Ehrenzeichen der Bundeswehr im Überblick
Das Ehrenzeichen der Bundeswehr gibt es für herausragende Leistungen. 1980 werden die ersten verliehen.
Tugend und Grundpflicht aller Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr: Mit dem Gelöbnis versprechen sie, Deutschland tapfer zu verteidigen.
Tapferkeit gehört zu den Grundpflichten der Soldatinnen und Soldaten. Im Gelöbnis verpflichten sie sich, das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Diese Verpflichtung schließt ein, den Verlust der körperlichen Unversehrtheit in Kauf zu nehmen – bis hin zum Tod. Was bedeutet Tapferkeit, wie zeigt sie sich im Einsatz und wie zeichnet die Bundeswehr außergewöhnlichen Mut aus?
Tapferkeit ist eine
Tapferkeit wird oft nur mit dem Einsatz oder dem Gefecht verbunden. Doch sie hat einen festen Platz im Dienstalltag: Wer in kritischen Situationen Rückgrat beweist, Fakten abwägt und eine schwere Entscheidung trifft, handelt tapfer. Denn Verantwortung zu übernehmen bedeutet auch, das persönliche Risiko einzugehen, für die Folgen einer Fehlentscheidung geradezustehen.
Viele tapfere Entscheidungen bleiben unbemerkt. Doch manchmal wird Haltung sichtbar. Wie zum Beispiel hier, wenn Tapferkeit durch ein Ehrenzeichen der Bundeswehr offiziell anerkannt und gewürdigt wird.
Bundeswehr/Norman JankowskiWas Tapferkeit tatsächlich bedeutet, wird bereits seit der Antike philosophisch analysiert. Dabei zeigt sich eine erstaunliche Uneinigkeit. Philosophinnen und Philosophen haben sich seit der Antike mit der Frage beschäftigt, was Tapferkeit eigentlich ist – und sie sind sich dabei wenig einig. Aristoteles beschreibt sie als „Mitte” zwischen zwei Extremen: Feigheit als zu viel Angst, Tollkühnheit als zu wenig. Tapfer ist demnach, wer Angst empfindet, aber vernünftig entscheidet, wann es richtig ist, ihr standzuhalten. Die
In der Neuzeit verschiebt sich der Fokus auf das Individuum. Für Immanuel Kant hat Tapferkeit mit moralischer Standhaftigkeit zu tun: den Mut zu haben, dem eigenen Pflichtbewusstsein zu folgen, auch wenn es unbequem ist. Nach den Erfahrungen zweier Weltkriege wird Tapferkeit heute differenzierter gesehen – neben soldatischem Mut wird moralischer Mut stärker betont, etwa der Widerstand gegen Unrecht, selbst innerhalb von Institutionen.
Tapferkeit ist für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr Pflicht. Paragraf 7 des Soldatengesetzes verpflichtet nämlich dazu, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Etwas Vergleichbares wird keiner anderen Berufsgruppe in Deutschland verbindlich abverlangt.
Die Tapferkeitspflicht stellt dabei keine eigenständige Grundpflicht dar, sondern ist eine konkretisierte, gesteigerte Form der Treuepflicht. Rechtlich definiert wird Tapferkeit als „Überwindung von Furcht vor der Gefahr”. Die Gesetzesbegründung von 1953 stellt klar: Tapferkeit lässt sich nicht befehlen, sondern muss durch Erziehung und Selbsterziehung der Soldatinnen und Soldaten wachsen. Das Ziel ist ein Charakter mit Haltung, dessen Pflichtbewusstsein stärker ist als die eigene Furcht.
Diese Pflicht schließt auch ein, dass Soldatinnen und Soldaten ihre körperliche Unversehrtheit – im Zweifel bis hin zu ihrem Leben – aufs Spiel setzen müssen, wenn der militärische Auftrag es erfordert. Sie gilt weltweit und ausnahmslos, in der Landes- und Bündnisverteidigung ebenso wie bei friedenssichernden Maßnahmen und selbst im Wachdienst im Frieden. Somit ist die Tapferkeitspflicht kein abstraktes Rechtskonstrukt, sondern gelebte Realität – in Auslandseinsätzen ebenso wie in plötzlichen Ausnahmesituationen. Beispielsweise bei Anschlägen, Naturkatastrophen oder anderen Gefahrensituationen, die Soldatinnen und Soldaten im Rahmen der Amtshilfe erleben.
Tapferkeit bedeutet nicht, das eigene Leben bedingungslos zu opfern. Die Grenze zwischen mutigem Einstehen und dem sinnlosen Inkaufnehmen des Todes hängt immer von der jeweiligen Lage ab.
