Heer
Der TÜV des Heeres

Nach der Einsatzprüfung ins Gefecht

Nach der Einsatzprüfung ins Gefecht

Datum:
Ort:
Köln
Lesedauer:
3 MIN

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Ob Wüstensand, eisige Kälte im Norden oder neblige Herbsttage in Deutschland: Bevor Helme, Funkgeräte und Fahrzeuge im Einsatz oder bei Übungen eingesetzt werden, kommt die Einsatzprüfung. Erst wenn feststeht, dass Ausrüstung und Systeme das leisten, was sie leisten sollen, gibt es grünes Licht für die Truppe. Das Amt für Heeresentwicklung in Köln ist ein wichtiger Player, wenn es darum geht Einsatzreife zu attestieren.

Ein getarnter Schützenpanzer kommt aus dem Dickicht hervor.

Der Schützenpanzer Puma ist seit 2015 an der Seite der Soldaten und wird bis heute Stück für Stück angepasst.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Oberstleutnant Kim Feilcke führt beispielsweise das Team taktische Einsatzprüfung Schützenpanzer Puma. Werde ein Waffensystem eingeführt oder weiterentwickelt, würden die Entwickler im Amt für Heeresentwicklung eng mit der obersten Beschaffungsbehörde der Bundeswehr, dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung Bundeswehr in Koblenz, kurz BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, und das sei wichtig, sehr eng mit der Truppe selbst zusammenarbeiten.

Das Bundesministerium der Verteidigung leitet aus dem politischen Prozess das Fähigkeitsprofil ab, also was die Soldaten können müssen. Die Truppe ist der Kunde: Die Soldatinnen und Soldaten müssen am Ende mit dem Produkt arbeiten können. Danach richten sich auch die Fähigkeitsentwickler im Amt für Heeresentwicklung. Sie nutzen das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr als Leitschnur.

Amtsschreibtisch versus Übungsplatz

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Simulatorgestützte Ausbildung ist ein Bereich, der per taktischer Einsatzprüfung das „Go“ für die Ausbildung erhält.

Eine Einsatzprüfung zeige, ob neue Geräte oder auch weiterentwickelte Geräte sich für die Ausbildung oder den Truppenalltag eignen. Dies erfolge anhand taktischer Grundsätze sowie der Methodik der Ausbildung, beschreibt Feilcke. Gemeinsam mit der Truppe wird geprüft, ob Soldaten der Panzergrenadiertruppe zum Beispiel den Schützenpanzer Puma im täglichen Dienst einwandfrei einsetzen können. So haben die Soldaten um das Team der Einsatzprüfung Puma im November 2019 gemeinsam mit der Panzergrenadiertruppe am Standort Munster die Ausbildungsanlage Turm, kurz AAT, einer umfassenden Prüfung unterworfen. Ein Ziel dieser fünftägigen taktischen Einsatzprüfung war es, den Turmsimulator auf seine Eignung für die Ausbildung in der Truppe zu testen. Zukünftig soll in jedem Panzergrenadierbataillon die Ausbildung zum Richtschützen und Kommandanten für den Schützenpanzer Puma durch eine Ausbildung an der AAT ergänzt werden. So wird ein Rüstungsprojekt Schritt für Schritt vorangetrieben.

Fragen der Zukunft

Gemeinsam mit der Truppe und der Industrie macht das Amt für Heeresentwicklung in Köln Waffensysteme und Ausrüstungsgegenstände fit für den Einsatz. Aber auch nach der Einführung entwickelt das Amt die Systeme ständig weiter, damit die Soldaten auch in Zukunft professionell ausgestattet sind. Es geht dabei nicht immer nur um Material, sondern um die Zukunftsfähigkeit des gesamten Heeres. Das Amt ist vergleichbar mit einem Fernlicht bei einem Auto, das einen weiten Blick in die Zukunft ermöglicht. Seine Mitarbeiter fragen immer: Wie muss das Heer in zwanzig Jahren ausgestattet, aufgestellt und ausgebildet sein? Aus jedem Bereich des Heeres arbeiten Vertreter, die aus einer langjährigen Erfahrung in der Truppe schöpfen, an der „Zukunft des Heeres“. Mit einem breiten Ansatz, also über alle Bereiche der Ausrüstung hinweg, stimmen die Entwickler die verschiedenen Rüstungsprojekte des Heeres nebeneinander und aufeinander ab.

Modellpflege? Richtig fertig wird es nie

Aus einer großen Fahrzeughalle rollt ein Panzer heraus.

Markant: An dem erhöhten Turmaufbau und der, in Fahrtrichtung links, angebrachten Waffenanlage MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörpersystem ist der Puma VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 deutlich zu erkennen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Rüstungsprojekte sind langwierig, das liegt auf der Hand. Weltweite Bedrohungslagen unterliegen dem steten Wandel. Technologien der Industrie verändern sich zudem rasant und nicht zuletzt ändern sich finanzielle Rahmenbedingungen ständig. Diese und eine Vielzahl diffiziler Faktoren beeinflussen die Entwicklung, nicht nur des Schützenpanzers Puma, sondern der gesamten Ausrüstung der Bundeswehr.

Die gesamten technischen Anpassungen sind mit der Autooptimierung im privaten Bereich vergleichbar. Es erfolgt eine Art Modellpflege, mit der das Gerät und die Ausrüstung an neue Herausforderungen und Gegebenheiten angepasst werden. Ob ein solcher Schritt gelungen ist, prüfen die Soldaten aus Köln mit der Truppe. So wird etwa der Puma Schritt für Schritt immer etwas besser. Doch auch dann ist es bis zum Siegel „Kriegstauglichkeit“ noch ein weiter Weg. Neben der Einsatzprüfung im Gelände muss sich jedes Waffensystem zudem im Labor der Wehrtechnischen Dienststellen des BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr beweisen. Das Ziel aller Beteiligten ist jedoch klar: Alle wollen den Soldaten des Heeres die bestmögliche Ausrüstung zur Verfügung stellen.

von René Hinz

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