Heer

Erstmals Offizierbriefe in Hammelburg verliehen

Erstmals Offizierbriefe in Hammelburg verliehen

  • Infanterie
  • Heer
Datum:
Ort:
Hammelburg
Lesedauer:
3 MIN

In Hammelburg endet der erste Durchgang des Fahnenjunkerlehrgangs mit der Verleihung der Offizierbriefe. Sie sind die Befähigungsnachweise für junge Soldatinnen und Soldaten, dass sie Offiziere werden können. Die Übergabe war eine Premiere an der Infanterieschule nach der Reform der Offizierausbildung, der Weg dorthin anspruchsvoll.

Vier Soldaten stehen hintereinander bewaffnet an einer Hauswand. Der vordere holt zum Wurf einer kleinen grünen Büchse aus.

Während der Abschlussübung im Übungsdorf Bonnland hält ein Soldat einen Nebeltopf in der Hand und will ihn werfen, um dem Feind die Sicht zu nehmen und den eigenen Angriff weiter fortsetzen zu können.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Die letzte Hürde ist für die jungen Soldaten auch die höchste: Bei der Abschlussübung beweisen die Offizieranwärter des ersten Fahnenjunkerlehrgangs, was sie alles in den vergangenen 15 Wochen gelernt haben. Laut dem Szenario hat der Feind das Bundeswehr-Übungsdorf Bonnland auf dem Übungsplatz Hammelburg besetzt. Die Fahnenjunker müssen als Kompanie mit zwei Zügen nebeneinander auf Bonnland angreifen, um es wieder unter eigene Kontrolle zu bringen. Auf dem Weg dorthin gilt es, für die Nacht einen einsatznahen Verfügungsraum zu beziehen und von dort leichte Spähtrupps als „Augen am Feind“ zu entsenden, um ein klares Lagebild zu erhalten.

Angriff auf Bonnland

Drei Rollen scharfen Sperrdrahts sind aufeinandergestapelt. Dahinter stehen zwei Soldaten, einer sichert mit dem Gewehr.

Das Öffnen der Sperre: Ein Soldat schiebt ein Sprengrohr unter die Drahtsperre, ein zweiter Soldat sichert ihn ab.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Doch noch bevor die Truppe den Verfügungsraum erreicht, gibt es die erste böse Überraschung: Der Feind hat im Wald seinerseits Sicherungen eingesetzt, um die Umgebung zu überwachen. Die jungen Offizieranwärter erinnern sich an ihren Ausbildungsabschnitt „Werfen schwacher Sicherung“ und suchen gleich das Gefecht. Mit der drückenden Feuerüberlegenheit von rund 40 Soldaten ist es ein Leichtes, die Handvoll feindlicher Akteure zu vernichten beziehungsweise zum Ausweichen zu zwingen. Danach kann der Verfügungsraum bezogen und die Spähtrupps entsendet werden. Bei Dunkelheit liefern sie wertvolle Erkenntnisse: Der Feind hat sich in Bonnland vermutlich in verminderter Zugstärke mit rund 25 Soldaten verschanzt. Alle Zugänge zur Ortschaft sind mit Drahtsperren versehen, die ebenerdigen Türen und Fenster der Gebäude verbarrikadiert. Die Angriffsplanung macht dies nicht einfacher. Zusätzlich zur persönlichen Ausrüstung und der Waffe müssen Sprengrohre zur Beseitigung der Drahtsperren sowie Leitern zum Einbruch in die Häuser mitgenommen werden.

Haus um Haus feindfrei kämpfen

Eine Leiter lehnt an einer Fensteröffnung. Ein Soldat hält diese mit vollen Körpereinsatz. Drei Soldaten klettern hinauf.

Auf der Sprossenleiter: Im Orts- und Häuserkampf treffen viele Kräfte auf engem Raum zusammen.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Im Morgengrauen ergeht der Befehl: Angriff auf Bonnland! Die zwei Züge nähern sich, geschützt von der Dämmerung und das Gelände ausnutzend, in Windeseile der Ortschaft. Mit einem Sprengrohr zerstören die Soldaten die feindliche Drahtsperre und öffnen sie für eigene Kräfte. Unter Einsatz von Nebel und Deckungsfeuer schaffen sie anschließend die erste Einbruchstelle und starten den Häuserkampf. In den nächsten Stunden kämpfen sie sich Haus um Haus und darin Raum um Raum vor, immer in Abstimmung mit dem jeweiligen Nachbarn, damit nicht versehentlich auf Kameraden geschossen wird. Eine koordinative Höchstleistung. Nach mehreren Stunden des nervenaufreibenden Kampfes ist schließlich klar: Bonnland ist feindfrei. Der Auftrag ist ausgeführt. Die 24-stündige Abschlussübung war erfolgreich, fast ohne Schlaf und unter ständiger körperlicher Belastung.

Abschlussappell auf der Fähnrichwiese

In Reihe und Glied sind die Soldaten auf einer grünen Wiese mit FFP2-Masken angetreten.

Unter den Lehrgangsteilnehmenden befinden sich sieben ausländische Soldaten aus fünf Ländern, darunter auch französische Soldatinnen und Soldaten

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Eine Woche nach der Übung haben sich die Offizieranwärter von den Strapazen wieder erholt, jetzt können sie die Früchte ihrer Arbeit ernten und sind zum Abschlussappell angetreten: Ihnen werden auf der Fähnrichwiese die Offizierbriefe verliehen. Nicht nur für sie ist dieser Tag besonders. Durch die Neuordnung des Ausbildungsganges für Truppenoffiziere im Heer werden die Offizierbriefe erstmals nicht, wie bisher üblich, an der Offizierschule des Heeres in Dresden, sondern an der Infanterieschule in Hammelburg vergeben. Aus diesem besonderen Anlass beglückwünscht der Kommandeur der Infanterieschule und General der Infanterie, Brigadegeneral Michael Matz, persönlich jeden einzelnen Anwärter zu seiner Leistung.

Ein Wimpel als Auszeichnung

Ein Soldat übergibt einem anderen Soldaten einen grünen Wimpel, zwei Soldaten stehen still.

Der Kommandeur der Lehrgruppe A, Oberstleutnant Andreas Eichhorn (r.) steht still als Brigadegeneral Michael Matz (Mitte links) den Inspektionswimpel an den Chef der XIII. Inspektion, Major Andreas Mathes, übergibt.

Bundeswehr/Benjamin Bendig

Der Lehrgruppenkommandeur, Oberstleutnant Andreas Eichhorn, betont die Bedeutung des Offizierbriefes: „Sie haben bewiesen, dass Sie das nötige Rüstzeug zum Offizier besitzen. Mit dem erfolgreichen Bestehen des Fahnenjunkerlehrgangs haben Sie gleichzeitig die entscheidende Voraussetzung zur Beförderung zum Leutnant erfüllt.“ Für die XIII. Inspektion, die diesen Premierenlehrgang geplant und auf die Beine gestellt hat, bringt er ebenfalls eine besondere Auszeichnung mit: Ein Jahr nach der Aufstellung wird der Inspektionswimpel durch den Bund der Deutschen Infanterie als besondere Ehre verliehen. Als Lehrgangsbester schließt Obergefreiter (Offizieranwärter) Gabriel Seegerer mit einem Notenschnitt von 1,47 ab. Für diese Bewertung war allerdings nicht allein die Abschlussnote entscheidend, sondern auch eine herausragende körperliche und charakterliche Leistung. Eichhorn beendet den Appell mit einem Blick in die Zukunft: „Die Infanterie braucht Sie und die Infanterie wartet auf Sie!“

von Jan Volkmann

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