In der Praxis zeigt sich Tapferkeit selten als einzelner heroischer Moment. Häufiger sind es Entscheidungen unter extremem Druck: Wer übernimmt die Führung, wenn der Kompaniechef ausfällt? Wer kehrt in die Gefahrenzone zurück, um Verwundete zu bergen? Wer hält die Stellung, obwohl die Lage unübersichtlich ist?
Die Bundeswehr zeichnet solche Taten unter anderem mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit aus – der höchsten nationalen Auszeichnung der Streitkräfte. Sie wird unabhängig von Dienstgrad oder Dienstzeit vergeben, ausschließlich für außergewöhnlich tapfere Taten unter akuter Gefahr für Leib und Leben. Bislang wurde sie in mehr als 30 Fällen tapferen Verhaltens verliehen (Stand: 2025).
Das Ehrenzeichen der Bundeswehr gibt es für herausragende Leistungen. 1980 werden die ersten verliehen.
Das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit ist 2008 als neue Auszeichnungskategorie geschaffen worden – als sichtbares Zeichen, dass die Bundeswehr außergewöhnlichen Mut ihrer Soldatinnen und Soldaten benennt, würdigt und im kollektiven Gedächtnis bewahrt. Trägerinnen und Träger des Ehrenkreuzes für Tapferkeit sind Vorbilder für alle Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr.
Tapferkeit bedeutet nicht Unerschrockenheit um jeden Preis. Die Innere Führung, die das Selbstverständnis der Bundeswehr prägt, betont den „Staatsbürger in Uniform”: ein Mensch, der überdenkt, urteilt und Verantwortung trägt.
Tapferkeit zeigt sich nicht nur als körperliche oder äußere Eigenschaft, sondern auch als Haltung: die moralische Kraft, im Sinne des Gemeinwohls und unter Einhaltung ethischer Prinzipien zu handeln. Tapferkeit in diesem Sinne schließt Selbstreflexion und die Übernahme von Verantwortung ausdrücklich ein.
„Mut und Tapferkeit schließen Angst nicht aus. Tapfer handelt, wer trotz Gefahr das Richtige tut, nicht wer keine Gefahr empfindet“, sagt Oberstleutnant Mathias F., Leiter der Fachstelle für Militärethik des Zentrums Innere Führung der Bundeswehr.
Tapferkeit als soldatische Tugend ist universell – ihre Auszeichnung unterscheidet sich jedoch stark zwischen den Streitkräften. Das britische Victoria Cross, die französische Médaille Militaire oder die amerikanische Medal of Honor zählen zu den bekanntesten Tapferkeitsauszeichnungen der Welt. Allen gemeinsam ist, dass sie selten verliehen werden: Sie würdigen das Herausragende innerhalb des ohnehin Außergewöhnlichen.
Mut ist die kurzfristige Bereitschaft, sich mit einer Gefahr zu konfrontieren. Tapferkeit geht weiter: Sie beschreibt das standfeste Handeln – auch dann, wenn die Gefahr anhält; verbunden mit moralischer Verantwortung. Mut ist eine Voraussetzung für Tapferkeit, aber Tapferkeit ist die umfassendere Eigenschaft.
Tapferkeit ist kontrolliertes, verantwortungsbewusstes Handeln mit klarem Ziel. Tollkühnheit ist unüberlegtes Handeln ohne angemessene Abwägung der Risiken. Tapfer ist, wer die Gefahr kennt und trotzdem vernünftig entscheidet. Tollkühn ist, wer sie ignoriert.
Zivilcourage ist moralischer Mut im zivilen Alltag, etwa das Eintreten gegen Unrecht ohne körperliche Bedrohung. Tapferkeit ist Mut angesichts von Gefahr, Angst oder Leid und historisch eng mit Gefahrensituationen verknüpft, deren Kontext sich jedoch im Laufe der Zeit erweitert hat.
Ja. In Antike und Mittelalter stand kriegerische Stärke im Vordergrund. In der Neuzeit kamen Pflichtbewusstsein und moralische Standhaftigkeit hinzu. Heute wird neben militärischem Mut auch moralischer Mut betont, etwa der Widerstand gegen Unrecht, selbst innerhalb von Institutionen.
Tapferkeit ist im Sinne der Inneren Führung keine blinde Gefolgschaft, sondern eine ethische Haltung: mutiges, standfestes Handeln unter außergewöhnlicher Gefährdung. Dies ist verbunden mit Selbstreflexion und moralischer Verantwortung. Das Leitbild des „Staatsbürgers in Uniform” betont, dass Soldatinnen und Soldaten denken, urteilen und Verantwortung tragen. Grundlage ist die freiheitlich demokratische Grundordnung.