Jahr 2016. Das Panzergrenadierbataillon 122 folgte ein Jahr später. Mit der Einführung war es zunächst notwendig, das gesamte Personal der Verbände umzuschulen, konkret: alle Kraftfahrer, Richtschützen, Kommandanten und Schießlehrer bis hin zum Instandsetzungspersonal. Das war ein erheblicher Umfang und Aufwand. Schließlich stellt der Puma im Vergleich zum Vorgänger Marder einen technologischen Quantensprung dar. Im Mittelpunkt standen die Einzelausbildung und die technische Schulung.

Instandsetzung in Eigenregie nun möglich

Ein kleiner, mobiler Kran steht vor einem Panzer. Soldaten stehen auf und neben dem Panzer.

Die Instandsetzer des Versorgungsbataillons 4 aus Roding und Pfreimd sind eingespielt. Sie nehmen an dem neuen Schützenpanzer Puma nun in Eigenregie Reparaturarbeiten vor, die zuvor die Industrie übernahm.

Bundeswehr/Versorgungsbataillon 4

Neben ersten Versuchsdurchgängen im Schießübungszentrum (SchÜbZ) in 2017 und dem Abschluss der Umschulung des Verbandes hat das Panzergrenadierbataillon 112 zwei Jahre später gezielt mit der Intensivierung der Zugausbildung begonnen. Dadurch war es den beiden Puma-Verbänden möglich, bereits 2019 drei Panzergrenadierkompanien im SchÜbZ einzusetzen.

Auch 2020 wurde unter Corona-Bedingungen weiter ausgebildet. Ende des Jahres waren weitere zwei Panzergrenadierkompanien mit insgesamt 34 einsatzbereiten Schützenpanzern im SchÜbZ. Mit dabei war auch erstmals militärisches Instandsetzungspersonal der Brigade. Das Versorgungsbataillon 4 aus dem bayerischen Roding stellte Instandsetzungs-, Nachschub- und Transportkräfte zur Verfügung, um die notwendige Einsatzbereitschaft für die mehrwöchige Ausbildung auf dem Übungsplatz Munster durchgängig zu gewährleisten. Das technisch-logistische Zusammenwirken der Truppengattungen ist der Schlüssel zum Erfolg auf dem Gefechtsfeld. Um das zu erreichen, wurde das dringend benötigte Personal in der Industrie und an der Technischen Schule des Heeres in Aachen an dem neuen Schützenpanzer ausgebildet. Jetzt zeigt sich: Die Professionalisierung und forcierte Ausbildung der militärischen Instandsetzungskräfte der Brigade war ein wesentlicher Faktor in der kontinuierlichen Steigerung der Verfügbarkeit der Pumas für Ausbildung und Übung und dessen Kriegstauglichkeit.

Bis dahin erfolgten die Reparaturen im Wesentlichen noch durch die Industrie selbst. In Verbindung mit der Weiterentwicklung von technischen Vorschriften und Handlungsanweisungen übernehmen die „Profi-Schrauber in Uniform“ immer mehr Verantwortung. So äußert sich der Schirrmeister der 3. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 112 begeistert: „Zusammen mit unseren Kameraden aus Pfreimd und Roding sind wir Heeresinstandsetzer jetzt eigenständig und unabhängig in der Lage, Schäden aufzunehmen, unmittelbar selbst zu beheben oder eine zielgerichtete Instandsetzung einzuleiten.“

Neueste Ausbaustufe bewährt sich

Ein Panzer steht auf einer verschneiten Betonfläche und hat den Turm 45 Grad eingedreht.

Der VJTFVery High Readiness Joint Task Force Puma ist die neueste Version des modernen Schützenpanzers.

Bundeswehr/Panzergrenadierbataillon 112

Der bisherige Höhepunkt im Fähigkeitsaufbau mit dem Puma kam aber in Form der letzten, überarbeiteten Version des Schützenpanzers: dem VJTFVery High Readiness Joint Task Force Puma. Diese neueste Version konnte nach einer strengen Überprüfung durch das Amt für Heeresentwicklung und das Panzergrenadierbataillon 112 im Februar 2021 seine nochmals gesteigerte Leistungsfähigkeit im Vergleich zum bisherigen Puma zeigen. Neben einer umfassenden Verbesserung mit neuen Sichtmitteln verfügt der Puma mit dem System MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System jetzt über eine fest eingebaute Panzerabwehrwaffe.

Bereits im März erfolgte dann der Einsatz des VJTFVery High Readiness Joint Task Force Puma im Schießübungszentrum. Zwei Panzergrenadierkompanien des besagten Bataillons, dabei eine Kompanie vollständig mit dem VJTFVery High Readiness Joint Task Force Puma ausgestattet, übten das Gefecht auf dem Übungsplatz Munster. Mit dabei auch wieder die Versorger aus Pfreimd und Roding, die neben den Grenadieren aus Regen in der VJTFVery High Readiness Joint Task Force eingesetzt werden. Die Profis des Versorgungsbataillons 4 zeigten eindrucksvoll ihr Können und hielten die Einsatzbereitschaft aller 30 Schützenpanzer bei hervorragenden 90 Prozent.

Marder-Nachfolger bringt Überlegenheit im Gefecht

Blick auf einen Display mit einem Luftbild, auf dem militärische Symbole eingetragen sind.

Das Lagebild des Zugführers im Schützenpanzer Puma, wie hier während einer Gefechtsübung des Panzergrenadierbataillons 112, ist heutzutage digital.

Bundeswehr/Panzergrenadierbataillon 112

Die Ergebnisse des Übungsdurchgangs bestätigten die bereits gewonnenen positiven Erkenntnisse. Dass der Puma über eine wesentlich höhere Feuerkraft, Geschwindigkeit und Schutzausstattung verfügt als der Marder, war keine Überraschung. Mit dem neuen Führungssystem zeigte sich aber nochmals eine weitere Steigerung. Die eingesetzten VJTFVery High Readiness Joint Task Force Pumas waren in der Lage, erstmals eine Führungsüberlegenheit herzustellen, die es vorher in diesem Maße noch nicht gegeben hatte. So konnte der Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 112, Oberstleutnant Germar Lacher, feststellen: „Vom Gruppenführer bis hin zum Kompaniechef ist nun ein präzises Lagebild sowohl durch den Puma als auch für die abgesessenen Kräfte mithilfe des neuen IdZ in Echtzeit verfügbar. Das Lagebild ist wiederum die Grundlage für eine bessere und schnellere Befehlsgebung.“ Auch die Sicherheit der Soldaten erhöht sich dadurch, weil so Ausfälle durch sogenanntes friendly fire, die versehentliche Bekämpfung eigener Kräfte, verhindert werden können.

Nach fünf Jahren Schützenpanzer Puma in der Panzerbrigade 12 lässt sich feststellen, dass sich die Raubkatze im Bayerischen Wald etabliert hat und die Soldaten sie immer besser beherrschen. Die Vorbereitungen auf die VJTFVery High Readiness Joint Task Force laufen damit auf Hochtouren und die Panzergrenadiere aus Regen und die Versorger aus Roding und Pfreimd freuen sich auf die anstehende Aufgabe.

von Germar Lacher

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