Heer

Gefangen in der Lawine

Gefangen in der Lawine

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Bad Reichenhall
Lesedauer:
4 MIN

Stellt euch vor, der Boden unter euren Skiern fängt plötzlich an zu vibrieren. Etwas stimmt nicht. Euch wird klar, dass die riesige Schneedecke unter euch anfängt zu rutschen. Dann ist es meist schon zu spät.

Zwei Soldaten in Schneetarnuniform schaufeln mit blauen Schneeschaufeln im weißen Schnee.

Bei den Gebirgsjägern lernen die Soldaten im Gebirge, wie sie zur Rettung anderer und des eigenen Lebens bei einer Lawine handeln müssen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Ihr versucht, auf den Skiern zu bleiben und seitwärts rauszukommen. Schnell verliert ihr die Kontrolle und geht unter in den Schneemassen. Was könnt ihr tun, um eure Überlebenschancen in der Lawine zu erhöhen und wie werdet ihr gerettet, für den Fall, dass ihr Glück habt und überlebt?

Ein Soldat in Schneetarnuniform demonstriert vor einer Ausbildungsgruppe exemplarisch die Lawinenhilfe im Schnee.

Die Lawinenhilfe funktioniert nach einem bestimmten System, um die Überlebenschancen des Verschütteten zu erhöhen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Bereits in der Spezialgrundausbildung lernen Gebirgsjäger, wie die Soldatinnen und Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall, sowohl ihre eigenen Überlebenschancen in der Lawine zu erhöhen, als auch ihre Kameraden im Ernstfall in den Schneemassen zu lokalisieren. Auf der Reiteralpe nutzen sie das verschneite Gelände, um sich mit ihrer Lawinennotfallausrüstung vertraut zu machen. Eine Ausbildung, die für die Soldaten von besonders hoher Bedeutung ist, denn im Ernstfall zählt jede Sekunde. 

Der Kampf um die Zeit beginnt

Ein Soldat in Schneetarnuniform nutzt zwei weiße Skistöcke im Schnee.

Wer in der Lawine die Kontrolle verloren hat, sollte die Skistöcke abwerfen, damit die Schneemassen einen nicht in die Tiefe ziehen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Ihr merkt, wie die Lawine zum Stillstand kommt. Es wird ruhig. Ihr seid unverletzt. Mit den Armen und Händen habt ihr eine Lufthöhle um euren Kopf erhalten und eure Skistöcke abgeworfen, damit sie euch nicht in die Tiefe ziehen. Der Schnee ist hart wie Beton und ihr seid fixiert. Es beginnt ein Kampf um die Zeit, gegen die Kälte und gegen den Sauerstoffmangel.

Ein Soldat hält ein gelb-schwarzes Kästchen mit Plastik-Gehäuse und digitaler Anzeige in der Hand.

Das Lawinenverschüttetensuchgerät, kurz LVS-Gerät, ist auf dem zivilen Markt erhältlich und rettet im Ernstfall Leben.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Alle Gebirgsjäger tragen am Berg ihr eingeschaltetes Lawinenverschüttetensuchgerät, auch LVS-Gerät genannt, direkt am Körper. LVS-Geräte sind aber auch auf dem freien Markt erhältlich. Es sendet ein Signal aus, mit dessen Hilfe euch die anderen mit Glück im Schnee finden können.

Suche ist Teamarbeit

Soldaten in Schneetarnuniform stehen auf Skiern in Reihe am verschneiten Berg.

Der erfahrenste Skifahrer geht zuerst und macht sich auf zum Verschwindepunkt des Vermissten.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Eure Freunde haben euch beobachtet und sich den Ort gemerkt, an dem ihr im Schnee verschwunden seid. Wie bei den Gebirgsjägern macht sich der erfahrenste Skifahrer sofort auf den Weg dahin und beginnt am Verschwindepunkt mit der Suche nach euch. Dafür nutzt er die Suchfunktion seines eigenen LVS-Gerätes. Zwei weitere Personen legen Schaufel und Sonde bereit. Ein Notruf wird sofort abgesetzt. Die beiden Freunde bleiben immer in Sicht- und Rufweite zum Sucher, der unten bereits den Verschwindepunkt erreicht hat und ihn markiert.

Ein Soldat in Schneetarnuniform fährt auf Skiern einen verschneiten Hang hinunter.

