Heer
Veränderte Abläufe trainieren

Erster Sprungdienst mit dem A400M

Erster Sprungdienst mit dem A400M

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Celle-Wietzenbruch
Lesedauer:
5 MIN

Kerosingeruch hängt in der Luft. Die Schaufeln der Triebwerke beginnen geräuschvoll durch die Morgenluft zu schneiden. Vor der Luftfahrzeughalle im Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit in Celle warten bereits Fallschirmjäger mit angelegtem Gurtzeug auf das Kommando, den Airbus A400M zu besteigen. Es ist der erste Fallschirmsprungdienst des Fallschirmjägerregiments 31 aus Seedorf mit diesem Transportflugzeug.

Soldaten mit angelegten Fallschirmen laufen in einer langen Reihe und einer Gruppe zu einem wartenden Flugzeug.

Die ersten Fallschirmjäger besetzen das neue Waffensystem A400M, um ihren ersten Sprung zu absolvieren

Bundeswehr/Andrea Neuer

Mehrere Reihen von Soldaten stehen vor der Laderampe des Flugzeuges. Helme auf dem Kopf, auf den Rücken sorgsam gepackte Fallschirme mit leuchtend roten Aufziehleinen, v

or der Brust den Reserveschirm. Die Absetzer auf der Laderampe haben bereits ein Sicherungsgeschirr – auch Stehhaltegurt genannt – angelegt und nehmen jeden Soldaten noch einmal mit Argusaugen unter die Lupe. Wenn dann die Springer die Rampe in das Flugzeuginnere betreten, heben sie die Arme, bis ihre Hände fast den Helm berühren. Denn hier findet die letzte Sicherheitsüberprüfung am Boden statt.

Schlösser zu, Gurte gesichert! Der Adrenalinspiegel steigt, einige grinsen. Nach dieser letzten Sichtprüfung verschwinden die Soldaten im Laderaum des Airbus. Die laufenden Triebwerke vibrieren deutlich. Ein Triebwerk des A400M verfügt über ähnlich viel Kraft wie damals jene zwei des Vorgängermodells der C-160 Transall zusammen – und der neue Transporter hat insgesamt vier davon. Die Höchstgeschwindigkeit in zehn Kilometer Höhe entspricht mit 750 Kilometer pro Stunde nahezu der von Flugzeugen mit Strahltriebwerken. Kaum sind die Soldaten angeschnallt, rollt die Maschine zum Start. Die Männer und Frauen werden trotz ihrer Gurte in die Seite der Sitze gepresst, als die vier Triebwerke des A400 M ihre Kraft in Schub umsetzen und die Maschine abhebt.

Verständigung mit Gesten

Wenig später stehen der Bordmechaniker und der Absetzleiter schon wieder. Die Absetzer, die für den sicheren Sprungablauf verantwortlich sind, positionieren sich an beiden Türen. Während des Anflugs zum Absetzen überprüft einer der Bordmechaniker noch einmal konzentriert die Meldung der Windgeschwindigkeit. Dann pustet er demonstrativ über seine Handinnenfläche in Richtung des Absetzleiters und zeigt mit den Fingern eine Fünf und eine Drei: Windgeschwindigkeit bei diesem Absetzvorgang acht Knoten. Wegen des Lärms im Inneren der Maschine verständigen sich die Absetzer mit ausdrucksstarken Gesten, die wenig Raum für Missverständnisse lassen. Schließlich nimmt der Absetzleiter Sichtkontakt zu den Absetzern auf und gibt entsprechende Zeichen.

Daumen hoch, Aufstehen! In der Transall und der kleineren M-28 Skytruck hätte das nun „Einhaken!“ bedeutet. Im A400M geschieht dies jedoch erst nach dem Einklappen der Sitze der beiden äußeren Sprungreihen. Zudem sind alle Kommandos in englischer Sprache. Die Ankerseile verlaufen etwas höher und ein Abknien zum Entriegeln der Sitze würde die Aufziehleine des Fallschirms T-10 zu weit herausziehen. Die mit dem Karabinerhaken der Aufziehleine eingehakten Springer werden nacheinander durch die Absetzer ein allerletztes Mal auf den richtigen Sitz der Ausrüstung kontrolliert. Dann ein Ruf – die Türen gehen auf. Der Bordmechaniker und die Absetzer können nun schon die Landschaft unter sich vorbeifliegen sehen.

„Fertig zum Sprung!“

Ein Flugzeug im Gegenlicht unter blauem Himmel, an einer Fangleine hängt ein Fallschirmjäger.

