Heer
Standortnah und anspruchsvoll

Gebirgsjäger setzen Pilotprojekt erfolgreich um

Gebirgsjäger setzen Pilotprojekt erfolgreich um

Datum:
Ort:
Bad Reichenhall
Lesedauer:
3 MIN

Vor zwölf Jahren hat das Gebirgsjägerbataillon 231 in Bad Reichenhall letztmalig Rekrutinnen und Rekruten in der Grundausbildung selbst ausgebildet. Im März 2024 haben dort nun erstmals junge Frauen und Männer während eines Pilotprojektes eine neue sechsmonatige militärische Basisausbildung mit einer anspruchsvollen Abschlussübung beendet.

Ein Soldat mit Maschinengewehr hockt zwischen kleinen Bäumen im verschneiten Gebirge.

Mit dieser neuen Basisausbildung steht von Anfang an fest, welche Anforderungen an die Gebirgsjäger gestellt werden. Aber auch die Standortfrage ist für die jungen Soldaten geklärt.

Bundeswehr/Jana Neumann

Seit 2011 war es so, dass die angehenden Gebirgsjäger ihre soldatische Grundbefähigung zunächst für drei Monate an Standorten in ganz Deutschland erworben haben und erst im Anschluss die dreimonatige Spezialausbildung bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall erfolgte. Jetzt haben 45 junge Soldatinnen und Soldaten seit Oktober 2023 eine neue, passgenaue Basisausbildung dort durchlaufen. Sie dauert sechs Monate, vereint also Grund- und Spezialausbildung.

Dabei wird bereits frühzeitig der Fokus auf die besonderen Anforderungen für angehende Gebirgsjäger gelegt. Sie müssen in schwierigem Gelände bei großen Höhenunterschieden kämpfen können. In dem Pilotprojekt wird methodisch gewährleistet, dass die neuen Soldatinnen und Soldaten physisch und psychisch langsam an die neuen Aufgaben herangeführt werden.

Dort dienen, wo man lebt

Auch verspricht das neue Modell eine verbesserte Standortsicherheit für die jungen Rekruten. Wer sich für den Dienst bei den Gebirgsjägern bewirbt, wird von Anfang an im und für das Gebirgsjägerbataillon 231 in Bad Reichenhall ausgebildet. Damit entfallen die bislang weiten Anreisen zu Grundausbildungsstandorten in ganz Deutschland. Das Bataillon ist mit der Region Berchtesgadener Land und dem Landkreis Traunstein besonders verbunden und so stärkt das Projekt auch das Zusammengehörigkeitsgefühl von Bevölkerung und Bundeswehr. Das Heer hofft, mit der wohnortnahen Ausbildung mehr Personal direkt in der Region zu gewinnen.

Sechs Monate Ausbildung, acht Tage Prüfung

Gebirgsjäger liegen im Schnee und sichern mit ihren Waffen in alle Richtungen.

Ein sehr sensibler Moment: Nach dem Absitzen aus dem Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 sichern die Reichenhaller Jager mit ihren Waffen das Gelände in alle Richtungen

Bundeswehr/Gebirgsjägerbataillon 231
Soldaten in Schneetarnanzügen steigen in einen Hubschrauber mit laufendem Rotor.

Pilotprojekt Basisausbildung: Ein Highlight für die Rekrutinnen und Rekruten – die Hubschrauberausbildung im schneebedeckten Gebirge

Bundeswehr/Gebirgsjägerbataillon 231

Und was wird von den angehenden Gebirgsjägern gefordert? Was in der Basisausbildung alles auf dem Dienstplan steht, verdeutlicht deren Abschlussübung. Sie dauert acht Tage, in denen die Rekrutinnen und Rekruten alles geben müssen. Sie werden quer durch das Einsatzspektrum der Gebirgsjäger geprüft.

„Die jungen Soldaten müssen schwieriges bis extremes Gelände überwinden. So steigen sie beispielsweise auf die schneebedeckten Gipfel des Truppenübungsplatzes Reiteralpe auf und beweisen sich im Winterkampf“, erklärt ihr Zugführer Hauptmann, Maximilian H.* „In der achttägigen Übung zielen wir darauf ab, die Soldatinnen und Soldaten auf die Bewältigung anspruchsvoller Einsatzszenarien vorzubereiten, für die sie später als Teil der Division Schnelle Kräfte vorgesehen sind. Die jungen Leute müssen flexibel reagieren und dabei einen kühlen Kopf bewahren“, beschreibt der Hauptmann das Ziel von Basisausbildung und Abschlussübung.

Hinzu kommt auf der verschneiten Reiteralpe inklusive eines Notbiwaks die Arbeit mit dem Suchgerät für Lawinenverschüttete und den Gerätschaften zur Bergrettung. Diese Fertigkeiten sind entscheidend, damit die jungen Soldatinnen und Soldaten auch in kritischen Situationen im Gefecht am Berg ihren Auftrag erfüllen und das Leben von Kameraden retten können.

Ein Highlight während der Abschlussübung ist die Ausbildung mit dem Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90, bei der die angehenden Gebirgsjäger unter Zeitdruck und unter Gefechtsbedingungen schnell, effizient und taktisch richtig in den Hubschrauber ein- und aussteigen müssen. Mit dem Helikopter fliegen sie anschließend in ihren neuen Einsatzraum auf den Truppenübungsplatz Traunstein Kammer. Dort errichten sie ein Zeltlager, ein Biwak. Es folgt ein Gruppengefechtsschießen in den Wäldern, bei dem die Rekrutinnen und Rekruten das in den vergangenen sechs Monaten erlernte Handwerkszeug anwenden.

Mit Hereinbrechen der Nacht steht noch der 40 Kilometer lange Rückmarsch vom Übungsplatz Kammer über Inzell in die Kaserne nach Bad Reichenhall auf dem Programm. „Mit dem achtstündigen Gepäckmarsch inklusive Waffen und Ausrüstung bei Nacht stellen die noch jungen Soldaten ihre Ausdauer und ihren Zusammenhalt unter Beweis“, erläutert Hauptmann H.

Kommandeur zufrieden mit Pilotprojekt

Der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 231, Oberstleutnant Dr. Simon Werner, ist beeindruckt von den Leistungen der jungen Soldaten und betont die Bedeutung dieser Ausbildung für ihre zukünftigen Aufgaben: „Die erfolgreich abgeschlossene Basisausbildung bestätigt das Engagement und die Entschlossenheit unserer Soldaten, sich stets auf höchstem Niveau zu entwickeln und für alle Herausforderungen gerüstet zu sein.“ Das Pilotprojekt der neuen Basisausbildung wertet der Kommandeur als vollen Erfolg.

Die Rekrutinnen und Rekruten der Basisausbildung sind nun bereit, ihre Fähigkeiten und ihr Engagement beim Gebirgsjägerbataillon 231 in den Dienst für ihr Land zu stellen.

*Name zum Schutz des Soldaten abgekürzt.

von Gebirgsjägerbataillon 231 

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