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Bis Hände und Füße glühen

Bis Hände und Füße glühen

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bischofswiesen
Lesedauer:
3 MIN

Gebirgsjäger sind dafür bekannt, in jedem Gelände und unterschiedlichen Klimaregionen eingesetzt zu werden. Die Jäger des Hochgebirgsjägerzuges sind besonders ausgewählt und leistungsfähig. Elf Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen wollen Teil dieses Zuges werden und stellen sich einer anspruchsvollen Aufnahmeprüfung.

Ein Soldat marschiert an einem bewaldeten Berg einen grauen Schotterweg hoch.

Die letzten Meter zur Blaueishütte: Der Berglauf ist ein kräftezehrender Prüfungsteil.

Bundeswehr/Tobias Jesse

Hochgebirgsjägerzüge sind besondere Teileinheiten in den deutschen Gebirgsjägerbataillonen. Sie sind stationiert in Bad Reichenhall, Bischofswiesen und Mittenwald. Doch was zeichnet die Soldatinnen und Soldaten in diesen Zügen aus? Hochgebirgsjäger qualifizieren sich durch besonders ausgeprägte körperliche Fitness und zusätzlich durch ihre professionellen alpinistischen und skiläuferischen Fähigkeiten. Ihr Können im alpinen Gelände unterscheidet sich daher noch einmal von gewöhnlichen Einheiten der Gebirgstruppe.

Warum gibt es Hochgebirgsjägerzüge? Sie sind als alpine Spezialisten dazu in der Lage, sogar in besonders schwierig begehbarem Gebirgs- und in Klettergelände zu kämpfen. Bevor jedoch aus einem Gebirgsjäger ein Hochgebirgsjäger wird, muss dieser vorher regelmäßige Konditions- und Kletterprüfungen sowie eine harte Aufnahmeprüfung absolvieren. Erst dann können sie Teil dieses speziellen Zuges werden. Nach teils weniger als drei Monaten Dienstzeit stellen sich jetzt elf Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen dieser anspruchsvollen Aufgabe. Sie müssen alles geben.

Vierteilige Prüfung

Zwei Soldaten stehen mit ihren Rücken zur Kamera. Einer überprüft den angelegten Klettergurt des anderen.

Der Zugführer des Hochgebirgsjägerzuges überprüft den korrekten Sitz des Klettergeschirrs.

Bundeswehr/Oliver Keller

Die Prüfung besteht insgesamt aus vier Teilen und erfordert von den Soldaten besondere Koordination, Kraft und Ausdauer und beansprucht ihre Psyche. Begonnen wird mit einem kräftezehrenden Berglauf. Es geht zügig hoch zu einem bestimmten Punkt. Anschließend erwartet jeden Anwärter eine Kletterprüfung in der Kletterhalle, gefolgt von einem 7.000 Meter-Gepäcklauf und abschließend eine Skiprüfung – ohne Vorkenntnisse hat der Prüfungsteilnehmer keine Chance. Die Skiprüfung findet erst zum Jahresende im Winter statt.

Jetzt nicht abreißen lassen: „Auf meine Höhe!“

In den frühen Morgenstunden geht es für die Teilnehmer zunächst zum Berglauf. Das Ziel: die idyllisch gelegene Blaueishütte. Sie liegt in den Berchtesgadener Alpen im Hochkaltergebiet, in der Nähe vom Ramsau am Hintersee. Doch von der Idylle erleben die Anwärter bei ihrer Prüfung eher wenig. Das Tempo wird nämlich von einem erfahrenem Hochzügler, wie sie unter den Gebirgsjägern genannt werden, vorgegeben. Immer unter der Prämisse „Meine Höhe!“ folgen die Teilnehmer fest entschlossen ihrem „Pacemaker“, mit 15 Kilogramm schweren Rucksäcken. Die Teilnehmer sind, für Gebirgsjäger typisch, hoch motiviert und definitiv nicht von schlechter Kondition. Trotzdem wird nicht jeder von ihnen den fordernden Ansprüchen der Ausbilder standhalten. Bereits beim Berglauf hoch zur Blaueishütte wird ein Anwärter vom laufenden Auswahlverfahren abgelöst – er war zu langsam. „Berggehen“ nennen die besonderen Gebirgsjäger den Berglauf ein wenig untertrieben. Bei diesem Lauf müssen sie beinahe fliegend 750 Höhenmeter pro Stunde mit ihrem Gepäck überwinden. Nichts für Untrainierte.

Drei Routen sind zu klettern

Ein Soldat klettert an einem Seil eine blaue Kletterwand in einer Halle hoch.

Für diesen Soldaten war das Klettern kein Problem. Sicher meistert er alle drei gesteckten Routen.

Bundeswehr/Tobias Jesse

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt den Anwärtern nach dem Auf- und Abstieg nicht. Wer die Strapazen durchgestanden hat, den erwartet anschließend die Kletterprüfung in der Kletterhalle am Standort Strub in Bischofswiesen. Hier gilt es, drei vorgegebene Routen mit einem Mix aus Koordination, Technik und Kondition zu erklettern – nach einem kraftintensiven Berglauf keine leichte Aufgabe.

An der Kletterwand ist die Prüfung noch nicht zu Ende. Nachmittags steht bei den Teilnehmern die letzte Station, der 7.000 Meter Lauf mit 20 Kilogramm Gepäck, auf dem Plan. Dazu fahren die Soldaten von der Kaserne in Strub direkt zum Königssee, wo die Rekruten ihre verbleibenden Kräfte ein letztes Mal mobilisieren müssen. Am Ende des Tages bleiben von den elf angetretenen Kameraden neun übrig. Sie dürfen nun die anspruchsvolle und interessante Ausbildung im Hochgebirgsjägerzug der Struber Jager absolvieren.

Nach der Aufnahmeprüfung

Ein Soldat in weißer Uniform klettert am Seil eine weiße Eiswand hoch.

Die Soldaten des Hochgebirgsjägerzuges erhalten spezielle Ausbildungen in alpinem Gelände.

Bundeswehr/Johannes Heyn

Hochgebirgsjäger erhalten eine besondere Ausbildung. Neben der militärischen Ausbildung, also dem Gefechtsdienst im Hochgebirge mit Aufklärung, Angriff und Verteidigung sowie besonderen Gefechtshandlungen, wie Handstreich und Hinterhalt im Jagdkampf, wird unter anderem die behelfsmäßige und planmäßige Bergrettung, die Orientierung in schwierigem Gelände und das Überleben im Gebirge vermittelt und trainiert. Außerdem werden ständig ihre alpinen Fähigkeiten geschult. Regelmäßige Bergläufe und Märsche bilden einen wichtigen Teil ihres Dienstalltags, um die eigene Kondition zu verbessern.

Diese Extremsituationen verlangen jedem Einzelnen eine intensive geistige und körperliche Vorbereitung ab. Im Ernstfall kämpfen die Soldaten des Hochgebirgszuges nicht nur mit dem Feind, sondern zusätzlich auch mit den alpinen Gefahren. Um zu bestehen, zählt ein sehr gut aufeinander abgestimmtes Vorgehen in den jeweiligen Gruppen dieses besonderen Zuges. Die Einheit lebt von der Kameradschaft untereinander, denn am Berg muss man sich auf seinen Nebenmann zu 100 Prozent verlassen können.

von Tobias Jesse

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