Die ersten Fallschirmjäger verlassen mit einem beherzten Sprung den A400M

Bundeswehr/Andrea Neuer

Drei Finger, Daumen hoch – noch drei Minuten! Die Fallschirmjäger sind hoch konzentriert. Eine Minute – auf das Kommando der Absetzer schuffeln die Springer näher an die geöffneten Türen, das heißt sie schlürfen mit kleinen Schritten. Die Sichtverbindung zwischen dem Bordmechaniker, dem Absetzleiter und seinen Absetzern reißt nun keinen Moment mehr ab. Dann werden auf beiden Seiten des Flugzeugs die ersten Springer in die Tür geholt, um mit dem Blick in die vorbeifliegende Landschaft auf das Signal zum Absprung zu warten. „Zehn Sekunden!“ – „Fertig zum Sprung! “ Dann springt die Lampe über der Tür auf Grün und aus einer Hupe schallt das Signal zum Sprung. Auch wenn dieses Signal dezenter ist als die charakteristische „welthässlichste Hupe“, die in der Transall durch das ganze Flugzeug bis ins Cockpit hinein deutlich zu hören war, ist es auch im A400M trotz des Lärms in der Maschine kaum zu überhören.

Über dem Absetzplatz Celle-Scheuen

Ein fester Schlag auf die Schulter und fast im Sekundentakt machen die Soldaten den Sprung ins Leere – bis sich der automatische Fallschirm T-10 öffnet und den Fall bremst. In den ersten Anflügen verlassen jeweils zehn Springer pro Tür das Luftfahrzeug über dem Absetzplatz Celle-Scheuen. Der Absetzer blickt anschließend aus der offenen Tür und kontrolliert, dass kein Springer am Luftfahrzeug hängen geblieben ist. Nach dem letzten von insgesamt vier Anflügen sind alle gesprungen und die Verpackungssäcke der Fallschirme werden mithilfe von Winden in die Maschine zurückgezogen, die Türen wieder geschlossen.

Zwei zusätzliche Schritte

Vorn stehen Soldaten und schauen zum Waldrand. Dort landen gerade Fallschirmjäger mit ihren hellgrünen Fallschirmen.

Unversehrt landen alle Fallschirmspringer auf den Standortübungsplatz in Celle-Scheuen

Bundeswehr/Andrea Neuer

Im Vergleich mit der Transall C-160 sind die Abstände der Springer zueinander geringfügig größer. Verließen die Springer die Trall im Sekundentakt, sind es beim A400M rund 1,5 Sekunden. Grund dafür sind zwei zusätzliche Schritte auf einer Plattform, mit deren Hilfe der Springer, von einem Windabweiser zunächst geschützt, bereits Abstand zur Tür gewinnt, bevor er mit beiden Beinen gleichzeitig bei einer Geschwindigkeit von rund 230 Kilometer pro Stunde abspringt. „Der Absprung muss kräftig erfolgen, damit man sauber und ohne beginnende Rotation in den Fahrtwind hineinkommt. Andernfalls kann es zu Verdrehungen der Fangleinen des Schirms kommen, aber auch zu einem zu geringen Abstand zu den Springern aus der anderen Tür“, erklärt Oberst der Reserve Jens Homberg nach seiner Landung am Boden. „Trotz der stets erforderlichen Konzentration auf den Sprung wird man nach so vielen Jahren natürlich auch etwas gelassener.“

Kommandeur der DSKDivision Schnelle Kräfte springt mit

Sieben Soldaten mit angelegten Fallschirmen stehen vor einem grauen Flugzeug

Auch der Kommandeur der Division Schnelle Kräfte, Brigadegeneral Dirk Faust (3.v.l.), nimmt am ersten Sprungdienst des Fallschirmjägerregiments 31 teil, genauso wie zwei weitere Kommandeure und vier Kompaniechefs

Bundeswehr/Andrea Neuer

Der Kommandeur der Division Schnelle Kräfte, Brigadegeneral Dirk Faust, ging mit gutem Beispiel voran und nahm am ersten Sprungdienst des Fallschirmjägerregiments 31 mit dem neuen Waffensystem A400M teil, genauso wie der stellvertretende Kommandeur des Regiments, Oberstleutnant Mirko Bindewald,  Oberst Homberg, gespiegelter Kommandeur des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit in Celle, und die vier neuen Kompaniechefs des Fallschirmjägerregiments 31.

Das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit ist eine der wichtigsten Ausbildungseinrichtungen für das Fallschirmjägerregiment 31 im gesamten Spektrum von Übungen und Ausbildungen. Neben solchen taktischen Übungsdurchgängen wird aufgrund der räumlichen Nähe zum Standort Seedorf und den hervorragenden Bedingungen des Absetzplatzes Celle-Scheuen das Zentrum auch immer wieder für reguläre Fallschirmsprungvorhaben genutzt.

von Andrea Neuer

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