Der Sucher muss mit System vorgehen und ein bestimmtes Areal im Schnee absuchen, wobei er sich am Signal des LVS-Gerätes orientiert.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Der Sucher konzentriert sich auf euren Verschwindepunkt. Während eure Körpertemperatur immer weiter sinkt und euch allmählich die Luft knapp wird, beginnt der Sucher mit der eigentlichen Lawinensuche. Wird nur eine Person verschüttet, fährt der Sucher mit einer speziellen Technik, in einer Art Serpentine, vom Verschwindepunkt aus, von oben nach unten über den Schnee. Die Gebirgsjäger nutzen bei dieser Serpentine spezielle Abstände, um den Verschütteten zu lokalisieren. Ihr habt Glück, denn sein LVS-Gerät liefert ein erstes Signal.

Das LVS-Gerät zeigt die Richtung

Ein Soldat in Schneetarnuniform hockt im Schnee. Vor ihm steckt ein weißer Skistock und ein Tannenzweig im Schnee.

Das Suchgerät liefert ein erstes Signal. Diesen Punkt markiert der Sucher mit einem Skistock.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Auf dem Display des LVS-Geräts wird dem Sucher akustisch und mithilfe von Pfeilen die Richtung angezeigt, woher euer Notsignal kommen könnte. Das erste Signal markiert der Sucher mit einem Skistock. So wird der Punkt immer wieder gefunden, sollte das Gerät das Signal durch Wettereinflüsse oder weitere Störfaktoren verlieren.

Die Suche begrenzt sich jetzt weiter ein auf den Ort, an dem das Signal besonders stark war. Rund um diesen Ort wird das Signal immer stärker, die angezeigte Zahl auf dem Display wird immer kleiner. Das Gerät zeigt jetzt den Wert 2,4 an, also 2,40 Meter. Im Glücksfall bedeutet das: Ihr seid lokalisiert. Die beiden anderen Helfer mit Schaufel und Sonde werden gerufen.

Ein Soldat in weißer Schneetarnuniform fährt mit dem Suchgerät über den weißen Schnee.

In Kreuzform fährt der Sucher über den Schnee, um den Vermissten genau zu lokalisieren.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Mit dem LVS-Gerät fährt der Sucher jetzt bei der Feinsuche in Kreuzform über die Schneedecke. Ihr würdet gerne rufen, aber der Sucher kann euch durch den dichten Schnee nicht hören und euch fehlt die Energie. Euer Zustand verschlechtert sich rapide. Die Luft in der Luftblase reicht nicht mehr und ihr werdet bewusstlos.

Der rettende Stich

Ein Soldat in Schneetarnuniform sticht mit einer über zwei Meter langen dünnen Sonde in den Schnee.

Von der Seite schaufeln sich die Retter an den Verschütteten heran, um den Druck auf ihn und auf die Luftblase von oben nicht zu erhöhen.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Ein Gebirgsjäger sticht die Sonde an der lokalisierten Stelle in den Schnee. Volltreffer. Ihr liegt in anderthalb Meter Tiefe im Schnee begraben. Von der Seite schaufelt sich der Sucher mithilfe der anderen zu euch durch, damit er nicht von oben die Luftblase zertritt. Die Hoffnung erhärtet sich, denn der Sucher findet nicht nur einen Rucksack oder euer LVS-Gerät, sondern euch. Ihr habt Puls, werdet freigelegt und möglichst nicht bewegt, damit das kalte Blut aus den Extremitäten nicht abrupt in den Kern des Körpers zum noch warmen Herzblut gelangt. Profis sprechen von der Gefahr des Bergungstodes. Währenddessen trifft das Rettungsteam ein. Der Sucher hat während der gesamten Zeit euer Gesicht geschützt, damit kein Schnee in die Atemwege gerät. Es liegt jetzt in der Hand der Sanitäter, eure schwachen Vitalfunktionen zu stabilisieren. Am Ende ist die Rettung Glückssache. Die professionelle Zusammenarbeit bei der Lawinensuche aber erhöht die Chancen auf eine Rettung maßgeblich. 

von Peter Müller

mehr lesen

  • Zwei Soldaten stehen in Schneetarnanzügen, Schneestöckern und Waffe in einer verschneiten Landschaft.
    • Ausbildung
    • Heer

    Das Heer im Winterkampf

    Das Deutsche Heer zeigt, welche Ausstattung und welche Ausbildung nötig sind, um im Kampf im Eis zu bestehen.

  • Ein Kletterseil rahmt das grüne, ovale Wappen. Spitzhacke und Gewehr kreuzen sich, darauf ein Edelweiß, unten rot die Zahl 231.
    • Heer

    Gebirgsjägerbataillon 231

    Erfahren Sie mehr über das Gebirgsjägerbataillon 231 aus Bad Reichenhall in Bayern und seine spezielle Ausrüstung.