EU-Battlegroup besteht Zertifizierungsübung European Falcon 24
- Datum:
- Ort:
- Letzlingen
- Lesedauer:
- 3 MIN
Mit der fordernden Zertifizierungsübung European Falcon 24 hat der multinationale Gefechtsverband der European Battlegroup jetzt seine hohe Einsatzbereitschaft und Kampfkraft nachgewiesen. Im Gefechtsübungszentrum in der Letzlinger Heide zeigte die multinationale Truppe, dass sie durchsetzungsfähig ist, auch gegen einen gleichstarken Feind.
Die Infanteristen des Gebirgsjägerbataillons 231 stellen aktuell den Kern des Gefechtsverbands der EU-Battlegroup. Im Januar 2025 beginnt die einjährige Bereitschaftsphase.
Bundeswehr/Carl SchulzeEs ist fünf Uhr morgens. Litauische und deutsche Aufklärungstrupps sind unterwegs, um den eigenen Kräften den Weg zu bereiten. Sie gehören zur EU-Battlegroup (EUBG), der kampfstarken Krisenreaktionskraft der Europäischen Union. An einer Kreuzung gehen die Soldaten hinter einem Erdwall in Stellung. Sie entdecken eine Sperre aus Stacheldraht. Was sie noch nicht sehen können: Hinter dem Draht lauern nicht nur Richtminen gegen Gefechtsfahrzeuge, sondern auch eine Sprengfalle mit 45 Kilogramm hochexplosivem Sprengstoff. Wird sie nicht entdeckt, wird die Durchfahrt der eigenen Fahrzeuge in einem Desaster enden.
Die 4. Kompanie, bestehend aus niederländischen Fallschirmjägern, hat jetzt den Auftrag, diese Sperre zu öffnen, um so die Voraussetzungen für den weiteren Angriff zu schaffen. Dafür haben die Fallschirmjäger deutsche und niederländische Pionierkräfte dabei, die darauf spezialisiert sind, solche Ladungen aufzuspüren, zu neutralisieren, aber auch selbst anzubringen.
Nachdem sich der Gefechtsverband bis an die Stadt Schnöggersburg herangekämpft hat, wird ein wichtiger Flughafen eingenommen und zeitlich begrenzt verteidigt
Bundeswehr/Carl SchulzePlötzlich wird geschossen. Der Feind überwacht die Sperre und nimmt die anrückende Truppe unter Feuer, um sie daran zu hindern, die Sperre zu öffnen und zu durchfahren. Doch unter ohrenbetäubenden Salven aus den schweren Maschinengewehren gelingt es den eigenen Kräften dennoch, die Sprengfalle zu finden und zu entschärfen. Die Situation ist gelöst.
Jetzt kann der Gefechtsverband, im Kern gestellt durch die Infanteristen des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall, weiter vorrücken, um einen Flughafen im Norden der Übungsstadt Schnöggersburg sowie in der Stadt selbst Haus für Haus vom Feind freizukämpfen. Anschließend werden sie vor Ort Sicherheit und Stabilität schaffen, bis die Folgekräfte eintreffen.
Das Gebirgsjägerbataillon 231 gehört zur Gebirgsjägerbrigade 23. Es stellt mit vier Kompanien und dem Gefechtsstand aktuell den Kern des EUBG-Gefechtsverbands. Dafür wird das Infanteriebataillon durch weitere Kräfte der Bundeswehr sowie Soldatinnen und Soldaten aus Ungarn, Litauen und den Niederlanden verstärkt. Die Truppe wird dann zu einem schlagkräftigen multinationalen Gefechtsverband ausgebaut und ab dem 1. Januar 2025 für ein Jahr als schnelle Krisenreaktionskraft der EU in höchster Bereitschaft zur Verfügung stehen. Binnen fünf bis zehn Tagen müssen die Soldatinnen und Soldaten abmarschbereit sein.
Der Gefechtsverband ist der Kern der EUBG 2025, insgesamt sind es mit weiteren Unterstützungskräften bis zu 5.000 Soldatinnen und Soldaten aus elf Nationen. Neben Deutschland beteiligen sich auch Österreich, Belgien, Kroatien, Ungarn, Irland, Litauen, Lettland, Luxemburg, die Niederlande und Schweden.
„Mit der Führung der European Union Battlegroup übernimmt Deutschland sichtbar Verantwortung für die Handlungs- und Reaktionsfähigkeit sowie für die Glaubwürdigkeit der EU im Bereich Sicherheit und Verteidigung. Wir Gebirgsjäger sind hoch flexibel und in der Lage, mit der Ausstattung, die wir haben, ein unterschiedliches Intensitätsspektrum an Konfliktpotenzialen abzudecken.“
Radbasierte gepanzerte Gefechtsfahrzeuge wie der Dingo bieten den Kräften der EU-Battlegroup nicht nur Schutz, sie machen die Truppe beweglich und räumlich flexibel einsetzbar
Bundeswehr/Carl SchulzeDie Landes- und Bündnisverteidigung wird grundsätzlich durch die NATO gewährleistet. Welche militärischen Aufträge könnten also realistisch auf die EUBG zukommen? Das können beispielsweise Anfangsoperationen sein, die durch die EU beschlossen werden. Im Ernstfall sind multinationale Operationen auch zur schnellen Stabilisierung von Krisenregionen möglich.
Der Kommandeur des Gefechtsverbands, Oberstleutnant Simon Werner, erklärt dazu: „Im Gefechtsübungszentrum haben wir das Gebirgsjägerbataillon 231 gemeinsam mit Unterstützern der Elektronischen Kampfführung, der ABC-Abwehr, dem Sanitätsdienst und der Operativen Kommunikation sowie multinationalen Kräften aus den Niederlanden und Litauen. Damit stellen wir unsere hohe Kriegstauglichkeit unter Beweis und zeigen, dass wir für den Auftrag der EU bestens geeignet und voll einsatzbereit sind.“
In einer Krisenregion drohen auch der Zivilbevölkerung Gefahren. Das Ziel der EUBG ist es deshalb, schnellstmöglich auf Krisen zu reagieren, um Sicherheit und Stabilität wiederherzustellen.
Bundeswehr/Carl SchulzeDie Infanteristen aus Bad Reichenhall können auch dank ihrer enormen Belastungsfähigkeit ihren Kernauftrag der Landes- und Bündnisverteidigung erfüllen. Gebirgsjäger sind eine Kampftruppe, gehören im Heer zu den Leichten Kräften und können aufgrund ihrer hohen Mobilität, Flexibilität und Professionalität in denkbar allen Regionen dieser Erde eingesetzt werden. Sie sind darauf spezialisiert, in großen Höhen, im Gebirge, in heißen, aber auch in arktischen Regionen im Sommer wie Winter infanteristisch zu kämpfen. Dazu zählt es auch, sich gegen einen professionellen, ebenbürtigen militärischen Feind und gegen irreguläre Kräfte wie terroristische Opponenten zu behaupten.
Ende dieses Jahres wird die Truppe dann auf den Truppenübungsplatz Bergen verlegen, um dort unter Führung des Force Headquarters (FHQ), eingebettet in das Gesamtgefüge der EUBG, zu üben. Das FHQ wiederum wird aus Kräften des Eurocorps in Straßburg gebildet. Nach dem Vorbereitungsjahr 2024 folgt im Bereitschaftsjahr 2025 ein weiteres Jahr Übung und Ausbildung am Standort sowie weitere Übungen in Europa, um den hohen Ausbildungsstand zu erhalten.
von Peter Müller